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MotoGP-WM: Neue Hürden für Ducati-Privilegien

Kolumne von Günther Wiesinger
Sollen nächstes Jahr gleichgestellt sein: Yamaha (mit Rossi) und Ducati (mit Dovizioso)

Sollen nächstes Jahr gleichgestellt sein: Yamaha (mit Rossi) und Ducati (mit Dovizioso)

Die gegnerischen Werke wollen Ducati die nicht mehr gerechtfertigten Open-Privilegien für 2016 unbedingt wegnehmen. Deshalb werden sicherheitshalber neue Hindernisse errichtet.

Jetzt steht Ducati in der Motorcycle Manufacturer's Association (MSMA) im Abseits.

Denn Honda, Yamaha, Suzuki und Aprilia sind sich einig, dass Ducati bei den vier Factory-Piloten (Dovizioso, Iannone plus Petrucci und Hernandez bei Pramac) sobald als möglich alle Open-Class-Privilegien verlieren sollen.

Die momentane Gesetzeslage sieht so aus: Wenn Ducati in diesem Jahr einen Sieg im Trockenen erringt, verlieren sie bei allen vier Factory-Piloten gleich beim nächsten Rennen bis zum Saisonende das Anrecht auf die um eine Stufe weicheren Hinterreifen.

Nach den beiden Podestplätzen in Katar (2. Dovi. 3. Iannone) hat Ducati bereits den Tankinhalt von 24 auf 22 Liter reduzieren müssen, denn sie hatten damit saisonübergreifend 2014/2015 insgesamt drei Podestplätze im Trockenen inklusive Texas 2014 (Rang 3 durch Dovi).

Drei weitere Privilegien bleiben Ducati 2015 auf jeden Fall erhalten: Im Gegensatz zu Yamaha und Honda ist bei ihnen die Motorenentwicklung am dem Saisonstart nicht eingefroren, sie können 2015 zwölf statt fünf Motoren verwenden und unterliegen keinen Testbeschränkungen.

Den Ducati-Rivalen in der MSMA geht es jetzt darum, den Italienern für 2016 das Anrecht auf die nicht mehr gerechtfertigten Privilegien zu verbauen.

Nach aktueller Gesetzeslage verliert Ducati alle Open-Vorteile für 2016, sobald sie in dieser Saison einen Grand Prix im Trockenen gewinnen.

Die Privilegien waren nämlich ursprünglich für die Privatteams gedacht, sie sollten dadurch nach dem Ende der Claiming-Rule-Teams näher an die Factory-Teams heranrücken, ausserdem sollten sie Neueinsteigern wie Suzuki und Aprilia das Leben erleichtern.

Für 2016 wird für alle Teams und Fahrer die Einheits-Elektronik vorgeschrieben, die Open-Class verschwindet.

Die Neueinsteiger Suzuki und Aprilia gelten 2016 als «Concession-Teams», sie geniessen 2016 noch das Anrecht, die Motorenentwicklung nicht einfrieren zu müssen, sie dürfen im Gegensatz zu Honda und Yamaha neun statt sieben Motoren verwenden und unbeschränkt testen. Wenn Ducati wie 2013 und 2014 auch 2015 keinen Sieg im Trockenen erzielt, bleiben ihnen die drei soeben erwähnten Zugeständnisse auch für 2016 erhalten.

Jetzt geht es um die Frage, wie man Ducati diese restlichen bisherigen Privilegien für 2016 abknöpfen könnte, falls sie kein Rennen gewinnen. Am besten ginge es, wenn man die «concession points» nicht erst 2016, sondern bereits 2015 anwenden würde. ?Das wollen die gegnerischen Werke jetzt durchsetzen. Ducati soll endlich wieder mit Honda und Yamaha gleichgestellt werden, das ist verständlich, obwohl bei den Japanern diese Erkenntnis reichlich spät gereift ist.

Im letzten September, als SPEEDWEEK.com längst die für 2015 fortgeschriebenen Ducati-Privilegien anprangerte, verhielt sich Honda noch leise. Damals gingen Nakamoto und Suppo wohl von einem weiteren WM-Triumph 2015 aus, die Roten aus Borgo Panigale wurden nicht ausreichend ernst genommen. Das HRC-Motto damals: «Es spielt keine Rolle, wer 2015 hinter uns auf Platz 2 landet.»

