MotoGP

Silverstone: Wenn Demokratie keine Option ist

Von Manuel Pecino - 31.08.2018 12:38

Was führte zur Absage der Rennen am Sonntag in Silverstone? Wie konnte es so weit kommen? Welche Lektionen müssen daraus für zukünftige MotoGP-Events gelernt werden?

Was ist in Silverstone am vergangenen Sonntag passiert? Was führte zur Absage der Rennen? Wer war verantwortlich für die Absage? Hätte das peinliche Spektakel, 50.000 Zuschauer über Stunden im Regen warten zu lassen, vermieden werden können?

Was am letzten Wochenende in Silverstone passierte, was ernst genug, um eine tiefgreifende Reflektion zu rechtfertigen. Es geht nicht darum, die Schuldigen zu suchen, denn das ist die Aufgabe von Richtern, aber es geht im Antworten, die eine der Aufgaben von Journalisten sind. Also lasst uns jetzt ohne weitere Verzögerungen beginnen.

Die Fakten

Um den Kern der Sache einzukreisen, verschaffen wir uns zunächst einen Überblick der Geschehnisse. Die Abfolge, die zur Absage des Grand Prix von Großbritannien führte, beginnt mit Alex Rins und seinem Sturz im FP4 am Samstagnachmittag, der eine Folge des stehenden Wassers zwischen Kurve 7 und 8 war. Der Mangel an Drainagen nach der Neuasphaltierung der Strecke war ein Grund dafür, warum sich mehrere Stürze ereigneten. Nach Rins gingen auch Rabat und Morbidelli zu Boden. Einige andere Fahrer kamen von der Strecke ab. Am schlimmsten traf es Tito, der von Francos Honda getroffen wurde. Bei diesem heftigen Zusammenprall brachen die Knochen im Bein des Spaniers an mehreren Stellen.

Der Beweis für den Mangel an Drainagen an dieser Stelle der Strecke und die Vorhersage von starkem Regen am Renntag sorgten dafür, dass die Race Direction den Zeitplan für den Sonntag änderte. So wurde Zeit für eventuelle Änderungen geschaffen. Das MotoGP-Rennen sollte um 11:30 Uhr Ortszeit gestartet werden. Ab 9 Uhr fanden die Warm-ups statt. Die Prognosen sagten den Beginn des Reges für 11 Uhr voraus und lagen damit nicht falsch.

Auf der Strecke stand das Wasser, die MotoGP-Piloten fanden sich pünktlich in der Startaufstellung ein. Schon als die Fahrer Richtung Startaufstellung fuhren wurde klar, dass es nicht einfach wird, ein Rennen zu starten. Die Bikes rutschten sogar auf den Geraden, was das Aquaplaning bewies. Nach dem Ereignis um Rabat am Samstag war klar, dass ein Rennen bei diesen Bedingungen chaotisch verlaufen würde. Tatsächlich lehnten die Fahrer den Start des Rennens ab. Es war 12:22 Uhr.


Von diesem Zeitpunkt an wurde der Start immer wieder verschoben, der Regen fiel weiter. Die Verantwortlichen beobachteten das Wetter mit Argusaugen. Die Situation wurde verwirrend, als die Fahrer nicht wussten, ob sie ihr Mittagessen einnehmen können oder nicht. Ob sie ihr Leder ablegen können oder nicht. Die Zuschauer auf den Tribünen warteten im Regen und der Kälte. Während dieser Wartezeit wurde vorgeschlagen, die Rennen auf Montag zu verschieben, aber die Teams konnten sich nicht darauf einigen. Jedes folgte seinen eigenen Interessen, sie zerstörten so diesen Plan.

Es gab einen Moment, als der Regen abflaute und sich die Fahrer wieder versammelten, um die Situation neu zu beurteilen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie schon genug, waren müde, manche verärgert und andere empört. Ein paar wollten es versuchen, aber im Meeting der Safety Commission entschied sich die Mehrheit der Fahrer dagegen. Sie setzten dem unglücklichen Wochenende ein Ende. Es war 16 Uhr in Großbritannien.

