Jack Miller: Mit Honda direkt in die MotoGP-WM?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Red-Bull-KTM-Teamchef Aki Ajo mit Jack Miller

Red-Bull-KTM-Teamchef Aki Ajo mit Jack Miller

Sensation: Jack Miller überlegt einen Weitsprung von der Moto3-WM direkt in die MotoGP-Klasse. Das hat es seit Garry McCoy 1998 nicht mehr gegeben.

Der australische Ausnahmekönner Jack Miller hat in dieser Saison drei von sechs Moto3-Rennen gewonnen, er führt die WM-Tabelle mit 104 Punkten an vor Romano Fenati (99) und Alex Rins (87).

Klarerweise stehen die Moto2-Teambesitzer längst Schlange, Marc VDS Racing (jetzt mit Rabat und Kallio unterwegs) hat den 19-jährigen Australier längst auf dem Einkaufszettel, kein Wunder nach dem famosen Miller-Sieg in Le Mans, wo er seine Gegner wie Fahrschüler aussehen liess. Auch andere erfolgreiche Rennställe buhlen um den WM-Leader.

Aber jetzt bahnt sich eine Sensation an. Jack Miller hat von HRC ein Angebot für die MotoGP-WM.

Miller hat vor wenigen Tagen bei seinem Red-Bull-KTM-Teambesitzer Aki Ajo einen Manager-Vertrag unterzeichnet. Dasselbe hat im Sommer 2013 schon der letztjährige Moto3-Weltmeister Maverick Viñales gemacht, der seine Karriere jetzt ebenfalls von dem erfolgreichen Finnen (Weltmeister 2008 mit di Meglio, 2010 mit Márquez, 2012 mit Cortese, jetzt WM-Leader mit Miller) gestalten lässt.

Maverick Viñales ist ein ähnliches fahrerisches Kaliber wie Marc Márquez, er hat gleich sein zweites Moto2-Rennen (Texas 2014) gewonnen.

Kein Wunder, dass Shuhei Nakamoto und Livio Suppo (Honda Racing Corporation) längst auf Viñales aufmerksam geworden sind. Siegfahrer seines Schlags sind bei jedem Hersteller stark gefragt.

Doch bei Viñales haben sich die HRC-Manager einen Korb geholt. Der Moto2-WM-Dritte (nur Platz 9 in Mugello) will unbedingt eine zweite Moto2-Saison bestreiten, er hat beim HP 40-Pons-Team einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben. Er könnte zwar bei einem MotoGP-Angebot aussteigen, will aber lieber 2015 noch einmal Jagd auf den Moto2-WM-Titel machen.

Die Absage von Viñales hat aber noch einen anderen Hintergrund: Der Spanier fühlte sich 2012 bei seinem Moto3-Titelfight gegen Cortese und KTM von Honda völlig im Stich gelassen, deshalb wechselte er für 2013 zu Calvo-KTM – und wurde World Champion.

Absage von Viñales, jetzt Miller?

Nach der Viñales-Absage machten die HRC-Manager den nächsten Siegfahrer ausfindig, der ins Konzept passt und für die Saison 2015 auf eine MotoGP-Maschine gesetzt werden könnte: Jack Miller.

Pierfrancesco Chili war der erste Rennfahrer, der letzten 30 Jahre, der direkt von der kleinsten GP-Klasse (125 ccm/Moto3) in die Königsklasse aufgestiegen ist. Chili wurde 1985 Europameister in der 125-ccm-Klasse und fuhr ein Jahr später die 500er-WM – er wurde WM-Zehnter.

Zuletzt wagte es der Australier Garry McCoy. Er war 1997 WM-Sieber auf einer Aprilia 125, dann wechselte er in die 500-ccm-Weltmeisterschaft. Er beendete sie 1998 (auf Honda) auf Rang 18, wobei er den Umstieg mit einer V2-500er erträglich gestaltete. 1999 wurde der «King of Slide» auf Red Bull-Yamaha WM-14. und 2000 WM-Fünfter – mit drei grandiosen GP-Siegen in Welkom, Estoril und Valencia.

Der direkte Aufstieg verlangt viel Mumm

Der Sprung von der aktuellen 55 PS starken Moto3-Einzylinder-KTM auf eine 260 PS starke 1000-ccm-Vierzylinder-MotoGP-Rakete verlangt viel Können, Mumm und Selbstvertrauen. Miller hat es.

Miller-Manager Aki Ajo traut seinem Schützling diesen bemerkenswerten Weitsprung zu. «Wenn ein Fahrer clever ist und die richtige Einstellung dazu mitbringt, ist so ein Klassenwechsel nicht unmöglich», erklärte Aki Ajo am Sonntag gegenüber SPEEDWEEK.com. «So etwas hat es viele Jahre lang nicht gegeben. Aber wenn es einen Rennfahrer gibt, dem man so einen Schritt zutrauen darf, dann ist es Jack. Er ist einer von den wenigen, die so einen Umstieg schaffen könnten.»

Blicken wir zurück: Valentino Rossi blieb 1998 und 1999 zwei Jahre in der 250er-Klasse, Pedrosa und Lorenzo später ebenfalls, Stefan Bradl fuhr zwei Jahre in der Moto2, Pol Espargaró sogar drei, Marc Márquez zwei. Auch Stoner absolvierte zwei 250er-Jahre (2002 und 2005), dazwischen kehrte er in die 125er-WM zurück. Dovizioso nahm drei Saisons hindurch (2005 bis 2007) an der Viertelliter-WM teil; Andrea Iannone fuhr drei Jahre (2010, 2011, 2012) in der Moto2-WM, Alvaró Bautista bestritt die 250er-WM von 2007 bis 2009.

Niemand wagte es seit Chili 1986, die Mittelgewichtsklasse zu überspringen.

Schon gar nicht mit 19 Jahren.

Aki Ajo kennt diese Fakten. Deshalb sind die Pläne Millers für die Saison 2015 noch nicht in Stein gemeisselt. Sicher ist nur: Es wird keine weitere Moto3-WM-Saison mit «Jumping Jack» stattfinden.

«Wir werden gemeinsam die beste Lösung suchen. Jack braucht ein gutes Team und ein gutes Motorrad. Über die Klasse diskutieren wir noch», versicherte Ajo.

Honda hat Miller im Herbst als Moto3-WM-Siebten an KTM verloren. Jetzt wurde dem neuen Moto3-Star ein Vier-Jahres-Vertrag für die MotoGP-Klasse in Aussicht gestellt. KTM-Ass Miller hat 2014 in der Moto3-WM-Klasse in Katar (Platz 2 für Márquez) und Frankreich (Platz 2 für Rins) Honda-Siege verhindert.

Über Details wurde zwischen HRC, Miller und Ajo noch nicht diskutiert. Erste Gespräche haben längst stattgefunden. Miller könnte einen Deal unterschreiben, der ihm 2015 ein Lehrjahr mit dem Production-Racer RCV1000R zubilligt und nachher einen RC213V-Prototyp, wie ihn jetzt Bautista und Bradl fahren. Bei entsprechenden Resultaten könnte im Zeitraum bis 2018 auch eine Beförderung ins Repsol-Werksteam vertraglich vereinbart werden.

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