Lucio Cecchinello (LCR): Das Geheimnis seines Erfolgs

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Lucio Cecchinello mit Cal Crutchlow

Lucio Cecchinello mit Cal Crutchlow

LCR-Honda zählt seit 2006 zu den erfolgreichsten Privatteams in der MotoGP. Lucio Cecchinello verrät im Exklusiv-Interview, wie er seinen Rennstall so lang an der Spitze hält und warum Honda auf ihn setzt.

Das LCR-Honda-Team von Lucio Cecchinello hat in diesem Jahr schon Höhen und Tiefen erlebt. Zuletzt beim GP von Deutschland schieden Cal Crutchlow und Takaaki Nakagami durch Stürze aus.

Aber Crutchlow hat in Argentinien seinen dritten MotoGP-Sieg errungen. Der 32-jährige Draufgänger war dann als erster Brite seit Barry Sheene WM-Leader. Cal ist aber inzwischen auf den achten WM-Rang zurückgefallen.

Nakagami kämpft gegen Syahrin und Morbidelli um den Titel «Rookie of the Year». Er hat bisher zehn Punkte kassiert und ist WM-21. Tech3-Yamaha-Pilot Syahrin hingegen hält sich mit 22 Punkten auf dem 16. WM-Rang. Morbidelli ist WM-17. mit 19 Punkten.

Im Interview mit SPEEDWEEK.com spricht der durchtrainierte Teambesitzer Lucio Cecchinello, der selbst sieben 125-ccm-GP-Siege errungen hat, über seine Team-Philosophie und seine Situation in der WM.

Der 48-jährige Italiener, in Venedig geboren, war vor wenigen Jahren noch einer von vielen Honda-Teambesitzern, als auch Gresini, Marc VDS, das Martinez-Team und AB MotoRacing mit Honda-Material unterwegs waren.

2019 wird LCR das einzige Honda-Kundenteam in der MotoGP-WM bilden. Schon jetzt haben beide LCR-Fahrer Verträge mit HRC. Denn Honda will einen Japaner in der «premier class» sehen – nach dem Rücktritt von Hiroshi Aoyama.

Lucio, vor zwei Jahren hast du mit leicht süffisanten Unterton gesagt, du seiest nicht so ein professioneller Teammanager wie Michael Bartholemy, denn der habe sein Team für fünf Jahr voraus finanziert, du nicht. Jetzt ist der Belgier weg, das VDS-MotoGP-Team sperrt am Jahresende zu.


Gut, Michael Bartholemy hat besonders in der Moto2 und auch in der MotoGP einen wunderbaren Job gemacht. Er war sehr geschickt, denn er hat mit Marc van der Straten einen wichtigen Sponsor gefunden. 
Aber wenn du dein ganzes Programm von einem einzigen Geldgeber abhängig machst, wenn jeder Teil deines Budgets von einer Person abhängt, wenn du also im Grunde nur einen Kunden hast, ist das mit Risiken verbunden, dann kann das passieren, was Bartholemy jetzt widerfahren ist.

Deshalb verfolgen wir die Philosophie, unser Programm auf unterschiedliche Partner abzustützen. Bei uns teilen sich Firmen wie GIVI, Castrol und andere von Grand Prix zu Grand Prix die Sponsorflächen.

Natürlich ist es nicht einfach, diese Arbeitsweise aufrecht zu erhalten. Denn wir verlieren etwas an Image und Appeal, wenn wir den Hauptsponsor mehrmals in der Saison wechseln. 
Wenn man den Hauptsponsor oft wechselt, leidet der Wiedererkennungswert des Teams. Anderseits muss ich das Risiko für mein Team und meine Firma so gering wie möglich halten. Durch die unterschiedlichen Hauptsponsoren reduzieren wir das Risiko. Auf jeden Fall.


Leider ist irgendetwas vorgefallen zwischen Bartholemy und seinem größten Investor. Das hat seine Zukunft beeinträchtigt.


Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta hat sich immer gewünscht, dass alle sechs Hersteller je ein Kundenteam betreiben. Bei Honda passiert das jetzt, bei Yamaha und KTM auch. Suzuki und Aprilia haben auch 2019 keine Kundenteams, dafür hat Ducati zwei.

Wir treten seit 2006 in der MotoGP-Klasse auf Honda an. Unsere Verbindung zu HRC ist sehr eng geworden.


Wie zufrieden bist du mit dem System in der MotoGP-WM? Es gibt einen Kostendeckel für die Kundenteams, der bei Vorjahresmaschinen bei 2,2 Millionen Euro liegt. Aber bei aktuellen Werksmaschinen gibt es keine Obergrenze – also bei 2018-Bikes in diesem Jahr, wie sie Cal Crutchlow fährt oder Petrucci bei Ducati.


Ich glaube, die Dorna hat sich sehr bemüht, mit den Werken einen korrekten und fairen Deal für die Kundenteams auszuhandeln.

Jetzt können die Teams zu vernünftigen Preisen MotoGP-Maschinen leasen und in der Königsklasse teilzunehmen.

Was LCR betrifft: Wir haben unser Bestes getan, um Honda zu motivieren, uns zu einem vernünftigen Preis Maschinen mit Topqualität zu geben.

Wie ist uns das gelungen? Erstens dank eines guten Fahrers, der auf dem höchsten Niveau fahren kann und regelmäßig Punkte für die Konstrukteurs-WM einheimst.
 Zweitens trägt er zur Weiterentwicklung des Motorrads bei. 


Nakagami hat aber trotz des HRC-Vertrags keine 2018-Honda, sondern 2017-Bikes wie die andern Rookies?

Ja, er hat 2017-Motorräder wie Morbidelli und Lüthi.

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