Pit Beirer (KTM): «Zarco-Story macht mich traurig»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer schilderte am Freitag in Aragón etliche Gründe, die zur sofortigen Trennung von Johann Zarco geführt haben.

«Wir werden Johann Zarco keine Steine in den Weg legen. Wenn sich ein Fahrer verletzt und Johann in diesem Herbst noch einen Platz in der MotoGP-WM bekommt, werden wir mit ihm über die Freigabe verhandeln. Meinetwegen könnte er hier in Aragón schon am Sonntag gegen uns fahren», stellte KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer am späten Freitagnachmittag beim Aragón-GP fest.

Pit Beirer räumte ein, dass er bei. der Verpflichtung von Zarco nicht damit. gerechnet hat, dass der Franzose nach den furiosen Auftritten auf der Tech3-Yamaha mit der KTM RC16 in zehn Monaten und bei 13 Grand Prix auf keinen grünen Zweig kommen würde. Der KTM-Stratege hielt deshalb fest: «Ich würde momentan für unser Projekt keinen ehemaligen Yamaha-Fahrer mehr verpflichten.»

Bisher kamen die meisten KTM-MotoGP-Stammfahrer freilich von Yamaha: Pol Espargaró, Bradley Smith, Johann Zarco und Hafizh Syahrin.

Pit Beirer verheimlicht aber nicht, dass ihn das Scheitern der Zusammenarbeit mit Zarco durchaus noch länger beschäftigen wird.

«Denn ich habe in meiner ganzen Manager-Karriere noch keinen so delikaten Fall erlebt. Was wir da bei Zarco gesehen haben, ist wirklich eine einzigartige Geschichte. Und sie macht mich traurig. Es ist traurig, wenn man so ein Projekt, das wirklich vielversprechend aussah, vorzeitig beenden muss. Unser Ziel war, gemeinsam mit Johann in der MotoGP-WM Erfolg zu haben. Wir wollten das Projekt mit seiner Hilfe und Pol auf ein höheres Level hieven. Unsere beiden Werksfahrer sollte sich gegenseitig pushen. Aber es ist kein Geheimnis, dass unsere Zusammenarbeit vom allerersten Tag an mit Problemen behaftet war. Es war für uns beim Valencia-Test im November überraschend, dass er nicht auf Anhieb das Niveau von Pol Espargaró erreichen konnte. Wir haben schon am ersten Tag zwei Stürze gesehen, als Johann mit der KTM pushen wollte. Es war am Schluss eine Erlösung für alle Beteiligten, als wir jetzt den Schlussstrich gezogen haben.»

«Ich kann nur unterstreichen, dass Johann als Person ein netter Kerl ist. Er hat einen speziellen Charakter. Es ist bedauerlich, dass wir nicht die erhofften Erfolge erreicht haben», ergänzte Pit. «Es ist uns nie gelungen, ihm ein Motorrad hinzustellen, das er für seinen Fahrstil haben wollte. Gleichzeitig konnte er als Fahrer nie den Schritt machen, der nötig gewesen wäre, um unser Bike vorwärts zu bringen. Wir wissen, dass wir noch kein Sieger-Motorrad haben. Das ist die Realität. Jetzt hoffe ich, dass wir unser Projekt an die Spitze bringen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Johann in diesem Paddock eine große Zukunft hat. Ich hoffe, dass er einen Platz findet, der ihm ein Comeback ermöglicht. Es war auch nett von ihm, dass er sich nach unserem Gespräch am Dienstag entschlossen hat, hierher nach Aragón zu kommen und sich auf sehr menschliche Art vom Team zu verabschieden. Wir haben uns heute die Hand geschüttelt.»

KTM wird jetzt die restlichen sechs Grand Prix mit Mika Kallio fahren. Der Finne hat gute Aussichten, 2020 der vierte Mann neben Pol Espargaró, Oliveira und Binder im MotoGP-Aufgebot von KTM zu werden. Beirer: «Mika ist von Beginn an ein starker Fels in unserem ganzen MotoGP-Projekt. Wir werden jetzt sehen, auf welchem Level er fahren kann. Vielleicht kann er der Fahrer werden, den wir für 2020 brauchen. Dani Pedrosa hat abgesagt. Das ist kein Geheimnis. Aber vielleicht leistet er uns als Testfahrer sowieso wertvollere Dienste. Wir haben noch viele Hausaufgaben zu erledigen, wir müssen das Bike weiterentwickeln. Und gleichzeitig suchen wir den vierten Fahrer. Da besteht noch keine Klarheit.»

