Sachsenring: Wie es zum Streit ADAC gegen SRM kam

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Volksfest in Hohenstein-Ernstthal: Der Grand Prix bleibt in Sachsen

Volksfest in Hohenstein-Ernstthal: Der Grand Prix bleibt in Sachsen

Allmählich kommen alle Details im Zusammenhang mit dem deutschen Grand Prix ans Tageslicht. Fest steht: Die hilflosen SRM-Manager haben sich vom ADAC jahrelang über den Tisch ziehen lassen.

Noch heute wird gerätselt, warum es im Mai 2018 zum großen Zerwürfnis zwischen dem ADAC e.V. und der Sachsenring Rennstrecken Management GmbH (SRM) und zur Kündigung der gemeinsamen Zusammenarbeit beim Motorrad-GP von Deutschland kam. Eigentlich sollte der Vertrag fünf Jahre bis inklusive 2021 laufen, er wurde aber mit dem Grand Prix 2018 beendet, also nach zwei Jahren.

Beim Mugello-GP war bereits zu hören, der ADAC habe von der SRM eine Bankgarantie über 4 Millionen verlangt, die trotz Fristerstreckung nicht geleistet wurde.

Der ADAC musste jedes Jahr bis spätestens 30. September gegenüber der Dorna eine verbindliche Erklärung abgeben, dass er den Motorrad-GP im folgenden Jahr in Deutschland veranstalten wird. Er musste aber jeweils bis 15. Mai desselben Jahres unverbindlich bestätigen, dass der Grand Prix stattfinden kann. 


Wegen dieser Vereinbarungen mit der Dorna verlangte der ADAC von Geschäftspartner SRM GmbH eine verbindliche Erklärung bis 1. Oktober, die die verbindliche Erklärung abdeckte. Und zusätzlich wurde eine Garantie beansprucht, die die unverbindliche Zeit zwischen dem 15. Mai und dem 30. September abdeckte. Es ging dabei nach Informationen aus Sachsen um 4 Millionen. Dieser Betrag sollte offenbar das Reputationsrisiko abdecken für den Fall, dass die SRM (Stammeinlage nur 125.000 Euro) zahlungsunfähig werden sollte.

Das heißt: Die SRM musste jedes Jahr eine doppelte Garantie abgeben, also knapp 8 Millionen. Denn die Dorna-Gebühr betrug 3,4 Millionen, inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer kam der immer kolportierte Betrag von ca. 4 Millionen Euro zustande.

Bisher stand offenbar der Freistaat Sachsen für diesen Betrag von 8 Millionen gerade, denn von den Banken hätte die SRM diese Bürgschaft nie erhalten.

Die SRM wollte 2018 nur noch eine einfache Garantie über 4 Millionen abgeben, weil diese Bürgschaften extrem kostspielig sind – und absolut überflüssig.

Die Dorna verlangt sie nicht von ihren GP-Vertragspartnern, denn wer nicht bezahlt, fliegst aus dem Kalender.

Eine doppelte Garantie über 8 Millionen konnte die SRM 2018 nicht mehr leisten, vielleicht auch wegen des 900.000-Euro-Verlusts beim Grand Prix 2017.

Weil die SRM diese doppelte Garantie im Mai 2018 nicht mehr geleistet hat, kündigte der ADAC e.V. den Vertrag auf.

Natürlich kann jetzt über den ADAC e.V. gewettert werden, weil er zwar für alle möglichen Automobilveranstaltungen viel Geld ausgibt, sich aber beim prestigeträchtigen Sachsenring-GP doppelt abgesichert und jedem finanziellen Risiko weiträumig aus dem Weg gegangen ist, obwohl der Freistaat immer wieder bei SRM-Verlusten einsprang und die SRM bis Mai 2018 offenbar brav allen Verpflichtungen nachgekommen ist.

Es stellt sich aber seit Jahren die Frage: Warum hat SRM-Geschäftsführer Wolfgang Streubel im September 2011 diesen erbarmungslosen Knebelvertrag unterschrieben und ihn dann 2016 ohne Not erneuert, obwohl weit und breit kein anderer ernsthafter Promoter in Sicht war?


Die enttäuschten SRM-Macher stellen sich jetzt die Frage, warum der ADAC nicht auf diese umstrittene Doppelgarantie verzichtet und mit der SRM weitergemacht hat.

Vielleicht fühlte sich ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk in seinem Stolz gekränkt. Vielleicht wollte der mächtige Automobilclub (20,18 Millionen Mitglieder) den Deal mit der Dorna nicht preisgeben, weil er damit den Zugriff auf Deutschlands größte Motorsportveranstaltung nicht an die nicht sonderlich geschäftstüchtige SRM verlieren wollte.

Werden die Bürgermeister der vier Gemeinden Gersdorf, Bernsdorf, Hohenstein-Ernstthal-Hohenstein und Oberlungwitz sowie der Landkreis Zwickau jetzt dem Verkauf von 75,1 Prozent der SRM-Anteile an den ADAC Sachsen zustimmen?

Gut möglich, weil die Politiker in ihrer Angst, den Grand Prix womöglich zu verlieren, sicher rasch von Investor Matthias Moser abrückten und zum ADAC Sachsen überlaufen könnten. Der ADAC wird diese (unberechtigte) Angst schamlos ausnützen.

Dabei waren die beiden Partner ADAC Sachsen und SRM nicht immer gut aufeinander zu sprechen. Denn der ADAC Sachsen veranstaltete den Grand Prix von 1998 bis 2011 und ärgerte sich jahrelang über die Ticketsteuer, welche die Gemeinden mit ihrer extra gegründeten SRM GmbH heimtückisch einkassierten.

Seltsam: Kaum war die SRM beim Grand Prix am finanziellen Ruder, wurde die Ticketsteuer abgeschafft.

Braucht der von Klaus Klötzner geführte ADAC Sachsen die SRM-Anteile überhaupt, um den Grand Prix veranstalten zu können?

Die SRM wird gebraucht, weil sie durch einen Pachtvertrag die Nutzungsrechte für den Grand Prix hält und weil der ADAC Sachsen wohl einen Teil der bestehenden Organisation nutzen will. Da geht es zum Beispiel um den Internet-Auftritt, um den Ticketverkauf und das Marketing.


«Die momentanen Vertragspartner der SRM wären sicher auch bereit, direkt mit dem ADAC abzuschließen. Aber der Aufwand wäre groß. Und unter Zeitdruck hätte der ADAC eine schlechte Verhandlungsposition», meint ein deutscher GP-Funktionär.

Tatsache ist: Der Vorverkauf für den Grand Prix am 7. Juli 2019 muss so bald wie möglich beginnen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer präsentiert sich bereits als Grand Prix-Retter, dabei hat er mit seinen tolpatschigen Auftritten bisher rein gar nichts für den Weiterbestand des Grand Prix in Hohenstein-Ernstthal geleistet – außer hohlen Phrasen.

Heute Mittag schrieb Kretschmer unmittelbar nach der Pressemitteilung des ADAC, die ihn wegen seiner bedingungslosen Präferenz für die SRM GmbH wohl wie ein Keulenschlag traf, weil er unbedingt die SRM als GP-Promoter präsentieren wollte: «Ich freue mich auf das Rennen auf dem #Sachsenring und danke allen Beteiligten für ihre Kompromissfähigkeit.»

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