MotoGP

Sachsenring-GP: Matthias Moser übernimmt SRM-Mehrheit

Von - 04.09.2018 17:22

Die Durchführung des Motorrad-GP von Deutschland wird 2019 auf völlig neue Beine gestellt. «Bei der kommerziellen Vermarktung gibt es viel Spielraum», sagt Investor Matthias Moser.

Heute wird sich bei einer Präsidiumssitzung des ADAC e. V. entscheiden, ob der größte Automobilclub Europas (20,18 Millionen Mitglieder) nächstes Jahr noch einmal Partner der Dorna im Zusammenhang mit dem Motorrad-GP von Deutschland auf dem Sachsenring sein wird. Zuletzt schien das Interesse von ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk an diesem Event deutlich nachgelassen zu haben.

Der ADAC hat den Fünf-Jahres-Vertrag mit der Sachsenring Rennstrecken Management GmbH bekanntlich im Mai nach zwei von fünf geplanten Jahren gekündigt, weil die SRM eine geforderte Bankbürgschaft nicht aufbringen konnte. Inzwischen hat der Investmentbanker Matthias Moser angekündigt, er werde per Ende September 75,1 Prozent der SRM GmbH kaufen, die Gesellschaft privatisieren und das Kommando über den Grand Prix übernehmen.

Die SRM hat zwar in den letzten zwei Jahren 900.000 und 270.000 Verlust erwirtschaftet. Moser ist aber überzeugt, dass er den Grand Prix auch ohne Subventionen des Freistaats Sachsen profitabel machen kann.

Der künftige SRM-Mehrheitseigentümer Moser, er betreibt auch das Triple-M-Honda-Team in der Superbike-WM, hoffte von Anfang an, dass er für die Jahre 2019 bis 2021 einen neuen Vertrag bekommen wird, direkt mit Dorna Sports, unter Umgehung des ADAC, der den Vertrag bisher mit einem Aufschlag in unbekannter Höhe weiterreichte.

Herr Moser, der Verlust von 900.000 Euro im Jahr 2017 hat sie nie abgeschreckt?

Mir liegen ja alle Zahlen aus der Vergangenheit vor. Die Terminverschiebung 2017 hat schon einen erheblichen Effekt gehabt. Als dieser Punkt 2018 wieder gestimmt hat, wurden auch wieder mehr Tickets verkauft.

Aber eine Terminverschiebung wegen der Formel 1-WM kann ja immer wieder passieren. 


Ja, ja. Das ist richtig, das ist Unternehmer-Risiko. Das kann wieder mal passieren.

Auf jeden Fall ist es so, dass viel mehr für die Fans gemacht werden muss.

Die Veranstaltung ist schon super, sie wurde von der Dorna gelobt. Den Zuschauern gefällt das alles gut. Aber natürlich ist da noch Potenzial. Ich würde mich da nicht beteiligen, wenn ich dieses Potenzial nicht sehen würde.

In Assen werden ca. 15 Millionen investiert, Brünn investiert emsig, Spielberg ist eine ziemlich neue Rennstrecke, erst seit drei Jahren im MotoGP-Kalender. Die Konkurrenz für den Sachsenring, wo die Preise 2017 um ca. 30 Prozent erhöht wurden, ist gewachsen.


Absolut. Da haben sie absolut recht. Die Konkurrenzsituation hat sich deutlich verschärft. 


Manche Fans berichten, Tribünenplätze in der Strubben-Kurve in Assen seien billiger als Stehplätze in Sachsen.


Und da haben die Zuschauer auch Recht.


Was kann der Sachsenring-GP-Promoter dagegen machen? Können die Preise wieder gesenkt werden?


Ich bin in der Situation, wo ich bald Eigentümer sein werde. Ich werde aber erst zum 30.9. Eigentümer sein, wenn alles klappt. Es müssen noch die Gremien der Städte, Gemeinden und des Landkreises Zwickau zustimmen. Und ich brauche natürlich noch einen Vertrag.

Ich werde am 30. September eine Pressekonferenz machen. Dort werde ich genau schildern, was für die nächsten Jahre geplant ist.