Nachdem die Zuschauer 7 oder 8 Stunden stoisch abgewartet hatten, kehrten die Zuschauer nach Hause zurück, ohne ein einziges Rennen gesehen zu haben.

Später gaben Loris Capirossi und Franco Uncini, die Mitglieder der Safety Commission sind und der Letztere für die Homologation der Strecken zu ständig ist, zusammen mit Race Director Milke Webb eine Pressekonferenz. In dieser teilten sie ihre Erklärungen für die Geschehnisse des Tages mit. Der Geschäftsführer des Silverstone Circuit tat es ihnen später gleich.

Die Verantwortung

Der oberste Grund für die Absage des Silverstone-GPs war der neue Asphalt. Die Neuasphaltierung wurde aufgrund der Forderung der MotoGP-Verantwortlichen und der Fahrer nach dem GP 2017 veranlasst. Es ist nun klar, wer der Bösewicht war, aber er war ein passiver Bösewicht.

Der nächste Punkt auf der Liste waren die Person oder die Personen, die für die Rennstrecke von Silverstone verantwortlich sind. Wir müssen nicht diskutieren, ob der Mangel an Drainagen die Manager der Strecke überraschte. Es zu tun, wäre eine Beleidigung unserer Intelligenz. Wenn die offizielle Niederschlagsstatistik von Silverstone seit der Neuasphaltierung nicht irrt, dann regnete es bereits 50 Tage lang auf diesen Asphalt. Kann also jemand behaupten, dass der Mangel an Drainagen eine Frage ist, die zum ersten Mal beim GP-Wochenende auftauchte? Das scheint unwahrscheinlich.

Lasst uns fortfahren. Natürlich sind die Personen, die für die Homologation der Rennstrecken für MotoGP-Rennen zuständig sind, zum Teil für die Geschehnisse verantwortlich. In diesem Fall ist das Franco Uncini. Es ist wahr, dass Uncini, wie vorgeschrieben, nach der Neuasphaltierung nach Silverstone reiste und die Arbeit dort überprüfte. Wie er am Nachmittag im Anschluss an die Absage des Rennens erklärte, war alles in Ordnung. Zu seiner Verteidigung sagte er auch, dass Cal Crutchlow im März auf der Strecke gefahren ist und er derselben Meinung war. Was Franco nicht sagte, wir wissen nicht, ob er es vergaß zu erwähnen oder es ignorierte, war die Tatsache, dass Crutchlow die Strecke auf einer Straßenmaschine zusammen mit einem Passagier befuhr.

Nachdem das gesagt ist, ist natürlich auch verständlich, dass Uncini die Neuasphaltierung als gut bewertete, weil er die Tradition und den Status von Silverstone bedacht hat. Nach der Untersuchung war die Sache erledigt. Doch bei der FIM, die für die Genehmigung der Strecken verantwortlich ist, oder bei MotoGP-Promoter Dorna hätten die Alarmglocken läuten müssen, als einen Monat vor dem Grand Prix Formel 1-Pilot Lewis Hamilton den neuen Asphalt kritisierte und die MotoGP-Piloten via Social Media warnte. Sollte das nicht Grund genug dafür gewesen sein, damit Uncini Silverstone einen zweiten Besuch abstattet? Denn Hamilton ist nicht irgendwer, er ist Formel 1-Weltmeister und zudem Brite.

Uncini erklärte, dass er in den letzten 30 Tagen Kontakt zu den Verantwortlichen der Strecke aufnahm und diese vom Zustand der Strecke wussten. Aber «es war keine Zeit, um etwas zu unternehmen.» Wir sprechen hier über Bodenwellen und nicht von einem Problem, das zur Absage eines Rennens führt. Wenn alles so ist, wie es erklärt wurde, dann wurden weder Uncini als Vertreter der FIM noch die Dorna über das informiert, was bei Regen passieren könnte.

Übrigens haben die Teams abgelehnt, den neuen Asphalt in Silverstone zu testen. Sie erklärten: «Es ist weit weg, es wäre zu kompliziert.» Als Alternative wurde entschieden, dass es für das Rennwochenende eine zusätzliche Reifenmischung geben würde.

