MotoGP in Mandalika: Premiere soll gigantisch werden

Von Ivo Schützbach
Der Mandalika Circuit liegt direkt am Strand

Der Mandalika Circuit liegt direkt am Strand

Der neue Mandalika Circuit wird durch seine MotoGP- und Superbike-Rennen auf der Insel Lombok nachhaltig für wirtschaftlichen Aufschwung sorgen. Kein Wunder, schwärmen die Einwohner für den Motorradrennsport.

Ende November 2021 eröffnete die Superbike-WM den neuen Mandalika Street Circuit auf der indonesischen Ferieninsel Lombok, Toprak Razgatlioglu (Yamaha) setzte sich im dramatischen Finale gegen Rekordchampion Jonathan Rea (Kawasaki) durch.

Am nächsten Wochenende gastiert der MotoGP-Zirkus in Mandalika, vom 11. bis 13. Februar haben die besten Motorrad-Rennfahrer der Welt bereits dort getestet. Die Strecke hat eine Länge von 4310 Metern, elf Rechts- und sechs Linkskurven, die Start-Ziel-Gerade misst 507 Meter. Philipp Öttl bezeichnete sie als «deutsche Autobahn mit amerikanischen Auslaufzonen».

Weil sich der Asphalt an verschiedenen Stellen auflöste, wurde alles in Bewegung gesetzt, um die MotoGP-Premiere zu einem Erfolg zu machen. Joko Widodo, der Präsident von Indonesien, ließ dafür sogar die Arbeiten an einer Landebahn des «Jakarta Airports» stoppen – dann wurde das beste Equipment nach Lombok befördert. Für die Indonesier geht es um nichts weniger als den Nationalstolz.

Offiziell firmiert die Strecke unter dem Namen «Pertamina Mandalika International Street Circuit». Pertamina ist eine staatliche indonesische Aktiengesellschaft, die ihr Geld mit der Förderung von Erdöl und Erdgas verdient und prominent wirbt. Pertamina betreibt ein großes Tankstellennetz und beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter. 2019 wurde ein Umsatz von annähernd 50 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Mandalika heißt die Gegend, in welcher die Rennstrecke erbaut wurde, es gibt auch einen Mandalika Strand.

Die Bezeichnung Street Circuit rührt daher, dass es sich offiziell um eine nicht-permanente Rennstrecke handelt. Nicht permanent sind aber lediglich einige der Tribünen. Die Strecke ist rundherum eingezäunt und mit Betonmauern versehen, verkehrstechnisch macht die Nutzung der Strecke für die Öffentlichkeit null Sinn, weil sie nichts miteinander verbindet. Es drängt sich der Eindruck auf, dass «Street Circuit» lediglich als Argument herhalten muss, um Gelder der öffentlichen Hand für dieses Projekt auszugeben.

Indonesien besteht aus 17.508 Inseln, auf der Hauptinsel Java lebt über die Hälfte der 274 Millionen Einwohner. Lombok ist der Nachbar der bekannten Ferieninsel Bali. Auf Lombok wohnen zirka 3,5 Millionen Menschen, bekannt war die Insel bislang hauptsächlich wegen seiner Traumstrände und den guten Surfmöglichkeiten.

Im Gegensatz zu Bali ist Lombok viel weniger touristisch, was auch an der deutlich geringeren Infrastruktur liegt. Lombok heute, ist wie Bali vor 30 Jahren. Oder wie Vietnam.

Beim Erwerb des Lands für den Mandalika Circuit wurde nach indonesischen Medienberichten nicht jeder fair behandelt, teilweise war von vereinzelten Enteignungen die Rede. Doch insgesamt gibt es sehr viel Zustimmung für die Rennstrecke. Denn zahlreiche Menschen auf Lombok versprechen sich von ihr mehr internationale Besucher, dadurch einen wirtschaftlichen Aufschwung sowie mehr und bessere Arbeitsplätze.

Der Aufschwung wird kommen. Ich bin mir sicher, dass schon in ein paar Jahren um die Rennstrecke herum viele weitere Hotels und neue Häuser zu sehen sein werden, vermutlich zum Leidwesen der Menschen, die jetzt dort ihr Zuhause haben.

Beim großen Erdbeben am 5. August 2018, mit einer Stärke von 7,0 auf der Richterskala, wurden 80 Prozent der Bauwerke auf Lombok beschädigt oder zerstört. Damals starben nach offiziellen Angaben 480 Menschen, knapp 8000 wurden verletzt und zirka 400.000 obdachlos.

Von den damaligen Verwüstungen ist heute kaum noch etwas zu sehen, auf Lombok wird viel dafür getan, ein zweites Bali zu werden. 2011 wurde der internationale Flughafen in Mataram eröffnet, der den zu kleinen in Selaparang ablöste. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch große internationale Fluglinien Lombok ansteuern. Von Mataram bis Mandalika an der Südküste wurde eine neue zweispurige Hauptstraße quer über die Insel gebaut. Ab Landung mit dem Flugzeug war das Thema SBK omnipräsent, selbst die Zöllner in der zwei Flugstunden entfernten Hauptstadt Jakarta wussten Bescheid. Jedes Kleinkind auf der Insel hatte von dem großen internationalen Motorradrennen gehört, die Vorfreude und Begeisterung waren riesig. Seit die MotoGP-Stars erstmals in Mandalika getestet haben, wuchs die Begeisterung beinahe ins Unermessliche. Kein Zweifel: Die MotoGP-Premiere am nächsten Wochenende wird ein Erfolg.


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Happy Birthday, Marc Márquez!

Werner Jessner
Mit 31 Jahren startet der achtfache Weltmeister in den Herbst seiner Karriere. Möge er uns noch lange erhalten bleiben. Die MotoGP wäre sehr viel ärmer ohne ihn.
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