Pit Beirer (KTM): «Vielleicht bald kein Zufall mehr»
Red Bull-KTM stand bei den letzten sechs MotoGP-Rennen zweimal in der ersten Startreihe. KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer erinnert sich aber auch an die düsteren Stunden des Debüts in Katar 2017.
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Red Bull KTM hat in knapp drei Jahren in der MotoGP-Weltmeisterschaft mit einigen Achtungserfolgen aufmerksam gemacht und sich im GP-Paddock inzwischen viel Respekt verdient. Denn die Oberösterreicher gingen nicht den Weg des geringsten Widerstands, sondern sie fordern Honda, Yamaha, Suzuki, Ducati und Aprilia durch ein eigenwilliges Konzept heraus.
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Gitterrohrstahlrahmen und WP Suspension heißt die strikte Vorgabe und Religion von Firmenchef Stefan Pierer. Aluminium-Delta-Box-Chassis und Öhlins-Federlemente lauten die Erfolgsrezepte der Gegner. Beim 1000-ccm-Vierzylinder-Motor hat sich KTM der Mehrheit angeschlossen: V4-Konzept wie Honda, Ducati und Aprilia. Ein Highlight für KTM war der zweite Startplatz von Pol Espargaró in Misano. KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer verleugnete danach seine Erleichterung nicht. "Denn ich kann mich noch sehr gut an unser Debüt in Katar 2017 erinnern, als ich mit Stefan Pierer und seiner Frau Claudia zu unseren Piloten Pol Espargaró, und Bradley Smith auf dem Startplatz gefahren bin. Wir hatten im Qualifying mit Pol und Bradley die letzten zwei Plätze erreicht, wir lagen 2,8 Sekunden zurück und fuhren von Platz 22 und 23. los. Der Fahrer auf Platz 21 lag 0,6 Sekunden vor uns! Das war schon heftig. Es war eine ungute Situation. Da wurde uns bewusst: Wir müssen die Ärmel hochkrempeln."
KTM hat die MotoGP-Maschine RC16 seit dem Debüt in Katar 2017 regelmäßig in kleinen und großen Schritten verbessert. Die großen Schritte passierten 2017 in Jerez mit der Umstellung vom Screamer auf den benutzerfreundlicheren Big-Bang-Motor. Pol Espargaró und Smith hatten ihn in Le Mans nur zwei Stunden bei der Anreise nach Spanien getestet und für gut befunden. In Misano 2018 erhielten Espargaró und Smith die neuen Triebwerke mit der gegen die Fahrtrichtung drehenden Kurbelwelle. Testfahrer Mika Kallio hatte 2018 in Jerez einen Protototyp bereits auf Platz 10 gesteuert. Und für Le Mans 2019 erhielt Pol Espargaró als erster der vier KTM-Fahrer ein "engine update" mit veränderten Zündfolge, dazu die neue bei "KTM Technology" in Salzburg "in-house" entwickelte Karbonschwinge. Diese Upgrades bekamen dann Zarco, Oliveira und Syahrin Schritt für Schritt für die nächsten Grand Prix.
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In der Zwischenzeit testeten aber Dani Pedrosa und Mika Kallio schon weitere Updates, auch bei diesen Maßnahmen ging es um eine Verbesserung der Fahrbarkeit und eine längere Laufzeit für den Hinterreifen. Dazu wurde bei WP Suspension gearbeitet, denn auch das Turning sollte verbessert werden. Pol Espargaró meldete in Misano in dieser Hinsicht weitere Fortschritte.
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Johann Zarco brauste in Brünn auf nasser Fahrbahn auf den dritten Startplatz, Pol Espargaró zauberte sich in Misano auf den fabelhaften zweiten Startplatz, er verlor nur 0,295 Sekunden auf die Pole-Zeit von Viñales. Im Rennen sicherte er sich den sauberen siebten Platz. Firmenchef Stefan Pierer hatte für 2019 "einstellige Ergebnisse" als Zielvorgabe ausgegeben."
Die Saisonziele mussten bei KTM seit 2017 mehrmals revidiert werden, denn ursprünglich sollten im dritten MotoGP-Jahr im Idealfall schon MotoGP-Siege erobert werden. Aber das junge KTM-Projekt blieb natürlich von Rückschlägen nicht verschont. Pol Espargaró verletzte sich 2018 (Sepang-Test, Warm-Up in Brünn, Aragón am Samstag) mehrmals schwer, auch Mika Kallio im Juli 2018 in Sachsen, dann fiel Testfahrer Dani Pedrosa im Frühjahr 2019 monatelang aus. Und vor zweieinhalb Wochen erlitt Pol Espargaró im FP4 in Aragón einen Bruch des Radiusknochens im rechten Handgelenk– nach einem mysteriösen Highsider, denn er war "off gas". "Und dadurch griff die Traction Control nicht ein", berichtete sein Crew-Chief Paul Trevathan.
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Espargaró ("KTM braucht mich") holte in Buriram trotzdem für Red Bull KTM die Kastanien aus dem Feuer – und sicherte sich Platz 13. KTM in der MotoGP: Eine turbulente Zeit "Es gab seit Katar 2017 einige Meilensteine und extreme Glücksmomente", hält Pit Beirer fest. "Dazu gehören der dritte Platz von Pol beim Regen-GP in Valencia 2018. Das war natürlich ein Highlight. Trotzdem war der zweite Startplatz in Misano ein besonderer Höhepunkt. Denn dort waren wir über das ganze Wochenende in jeder Session schnell, immer unter den Top-6 oder Top-7, noch dazu auf einer Strecke, auf der wir uns in der Vergangenheit schwer getan haben. Unser Motorrad hat sich in den letzten Wochen stark verändert. Wir konnten diese Verbesserungen dann mit der zweitbesten Quali-Zeit untermauern. Ja, es war einer der größten Steine im Laufe unserer MotoGP-Zeit, der mir da in Misano vom Herzen gefallen ist. Das ist ein richtungsweisendes Ergebnis gewesen. Man sieht, dass es bei uns in die richtige Richtung geht." Pit Beirer: "Uns war ja immer völlig bewusst, dass der dritte Rang in Valencia 2018 im Regen zustande gekommen ist und auch der dritte Startplatz von Johann Zarco in Brünn 2019 auf nasser Fahrbahn erzielt wurde. Trotzdem waren es tolle Momente. Vor allem die erste Reihe von Johann in Brünn war für mich verblüffend, weil es extrem schwierige Bedingungen waren. Er hat dort bewiesen, was für ein begnadeter Fahrer er ist. Sechs Wochen später hatten wir in Misano die nächste ersten Startreihe. Vielleicht ist es irgendwann gar kein Zufall mehr..."
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