Cal Crutchlow (Honda): Ist der Knöchel stark genug?

Von Nora Lantschner
MotoGP
Cal Crutchlow

Cal Crutchlow

Cal Crutchlow zog sich beim Australien-GP eine komplizierte Knöchelverletzung am rechten Fuß zu. Der LCR-Honda-Pilot spricht über seinen Weg zurück – und will beim MotoGP-Test in Sepang dabei sein.

Cal Crutchlow musste die Saison 2018 frühzeitig beenden: Am 26. Oktober stürzte er auf Phillip Island im FP2 – im 300 km/h schnellen Turn One. Er zog sich dabei mehrere Brüche im Bereich des rechten Knöchels zu.

«Ich habe das, was man eine Pilonfraktur des Fußgelenks nennt. Das bedeutet, dass ein Teil des Fußknochens und das Sprungbein durch das Schien- und Wadenbein gestoßen sind. Das Schienbein brach dadurch an zwei Stellen, das Wadenbein an einer und das Sprungbein in 16 Teile. Ich hatte eine Rekonstruktion – sie haben das Schienbein mit Platten ziemlich heftig zusammengeschraubt, sie haben das Sprungbein rekonstruiert und das Wadenbein ließen sie sein. Es war schon zu viel 'Hardware' drin auf engem Raum», erklärte der LCR-Honda-Pilot nun im Interview mit «superbikeplanet.com». «Es war eine sehr, sehr schlimme Verletzung».

Als Motorradfahrer glaube man immer, man würde in zwei Wochen wieder zurückkommen. Das war nach der komplizierten Verletzung, die sich Crutchlow beim Australien-GP zugezogen hatte, aber nicht möglich: «An einem Punkt stand in Frage, ob ich es für den Sepang-Test schaffen würde. Ich glaube nicht, dass die Leute verstanden haben, wie schwer meine Verletzung war. Und ich muss sagen, ich auch nicht. Ich habe einfach geglaubt: 'Mein Fußgelenk ist gebochen. Großartig. Repariert es und schafft mich hier raus.' Aber so einfach war es nicht», berichtete der 33-Jährige.

«Ich durfte sechs Wochen lang komplett kein Gewicht auf den Fuß verlagern. Ironischerweise konnte ich aber auf dem Fahrrad treten, ohne irgendein Problem, aber ich konnte nicht gehen. Sechs Wochen lang konnte ich nicht gehen.» Als der Brite dann endlich wieder auf eigenen Füßen stehen konnte, kam es kurz darauf zu einer Komplikation: «Ich hatte eine entzündete Sehne oder einen Nerv und durfte wieder zweieinhalb Wochen lang nicht gehen. Das war ein kleiner Rückschlag. Ich habe jetzt immer noch etwas Schmerzen an dieser Stelle, aber ich kann ohne Probleme gehen.»

«In den letzten zwei Wochen habe ich wieder so etwas wie ein normales Leben geführt. Mein Fußgelenk ist stark, daran besteht kein Zweifel. Aber ist es stark genug, um ein Motorrad zu fahren? Ich habe keine Ahnung. In einem normalen Leben würden die Leute nicht einmal darüber nachdenken, wieder auf ein Motorrad zu steigen. Aber leider ist das nicht das, was wir machen. Wir haben nicht so einen Job. Wir können nicht einfach herum sitzen. Ich muss in zwei Wochen testen gehen.»

Operiert wurde Crutchlow in Melbourne übrigens von einem Deutschen, Matthias Russ. «Er hat einen fantastischen Job gemacht», lobte der Honda-Pilot. «Wenn du 'Pilonfraktur' im Internet suchst, steht da zwölf Monate. Leute können zwölf Monate lang nicht gehen und werden mehrmals operiert. Sie sind richtig in der Scheiße und es wirkt sich auf den Rest ihres Lebens aus. Deshalb glaube ich, dass ich eine sehr, sehr gute Genesung hinter mir habe, mit guten Leuten um mich herum.»

Der Prozess war seit dem heftigen Abflug Ende Oktober allerdings alles andere als einfach: «Es gab eine Zeit im Krankenhaus, wo es mir nicht großartig ging. Ich kam von einem MotoGP-Podium vier Tage zuvor. Das war eines von den Dingen, die wirklich schwer waren. Du bist an der Spitze der Welt in der Woche davor und in der nächsten liegst du im Krankenhaus», bedauerte Crutchlow, der kurz zuvor beim Japan-GP noch Rang zwei belegt hatte.

«Auch im Dezember gab es eine Zeit, in der ich dachte: 'Ich schaffe das nicht, das ist absurd.' Ich habe einen so großen Aufwand betrieben und bekam so wenig zurück. Der Arzt sagte mir immer wieder, es wird kommen. Und so war es. Das ist typisch für einen Athleten. Du willst einfach aktiv sein. Und das war ich auf dem Fahrrad, ohne Problem. Das mache ich sowieso zum Training, 25 Stunden pro Woche saß ich auf dem Rad. Ohne Schmerzen, nichts. Die Schwellung ging immer mehr zurück, je mehr ich auf dem Fahrrad war, wegen dem Blutfluss. Aber ich konnte nicht gehen. Also fragte ich mich: 'Wie werde ich zum Motorrad kommen? Wie werde ich im Stande sein, ein Motorrad zu fahren?'. Jetzt geht es viel besser, in den letzten drei Wochen gab es wirklich eine große Verbesserung.»

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