Jetzt sind die Roten zu einer Bedrohung geworden, deshalb wollen Honda, Yamaha, Suzuki und Aprilia die eigentlich erst für 2016 geplanten «concession points» bereits 2015 anwenden.

Bei diesen Zugeständnis-Punkten kriegen die seit 2013 sieglosen Hersteller wie Ducati, Suzuki und Aprilia drei Punkte für einen Sieg, zwei für Platz 2 und einen Punkt für Rang 3.

Durch die ?fünf Podestplätze im Trockenen in der Saison 2015 (dreimal Platz 2 für Dovi, einmal Platz 3 für Dovi, einmal Platz 3 für Iannone) würde Ducati mit dieser Massnahme für 2016 fix alle Zugeständnisse einbüssen.

Sie müssten dann 2016 mit sieben Motoren fahren wie Honda und Yamaha, sie hätten die Motorenentwicklung eingefroren und keine Vorteile bei der Anzahl der Testtage.

Die Wirksamkeit der «concession points» für 2015 müssten durch das Hersteller-Bündnis MSMA einstimmig beschlossen werden.
Ducati sträubt sich aber, also wird die Entscheidung von der Grand Prix Commission gefällt werden.

Und man kann sich ausmalen, dass sich die GPC-Mitglieder der Mehrheit der MSMA anschliessen werden.

Inzwischen sind die GP-Funktionäre durch die beim einstigen Pflegefall Ducati entstandenen Fehler wachgerüttelt worden.

Es wird deshalb alles unternommen, um den Verlust der Ducati-Privilegien für 2016 sicherzustellen. Es werden für Ducati neue Hürden errichtet.

Da nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass Ducati 2015 ein Rennen gewinnt, soll jetzt in der Saison 2015 auch eine gewisse Anzahl von zweiten Plätzen Konsequenzen haben, ausserdem nicht nur im Trockenen, sondern auch bei «wet races». Und ausserdem soll es klipp und klar heissen: Ein Werk, dessen Fahrer in der Fahrerwertung am Jahresende unter den ersten drei liegt, ist in der folgenden Saison automatisch alle Zugeständnisse los.

Auch das war nämlich eine Gesetzeslücke: Bei – sagen wir – sieben Siegen im Nassen 2015 würde Ducati für 2016 keine Privilegien einbüssen, bei einem einzigen Sieg im Trockenen hingegen schon.

«Ja, wir diskutieren über neue Merkmale und Methoden, wie wir Ducati sämtliche bisherige Open-Zugeständnisse abspenstig machen können, zumindest für 2016», erklärte in Le Mans ein GP-Funktionär im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Besonders mit dem Suzuki-Werksteam haben Honda und Yamaha einen treuen Verbündeten gegen Ducati gefunden. Die Japaner sehen nicht ein, warum sie als Neulinge 2016 mit einem Werk wie Ducati gleichgestellt sein sollen, d?as seit 2003 unablässig in der MotoGP-WM mitfährt, schon 2014 regelmässig in der erste Reihe stand und vier Podestplätze einheimste.

Suzuki befürwortet die neuen «concession points». Solange sie kein Podest erreichen, gehen ihre Vorteile (mehr Motoren, Motorenentwicklung nicht eingefroren, keine Testbeschränkungen) munter weiter.

Ducati widersetzt sich den neuen Bestrebungen ?nur noch halbherzig. Die Italiener können den Lauf der Dinge wohl nicht mehr aufhalten. «Wenn wir die Privilegien verlieren, heisst das ja, dass wir schnell sind», meinte ein Ducati-Teammitglied in Le Mans.

Zur Erinnerung: 2016 werden die MotoGP-Fahrer alle die Einheits-ECU haben, die Bikes werden 157 kg (statt 158 kg) wiegen, die Spritladung wird auf 22 Liter erhöht (2015 haben die Factory-Teams 20 Liter, die Open-Teams 24), dazu kriegen die renommierten Werke wie Honda und Yamaha (und wohl auch Ducati) sieben Motoren (jetzt fünf), die Neueinsteiger Suzuki und Aprilia je neun.

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