Tom Lüthi (Honda): Die MotoGP leichter vorgestellt?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Tom Lüthi mit Gilles Bigot

Tom Lüthi mit Gilles Bigot

Nach elf Moto2-GP-Siegen kam Tom Lüthi mit hohen Erwartungen in die MotoGP-WM. 
Jetzt muss er – notgedrungen – mit einer Rückkehr liebäugeln.

Tom Lüthi (31) kam als Moto2-Vizeweltmeister von 2016 und 2017 in die MotoGP-WM. Als Teamkollege von Weltmeister Franco Morbidelli erfüllte sich der populäre Schweizer spät seinen Traum in der Königsklasse.

Aber die ersten sieben Rennen erwiesen sich als Albtraum.
Seit dem Sonntag in Jerez erlebte der Honda-Pilot aus dem Marc VDS-Team kaum einen Tag ohne Sturz, bei den letzten vier Rennen ist der Routinier dreimal durch Sturz ausgeschieden, in der Tabelle steht er punktelos da.

Zwei 16. Plätze in Doha und Le Mans waren die bisher besten Ergebnisse.

Tom Lüthi hat mit einem starken Teamkollegen zu kämpfen, der bereits 19 WM-Punkte eingesammelt hat und außerdem mit den Auflösungserscheinungen im Marc VDS-Team, das seit dem Le-Mans-GP und der Trennung von Teammanager Michael Bartholemy führungslos dahindümpelt.

Dazu kommt: Marc VDS wird sich nach der Saison 2018 aus der MotoGP-WM zurückziehen, die Option per Ende Juni wird also nicht eingelöst.

Aber Tom Lüthi sagte in Barcelona: «Die Rückkehr in die Moto2 ist noch weit weg. Ich will zuerst mit der MotoGP-Maschine besser werden.»

Tom, die 2017-Honda ist nicht das schlagkräftigste Paket für einen MotoGP-Rookie. Aber du musst auch deinen Fahrstil an die Ansprüche der 1000-ccm-Vierzylinder-Maschine besser anpassen?

Ja, ich bin dabei, den Fahrstil anzupassen und ihn zu verändern. Das muss ich!

Der Sprung von der Moto2 auf die MotoGP-Maschine ist bei mir noch nicht abgeschlossen, weder von der Linienwahl noch vom Fahrstil her.

Ich muss noch viel ändern und anpassen. Dafür brauche ich Runden. Deshalb war ich froh, dass wir in Barcelona den Montag-Test fahren konnten.

Du hast 2016 für KTM zwei MotoGP-Tests absolviert. Aber du warst dann im November 2017 verletzt und hast die zwei Tests in Valencia und Jerez verpasst. Die KTM-Tests haben dir nicht mehr geholfen?

Nein, das war zeitlich von meinem ersten Test bei Marc VDS im Januar 2018 zu weit weg. Ich habe das nicht vergleichen und nicht davon profitieren können.

Hast du dir die MotoGP-Klasse leichter vorgestellt?


Nein, ich habe sie mir nicht leichter vorgestellt. Ich habe gewusst, dass es eine schwierige Challenge wird. 
Es kam dann alles miteinander. Es ist sehr schwierig gewesen.

Vielleicht ist die Situation durch gewisse Umstände im Team schwieriger geworden, als ich gedacht habe, weil ringsherum alles Mögliche passiert ist.

Ich habe mich neu organisieren und neu aufstellen müssen, als plötzliche einige Leute im Team weg waren. Diese Umstellung ist immer noch im Gang.

Welche Auswirkungen hat der Abgang von Teamprinzipal Michael Bartholemy für dich persönlich gehabt?


Es sind einige Sachen organisiert gewesen. Aber plötzlich musste einiges neu organisiert werden, mit neuen Leuten, es fehlen Leute im Team. Es müssen neue Mitarbeiter angestellt werden, damit das Ganze wieder in Fahrt kommt.

Aber was cool ist: Die Crew funktioniert, mein Crew-Chief Gilles Bigot funktioniert in der Box, obwohl er ganz viele andere Sachen erledigen muss. Ich hoffe, dass er sich bald wieder ganz auf die Arbeit in der Box konzentrieren kann.

Es wäre gut, wenn er den Kopf wieder ganz bei der Sache haben könnte, damit wir uns auf unseren Job konzentrieren können. 
Um den Rest will ich mich nicht mehr kümmern. Ich habe wirklich genug.

Ich konnte das oft nicht ausblenden, weil ich viel organisieren musste, zwischen den Rennen und bei den Rennen.

Aber es wird alles gut.


Und die ungewisse Zukunft spukt auch im Kopf herum? Dani Pedrosa konnte das zum Beispiel in Mugello auch nicht ausblenden. Er war plötzlich 20. im Quali und stürzte in der ersten Runde.


Ja, was die Zukunft betrifft, das muss ich meinem Manager Daniel Epp übergeben und verdrängen. Ich muss mich auf meinen Job als Fahrer konzentrieren.

Aber es ist 2019 kein Platz mehr in der MotoGP-WM für dich. Das ist ein Fakt. Du musst dir also Gedanken über eine Moto2-Rückkehr machen.


Das habe ich sicher auch schon im Kopf gehabt. Muss ich ja, auf jeden Fall. Aber ich will das nicht zu fest im Kopf haben. Daniel muss darüber nachdenken, sich darum kümmern und alle Optionen offenhalten.

Die Moto2 könnte eine Option für 2019 sein.

Meine Priorität wäre aber, in der MotoGP zu bleiben. Das ist mein Ziel. Ich sehe mich erst am Anfang meiner MotoGP-Karriere. Ich kann es hier schaffen, davon bin ich überzeugt. Aber ich muss Zeit und Ruhe bekommen. 


In der Schweiz gibt es das CGBM-Moto2-Team von Fred Corminboeuf, das bis Ende 2017 dank Olivier Métraux erstklassig finanziert war. Aber dieses Team schuldet dir rund 300.000 Franken. Du müsstest also in ein ausländischen Moto2-Team gehen? 


Ja, dort hatten wir gute Voraussetzungen. Daniel Epp hat dorthin auch Sponsoren mitgebracht für mich.

Aber ich wiederhole: Ich sehe mich am Anfang meiner MotoGP-Karriere. Ich will dieses Thema noch nicht abhaken. Für einige Journalisten ist es wahrscheinlich schon abgehakt… Der Lüthi ist raus und vorbei.


Bei einem Blick auf die provisorische Startliste für 2019 sehe ich kein Team mit Tom Lüthi als Fahrer. Jorge Martinez gibt die zwei Plätze an Petronas-Yamaha ab, Marc VDS zieht sich aus der MotoGP-WM zurück.

Ja, ja. Ich vertraue immer noch auf Marc VDS. Wir werden sehen.

Mika Kallio ist aus der MotoGP-WM bei Pramac-Ducati in die Moto2-WM zurückgekehrt und bei Marc VDS 2014 Vizeweltmeister geworden.


Ja, ich weiß. Machbar ist alles. Aber das ist noch zu weit weg für mich.

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