Die Bemühungen werden sich vor allem darauf konzentrieren, mehr Fans an die Strecke zu holen. 


Die Privatisierung der SRM GmbH würde Subventionen ermöglichen. Aber sie wollen darauf verzichten?


Das ist richtig. Aber durch die Privatisierung ist man flexibler, weil bisher für alle Maßnahmen die Gremien der Gemeinden zustimmen mussten. Die Finanzierung der Gemeinden unterliegt einem sehr engen Korsett, was die Finanzierung durch die Banken und durch die Gesellschafter betrifft. 
Das ist sehr, sehr restriktiv.

Durch die Privatisierung ergeben sich mehr Möglichkeiten. 
Ich bin auch bereit, zusätzliche Gelder zur Verfügung zu stellen, sollte es notwendig sein. Das kann ich relativ schnell machen. Ich habe relativ viel Erfahrung und bin gut vernetzt.

Ich glaube, dass ich bei der kommerziellen Vermarktung des Grand Prix noch einiges bewirken kann. Ich habe schon viel Interesse angemeldet, man kann verschiedene Sachen besser nutzen. Da kann ich einen Beitrag leisten.

Es stimmen alle zu: Es gibt bei der kommerziellen Vermarktung noch viel Spielraum nach oben. Da wird für nächstes Jahr einiges passieren.


Aber allein erreicht man gar nichts. Wir möchten die Erfahrung aller Experten bündeln und einbringen. Das werde ich auch auf dem Sachsenring versuchen. Ich bin allen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Ich will dieses Projekt unbedingt zum Erfolg bringen.

Für mich ist das auch eine persönliche Sache. Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr absolut rennsportbegeistert und habe dafür schon viel Geld ausgegeben. Ich bin da immer mit dem Herzen dabei.

Dank meiner beruflichen Erfahrung bin ich der Meinung, dass man diese Veranstaltung profitabel machen kann.

Sie haben im Juli noch gesagt, sie möchten den ADAC unbedingt dabei haben.

Ich habe aber nicht gesagt, man muss ihn dabei haben. Doch der ADAC hat immer noch einen guten Namen, das ist eine prestigeträchtige Organisation. Wenn man den Grand Prix zusammen mit dem ADAC vermarkten kann, kriegt man bestimmt zusätzlich Zuschauer.

Auf der andern Seite ist das Wirtschaftliche wichtig. Wir können dafür keine Zahlungen an den ADAC leisten und auch keine sonstigen Verrenkungen anstellen.

Der ADAC will durch die Austragung des Grand Prix keinerlei wirtschaftliche Risiken übernehmen. Das war für uns okay. Aber wer keine Risiken übernimmt, kann dafür auch keine finanzielle Entschädigung erwarten. Das ist klar. Leistung und Gegenleistung.

Wir hätten uns schon eine Art Joint-Venture-Konzept vorstellen können, wo der ADAC involviert bleibt und auch wir unsere Ziele durchsetzen können. In diese Richtung lief nach dem Grand Prix 2018 die Kommunikation.

Die SRM hätte schon 2012 den GP-Vertrag direkt mit der Dorna abschliesssen sollen, als sie statt des ADAC Sachsen GP-Promoter wurde.

Wir haben das am Renntag 2018 bei der Besprechung zwischen Ministerpräsident Michael Kretschmer dem Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta angeboten. Ezpeleta entgegnete, sobald er nicht mehr vertraglich an den ADAC gebunden sei, komme so eine Lösung in Frage.

Der ADAC muss ja spätestens bis zum Misano-GP sagen, ob er den Grand Prix 2019 veranstaltet oder nicht. Sobald der ADAC beschliesst, dass er den Grand Prix nicht veranstaltet, ist das Recht für den deutschen Grand Prix frei.

Auch nach der Abkopplung von SRM und ADAC in München kann der ADAC weiter sportlicher Ausrichter bleiben?


Darüber haben wir uns keine Gedanken gemacht, weil wir immer davon ausgegangen sind, dass der ADAC Sachsen diese Aufgabe weiter übernehmen will und wird.

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Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Matthias Moser © Fitti Weisse Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Matthias Moser
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