Karel Abraham: Verdrängt ihn Zarco bei Avintia?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Karel Abraham

Karel Abraham

Karel Abraham hat einen gültigen Vertrag mit Avintia Ducati für 2020. Aber er weiß, dass Johann Zarco mit Ducati verhandelt hat. Wie bedrohlich schätzt er die Situation ein?

Der 29-jährige Tscheche Karel Abraham hat bereits 204 Grand Prix absolviert und 2010 den Moto2-WM-Lauf in Valencia gewonnen. Und er hat nicht die Absicht, seinen Platz bei Reale Avintia Ducati für Johann Zarco zu räumen, der sich bei diesem Rennstall («Das ist kein Top-Team») am Samstag ziemlich unbeliebt gemacht hat. Trotzdem unterhielt sich Zarco am Montag mit den Ducati-Manager Dall’Igna und Ciabatti und traf sich auch mit Teambesitzer Raúl Romero.

Abraham nimmt auf jeden Fall für Avintia Ducati am Valencia-Test teil, er schaffte am Dienstag die 19. Zeit. Macht er sich Sorgen um seinen MotoGP-Platz? Abraham: «Es gab einige Gerüchte um Zarco. Als Lorenzo seinen Rücktritt bekanntgab, hat er erwartet, dass er bei einem Werksteam wie Repsol oder zumindest bei LCR fahren kann. Aber das hat leider nicht geklappt. Jetzt schaut er sich um einen anderen Platz um, das ist verständlich. Ich bin überzeugt, dass er mit meinem Team gesprochen hat. Das ist ziemlich klar. Das ist sicher wahr. Ich habe mich bei meinem Team diesbezüglich erkundigt. Anderseits haben wir einen gültigen Vertrag mit dem Team für die Saison 2020. Aber es ist eine komplizierte Angelegenheit, weil sich auch die Dorna für Zarco einsetzt. Es ist kein Geheimnis, dass wir in unserem existierenden Vertrag einige Dinge für 2020 anpassen wollen. Darüber verhandeln wir mit dem Team.»

Geht es da um technischen Support oder ums Geld? «Es ist kompliziert. Es geht um grundsätzliche Dinge, die wir anpassen wollen. Auch das Team will Änderungen im Vertrag anbringen. Wir werden sehen, wohin das führt», erklärte Abraham heute im Vier-Augen-Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Natürlich kann es passieren, dass wir uns nicht einig werden. Aber wenn das Team den Vertrag nicht brechen will, werde ich hier weiter fahren. Zarco kann erst mit Avintia reden, wenn das Team oder wir entscheiden, den Vertrag aufzulösen. Aber in dieser Position sind wir momentan nicht. ich persönlich will unbedingt weiterfahren, denn ich liebe das Racing. Ich liebe MotoGP und will auf jeden Fall hier bleiben. Aber es sind Anpassungen im Vertrag nötig. Und wir werden hoffentlich sehr bald sehen, wie die Sache ausgeht.»

Zarco tendiert momentan offenbar eher zur Rückkehr in die Moto2-WM bei Marc VDS, weil ihm Ducati keine konkreten Zusagen machte, wie das Avintia-Team auf ein höheres Niveau gebracht werden kann. Nach dem Abgang aus dem Red Bull-KTM-Team will er ja KTM besiegen – und das wird mit einer 2019-Ducati in der nächsten Saison keine einfache Aufgabe.

Anderseits steht er in der Moto2 unter Druck – dort wird ein Titelgewinn von ihm erwartet.

Abraham: «Klar, wenn du dir Chancen bei Repsol-Honda ausgerechnet hast und dann bei Avintia landest, besteht ein Unterschied. Aber ich kann mir vorstellen, dass er in der MotoGP bleiben möchte. Wenn du einmal weg bist, ist eine Rückkehr schwierig. Es wäre deshalb für Johann wichtig, in der MotoGP-Klasse zu bleiben. Aber was mit ihm passieren wird, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, ob ihm die Dorna etwas versprochen hat oder nicht. Ich habe Zarco hier beim Grand Prix das ganze Wochenende nicht gesehen und nicht mit ihm gesprochen.»

Also kann man davon ausgehen. Dass Karel Abraham auch 2020 bei Avintia als Stammfahrer antreten wird? «Naja, wir haben einen Vertrag, ich will MotoGP-Rennen fahren. Zu 90 Prozent werde ich wieder hier sein. Es geht um Diskussionen zwischen uns und dem Team. Johann ist im Moment eine dritte Person. Er ist nicht involviert, meiner Meinung nach.»

Dazu kommt, dass Avintia Ducati seit Jahren nur mit Bezahlfahrern antritt. «Ja, das ist eine andere Geschichte. Wie alle wissen, bringen ich und Tito Geld mit. Ich bin nicht sicher, ob Johann dazu bereit ist. Ich habe keine Ahnung, ob er Sponsoren hat. Wenn er einen Sponsor mit fünf Millionen hat, kann er natürlich sofort zu Avintia kommen.»

Valencia-Test, 19. November:

1. Quartararo, Yamaha, 1:30,163 min
2. Viñales, Yamaha, 1:30,327 min, + 0,164 sec
3. Morbidelli, Yamaha, 1:30,650, + 0,487
4. Dovizioso, Ducati, 1:30,665, + 0,502
5. Marc Márquez, Honda, 1:30,698, + 0,535
6. Mir, Suzuki, 1:30,811, + 0,648
7. Rins, Suzuki, 1:30,958, + 0,795
8. Pol Espargaró, KTM, 1:30,974, + 0,811
9. Rossi, Yamaha, 1:31,012, + 0,849
10. Miller, Ducati, 1:31,130, + 0,967
11. Crutchlow, Honda, 1:31,183, + 1,020
12. Petrucci, Ducati, 1;31,433, + 1,270
13. Lecuona, KTM, 1:31,645, + 1,482
14. Iannone, Aprilia, 1:31,674, + 1,511
15. Rabat, Ducati,1:31,775, + 1,612
16. Aleix Espargaró, Aprilia, 1:31,815, + 1,652
17. Pedrosa, KTM, 1:31,863, + 1,700
18. Pirro, Ducati, 1:32,016, + 1,853
19. Abraham, Ducati, 1:32,034, + 1,871
20. Smith, Aprilia, 1:32,090, + 1,927
21. Binder, KTM, 1:32,645, + 2,482
22. Bradl, Honda, 1:32,833, + 2,670
23. Alex Márquez, Honda, 1:32,873, + 2,710


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