Beirer bemängelte an Zarco, «dass er seine Emotionen nicht kontrollieren konnte. Da rede ich nicht von den nicht so netten Kommentaren, die er über unser Motorrad von sich gegeben hat. Er hat sich zu viel Stress gemacht, wenn die Dinge nicht nach seinen Vorstellungen gelaufen sind. Er hat immer ein Bike gesucht, das ihm dieses ‚easy riding» ermöglichen sollte. Aber das gab es nicht, dadurch ist er aggressiv geworden. Klar, wenn du in der MotoGP Erfolg haben willst, musst du aggressiv und kraftvoll sein. Anderseits musst du die Ruhe bewahren und die Situation analysieren. In diesem Zusammenhang war er extrem heißblütig. Außerhalb der Box wirkte er ruhig, da zeigte er sich verständnisvoll. Aber sobald er wieder im Sattel saß, war er ein anderer Mensch. Sogar in Misano letzte Woche, wo er im Quali Achter und im Rennen Elfter war, als es anständig lief, konnte er das Positive nicht sehen. Er beschwerte sich immer noch über dieselben Dinge wie früher. Er regte sich emotional zu stark auf, deshalb konnte er keine klare Richtung vorgeben, wenn es nötig war. Das war für ihn früher bei Tech3 leichter, als er ein Vorjahres-Motorrad hatte und er sich ganz aufs Fahren konzentrieren konnte.»

Pit Beirer räumte ein, dass Zarcos Aussagen am Sonntag in Misano das Fass zum Überlaufen gebracht haben. «Wenn ich ehrlich sein soll, ja, so war es. Denn wir sind wirklich stolz auf die Schritte, die uns in den letzten Wochen gelungen sind. Wir haben gesehen, dass sie auch Johann geholfen haben. Der Samstag in Misano war für mich außergewöhnlich. Im Qquaklifying hatte er keine neuen Reifen mehr, er ist mit gebrauchten Reifen auf Platz 8 gefahren. Man hat schon im Q1 bei seiner Rundenzeit gesehen, welch erstaunlicher Rennfahrer er ist. Unglaublich, wozu er auf einem Motorrad fähig ist. Wir haben also ein vernünftiges Rennwochenende mit ihm erlebt. Aber am Montag habe ich dann gelesen, dass wir wieder am Startpunkt stehen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich die Hoffnung verloren, dass wir den Turnaround schaffen. Fpr Johann war seine Misano-Performance kein positives Signal. Er hat unsere Meinung nicht geteilt, dass wir auf dieser Plattform aufbauen können. Dehalb haben wir uns am Montag entschlossen, die Zusammenarbeit mit Johann aufzugeben.»

MotoGP-Ergebnisse, Aragón, FP2:

1. Viñales, 1:48,014 min
2. Rossi, + 0,057 sec
3. Quartararo, + 0,103
4. Márquez, + 0,190
5. Pol Espargaró, + 0,378
6. Miller, + 0,428
7. Crutchlow, + 0,436
8. Dovizioso, + 0,463
9. Mir, + 0,627
10. Aleix Espargaró, + 0,690
11. Rins, + 0,723
12. Petrucci, + 0,859
13. Nakagami, + 0,909
14. Morbidelli, + 1,090
15. Iannone + 1,222
16. Rabat, + 1,290
17. Kallio, + 1,328
18. Oliveira, + 1,411
19. Syahrin, + 1,612
20. Lorenzo, + 1,696
21. Bagnaia, + 1,807
22. Abraham, + 1,889
23. Smith, + 2,150

MotoGP-Ergebnisse, Aragón, kombinierte Zeitenliste nach FP2:

1. Márquez, 1:46,869 min
2. Viñales, + 1,145 sec
3. Rossi, + 1,202
4. Quartararo, + 1,248
5. Pol Espargaró, + 1,523
6. Miller, + 1,573
7. Crutchlow, + 1,581
8. Dovizioso, + 1,608
9. Mir, + 1,772
10. Aleix Espargaró, + 1,868
11. Rins, + 1,868
12. Petrucci, + 2,004
13. Nakagami, + 2,054
14. Morbidelli, + 2,235
15. Iannone + 2,367
16. Rabat, + 2,435
17. Kallio, + 2,473
18. Oliveira, + 2,556
19. Syahrin, + 2,757
20. Lorenzo, + 2,841
21. Bagnaia, + 2,952
22. Abraham, + 3,034
23. Smith, + 3,295

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