Die Annullierung

Wir kennen die technischen Gründe, die zur Absage des Großbritannien-GPs führten: eine gefährliche Strecke bei Regen. Es denkt immer jemand «Es war nicht so schlimm» oder «Sie hätten fahren können», was tatsächlich ein paar Fahrer taten. Aber die meisten dachten nicht so. Wir unterstützen die Idee nicht, dass «einige Fahrer die Absage erzwangen, weil sie an die Gesamtwertung dachten». Wir zweifeln ihre Professionalität nicht an.

Aber während wir die Entscheidung der Fahrer nicht in Frage stellen, erkennen wir, dass der Umgang der Dorna mit dieser Krise nicht zielgerichtet war. Da angenommen wurde, dass am Sonntag nicht gefahren werden kann, und bekannt war, dass das Wetter am Tag darauf die Rennen erlaubt hätte, hätten sie die Entscheidung fällen müssen, die Rennen am Montag auszutragen. Die Verantwortlichen der Strecke versicherten, die Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Der Montag war ein Feiertag in Großbritannien. Also wären die Einbußen bei der Zuschauerzahl wohl minimal gewesen.

Der Fehler der Dorna war es, über diese Option die Teams abstimmen zu lassen. Diese unnötige Suche nach Einstimmigkeit wurde nicht belohnt. Die Teams stellten ihre Interessen vor den Grand Prix. Es war einer dieser Fälle, in denen kein Platz für eine demokratische Entscheidung war. Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta hätte den Montag als neuen Termin für das Rennen festsetzen sollen. Ende. Es gibt Situationen, die nicht demokratisch gelöst werden können. Das ist ein klares Beispiel dafür.

Ab diesem Zeitpunkt warfen die Teams, die «Gründe» hatten, kein Rennen zu fahren, diese in die Waagschale. Flüge umzubuchen und eine zusätzliche Nacht in Hotels zu zahlen, sind keine Gründe, um den Sponsoren und den TV-Sendern ein Rennen zu verweigern. Und den Zuschauern. Wie viel hätte die Dorna den Teams zahlen müssen? Der Schaden wäre nicht größer gewesen als die erste Absage aller Rennen, seit die Dorna die MotoGP-WM regiert.

Die Lektionen

Was passiert ist, war ein unangenehmer Präzedenzfall. Doch aus diesem negativen Meilenstein in der Geschichte der Weltmeisterschaft sollte zumindest etwas gelernt werden. Wir alle machen Fehler. Wichtig ist, aus den Rückschlägen zu lernen.

In diesem Fall lautet die erste Lektion, dass die FIM ihre Vorgehensweise bei der Homologation von Rennstrecken ändern muss. Das bisherige Protokoll hat versagt und sollte überarbeitet werden. Und bitte, kommt nicht mit «Einmal ist keinmal». Einmal ist genug, fragt Tito Rabat. Auch wenn es nur für ihn wäre, sollten FIM und Dorna darüber nachdenken, wie sie die Streckenbedingungen besser überwachen können. Im Interesse der Fahrer.

Die zweite Lektion ist ebenfalls klar. Sie sollten nicht auf einer neuasphaltieren Strecke ein Rennwochenende ausrichten, bevor der neue Belag nicht getestet wurde. Ob er von Werksteams oder Testteams getestet wird, spielt keine Rolle.


Was die Aussage «Wir können es nicht regnen lassen, wenn wir die Strecke prüfen» betrifft: Bitte, wird leben im 21. Jahrhundert. Ich werde mich zurückhalten und die Wassermassen, die in Katar mit vier LKWs auf der Rennstrecke verteilt wurden, nicht als Beispiel nennen. Denn diese Technik ist veraltet. Doch ich bin mir sicher, dass Ingenieur-Firmen existieren, die Bodenwellen ausmachen, zukünftige Pfützen erkennen und dafür passende Technik einsetzen können.

Am Ende, obwohl es schlecht klingt, ist Demokratie nicht in jeder Situation eine Option. Jeden anhören, ja. Aber in gewissen Situationen braucht es einfach eine endgültige Entscheidung, die getroffen werden muss.

Sogar das Safety Car geriet auf den Wassermassen ins Rutschen © Fitti Weisse Sogar das Safety Car geriet auf den Wassermassen ins Rutschen

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