MotoGP

Pramac-Chef Campinoti: «Jack Miller bleibt bei uns!»

Von - 17.11.2019 20:23

Seit dem Aragón-GP existieren Gerüchte, Ducati wolle Jack Miller statt Petrucci ins Werksteam stecken. Doch Pramac-Teambesitzer Paolo Campinoti sträubt sich heftig dagegen.

Es war fast nicht zu glauben, welche Falschmeldungen, Gerüchte und Fake News in Valencia an vier Tagen ans Tageslicht befördert wurden. Am Samstag wurde berichtet, Johann Zarco werde 2020 die MotoGP-WM bei Avintia-Ducati fahren. Und als der SPEEDWEEK.com-Reporter diese «Neuigkeit» in Zweifel zog, bekam er von einem Kollegen zur Antwort: «Aber es steht auf der offiziellen motogp.com-Website.» Ich entgegnete: «Ja, dort stand vor zwei Monaten auch, Zarco werde bei Honda die Superbike-WM fahren und Bautista den Platz von Lorenzo bei Repsol-Honda übernehmen.» Zwei Stunden später stellte Johann Zarco klar: «Avintia ist kein Top-Team. Bevor ich dort fahre, kehr‘ ich in die Moto2-WM zurück.»

Am Sonntag erreichte der Einfallsreichtum der Kollegen einen weiteren neuen Höhepunkt. Danilo Petrucci vom Winnow-Ducati-Werksteam zu Avintia, Johann Zarco zu Pramac-Ducati, Jack Miller neben Dovi ins Winnow-Ducati-Werksteam – das wurde gemeldet.

«Das kommt alles von den TV-Kommentatoren», wunderte sich ein ungläubig durch die Gegend wandelnder prominenter MotoGP-Fahrer-Manager. «Es ist schizophren. Die sind acht Stunden live auf Sendung und wollen sich mit exklusiven News übertreffen, bevor irgendetwas zu den Tageszeitungen oder Online-Portalen durchsickert – und bevor irgendeine Entscheidung gefallen ist.»

Aber manchmal kann man zumindest sagen: Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Denn natürlich ist den Ducati-Herrschaften nicht verborgen geblieben, dass der 24-jährige Jack Miller in letzter Zeit nicht nur regelmäßig schneller ist als Dovizioso (33). Man sieht dem ziegenbärtigen Gigi Dall‘Igna von weitem an, dass er angesichts der jüngsten Darbietungen von Petrucci ins Grübeln gekommen ist und sich das Gehirn zermartert. Und in einer idealen Welt müsste er mit Miller den schnelleren Fahrer ins Werksteam transferieren.

«Juventus Turin hat sich ja auch sofort mit Ronaldo verstärkt, als er bei Real Madrid auf die Transferliste kam», hielt ein Ducati-Mann fest.

Aber wir leben in keiner idealen Welt, sondern in einer Welt der Kompromisse. Das Pramac-Team von Paolo Campinoti ist seit 2005 das erfolgreichste Kundenteam von Ducati, ein zahlungskräftiger Partner, der nicht vergrault werden darf und der bisher in all den Jahren noch keinen MotoGP-Sieg errungen hat. Und wenn sich Pramac Miller jetzt entgehen lässt, wird man voraussichtlich auch in den nächsten fünf Jahren kein MotoGP-Rennen gewinnen,

SPEEDWEEK.com traf den leidenschaftlichen Pramac-Teambesitzer um 16.10 Uhr heute bei einer lautstarken und kräftig musikalisch untermalten Feier nach Platz 3 von Miller in der Box.

«Jack wird auch 2020 in meinem Team fahren. Mach' dir keine Sorgen», stellte Campinoti klipp und klar fest.

Der erfolgreiche Geschäftsmann und Stromgenerator-Erzeuger will diese Eskapaden nicht mit machen. Er hat eine Vereinbarung mit Ducati – und diese sichert ich,m Miller als Fahrer auf einer Desmosedici GP20 zu. Als zweiter Fahrer ist Bagnaia vorgesehen, ebenfalls mit einer GP20.

Aber Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta hat Johann Zarco und dessen Manager Claude Michy in Aussicht gestellt, ihm bei der Suche nach einem MotoGP-Platz zu helfen. Aber weder bei Avintia noch bei Pramac wird sich dieser Wunsch verwirklichen lassen.

Obwohl alle möglichen Ideen aufgetischt wurden. Die Phantasien reichten so weit, dass Petrucci sogar der Superbike-WM bei Ducati zugeordnet wurde, obwohl dort längst alle Plätze besetzt sind.

Außerdem hat Ducati die Vereinbarung mit Mugello-Sieger Petrucci schon im Sommer verlängert – sie gilt für das Werksteam.

Aus dem engsten Umfeld von Jack Miller ist zu hören: «Klar würde Jack im Werksteam für Ducati wertvolle Dienste leisten. Aber er bekommt bei Pramac identisches Material wie die Werksfahrer. Deshalb wäre eine weitere Saison im Kundenteam kein Nachteil.»

Jack Miller hält sich bedeckt. «Wir müssen uns an Mugello erinnern. Petrucci hat dort 2019 das Rennen gewonnen. Er hat dort eine perfekte Leistung vollbracht. Er macht eine schwere Zeit durch, aber ich bin sicher, dass er sich an die Spitze zurückkämpfen wird. An diesem Wochenende wurde viele Gerüchte erfunden. Ich kümmere mich nicht darum. Es gab sogar ein Foto im Internet, das mich mit Ducati-Corse-Teammanager Davide Tardozzi zeigte. Angeblich hätten wir da zwischen zwei Trucks im Paddock über 2020 verhandelt. In Wirklichkeit hat Davide gestern nur zu mir gesagt: ‚Zerstör' im Rennen nicht wieder deinen Hinterreifen.‘ Ich schere mich nicht um solche Meldungen. Sie amüsieren mich höchstens.»

Carlo Pernat, der einstige Aprilia-Rennchef und ehemalige Manager von Capirossi, Simoncelli und Iannone sagt: «Wenn sie Jack Miller jetzt nicht ins Werksteam befördern, ist das ein weiterer von vielen Fehlern von Ducati. Wenn es nach der Performance geht, gehört Miller ins Werksteam 2020.»

Adresse dieses Artikels:

© SPEEDWEEK.COM
Sind gute Kollegen: Jack Miller (links) und Danilo Petrucci © Gold & Goose Sind gute Kollegen: Jack Miller (links) und Danilo Petrucci
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Jorge Lorenzo: Das Ende einer großen Karriere

Von Günther Wiesinger
Viele alte Weggefährten umarmten Jorge Lorenzo heute nach seiner Rücktritts-Pressekonferenz. SPEEDWEEK.com blickt auf die außergewöhnliche Karriere des Spaniers zurück.
» weiterlesen
 

TV-Programm

So. 15.12., 00:15, Hamburg 1
car port
So. 15.12., 01:30, SPORT1+
SPORT1 News
So. 15.12., 02:10, SPORT1+
SPORT1 News
So. 15.12., 02:15, Hamburg 1
car port
So. 15.12., 04:45, SPORT1+
SPORT1 News
So. 15.12., 04:45, Hamburg 1
car port
So. 15.12., 05:15, Hamburg 1
car port
So. 15.12., 06:50, SPORT1+
SPORT1 News
So. 15.12., 09:10, Das Erste
Sportschau
So. 15.12., 10:15, Hamburg 1
car port
» zum TV-Programm