Stefan Bradl: «Wenn ich 2014 versage, bin ich weg»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Stefan Bradl macht sich keine Illusionen. Das LCR-Team und Honda erwarten Podestplätze. Aber durch das starke Ducati-Team und Aleix Espargaró wird die Aufgabe nicht leichter.

Die Schonfrist ist vorbei. Nach zwei Jahren in der MotoGP-Weltmeisterschaft im LCR-Honda-Team von Lucio Cecchinello werden Podestplätze erwartet – vom LCR-Team, von den Sponsoren, von Honda. Und von Stefan Bradl selbst.

Bei einer Saisonanalyse nach dem Valencia-GP im letzten November wurden ein paar Schwachstellen diagnostiziert.

Ein bis zwei Grad mehr Schräglage in langsamen Rechtskurven; optimalere Verwendung der Hinterradbremse; bessere Runenzeiten mit abgefahrenen Reifen; Verbesserung des Rennspeeds und der Konstanz im Rennen.

Das waren die Punkte, an denen der Hebel angesetzt wurde.
Der dreitägige Test in Valencia nach dem WM-Finale brachte bereits eine klare Verbesserung. Der Umstieg von der Nissin- auf die Brembo-Hinterradbremse entpuppte sich als Fortschritt; die Vorderradbremse von Brembo hat Bradl bereits seit Assen 2013 verwendet.

Erstmals trainierte Stefan Bradl im Winter Offroad, in Frankreich mit dem dreifachen Cross-Weltmeister Yves Demaria, in Spanien in einer Gruppe, in der auch Carlos Checa zu sehen war. Trial, Motocross, Dirt-Track und Supermoto wurde gefahren. «Diesmal hatte ich die Blasen an den Händen schon im Dezember statt beim ersten Sepang-Test im Februar», stellte Bradl fest. Er hat jetzt daheim in Zahling eine 250-ccm-Crossmaschine stehen und Gefallen daran gefunden.

Bradl wollte eigentlich schon 2013 fünf Podestplätze erzielen, einmal hat es geklappt – mit Platz 2 in Laguna Seca.

Die Fortschritte und Erfolge 2013 fielen nicht so aus, wie er sich das nach der vielversprechenden Rookie-Saison vorgestellt hatte.
Zwar verbesserte sich die Nr. 6 in der WM-Tabelle vom achten auf den siebten Rang, er holte 156 statt 135 Punkte (das war das Guthaben 2013). Und ohne den Knöchelbruch in Sepang und der daraus resultierenden Zwangspause in Malaysia und Australien hätte er wohl seinen sechsten WM-Rang verteidigt.

Aber diese Vorkommnisse ändern nichts an der Tatsache, dass sich Stefan Bradl (24) in der kommenden Saison gehörig steigern muss.
Er soll in den Trainings unter den ersten fünf sein und bei möglichst allen Rennen um Podestplätze fighten. Rossi und Pedrosa, das sind die neuen Anhaltspunkte. Bautista soll er in den Griff kriegen. Bei den Tests hat das geklappt. Besonders der zweite Sepang-Test verlief vielversprechend: Bradl büsste dort nur 0,1 sec auf die Bestzeit von Rossi und Pedrosa ein.

Aber eines ist klar: Marc Márquez und Jorge Lorenzo werden schwer zu besiegen sein, mit Ducati und Aleix Espargaró (Forward-Yamaha) kommen neue starke Gegner dazu.

Bradl hat von 7. bis 9. März in Katar getestet. Dadurch könnte er am ersten Trainingstag morgen Vorteile haben. «Aber die sechs Werksfahrer, die gefehlt haben, werden spätestens am Freitag vorne dabei sein», weiss Bradl.

Stefan, jetzt geniessen mit Dovizioso, Crutchlow und Iannone drei Ducati-Werksfahrer die Vorzüge der Open Class. Dazu glänzte Aleix Espargaró dauernd mit Top-4-Rängen. Werden deine Ziele dadurch 2014 schwieriger zu verwirklichen sein als erwartet?

Ja, weil man mit Ducati und Aleix Espargaró plötzlich Kandidaten auf der Rechnung haben muss, von denen ich gedacht habe, die habe ich im Griff. Aber jetzt tritt eine Situation auf, die wir nicht vorhergesehen haben. Dan weicherer Hinterreifen, mehr Sprit, mehr Motoren, mehr Tests, keine eingefrorene Motorentwicklung. Wir haben nicht damit gerechnet, dass Ducati und Aleix dadurch so konkurrenzfähig sein werden.
Aber nach dem ersten Rennen werden wir mehr wissen. Ich hoffe, dass wir über die Renndistanz stärker sind, dass in den Rennen die Kräfteverhältnisse zurecht gerückt werden.

Mit den neuen Bridgestone-Hinterreifen ist bisher niemand glücklich.

Ja, in Australien waren die Zeiten der Werksfahrer damit auch nicht prickelnd... In Katar haben wir die Pole-Zeit von 2013 auch nicht erreicht. Man darf nicht erwarten, dass wir mit dem neuen, hitzebeständigeren Reifen jetzt überall Rundenrekorde fahren. Das ist wahrscheinlich vorbei.

Wird die Saison 2014 von den Gegnern her schwieriger als die letztjährige?

Weiss ich nicht. Ich hoffe, dass ich alles umsetzen kann, was wir bei den Tests erfolgreich erprobt und herausgefunden haben.

Hast du mehr Druck?

Ja, aber den haben alle. Bei allen Top-Ten-Piloten laufen die Verträge aus. Jeder will in einem Spitzenteam unterkommen, ob das Bautista, Dovizioso oder Pedrosa ist.
Natürlich habe ich Druck. Wenn ich versage, bin ich weg vom Fenster, denke ich jetzt einmal.
Aber auf der anderen Seite bestehen auch Aufstiegschancen... Wenn ich Pedrosa im Griff habe oder nahe an ihm dran bin, wenn ich ihn das eine oder andere mal knacken kann, könnte ich vielleicht ein Kandidat für das Repsol-Team werden. Dann gibt es vielleicht die Option auf ein Werksmotorrad. Das steht alles in den Sternen. Auf jeden Fall will ich so abschneiden, dass ich auch 2015 eine Honda RC213V fahren kann – bei LCR.
Ob das klappen wird? Ich bin kein Wahrsager.

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