Cal Crutchlow: Wie er die Fans hinters Licht führte

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Ja, Cal Crutchlow ist ein beherzter Hobby-Rennradfahrer. Aber nein, er kann nicht mit Tour-de-France-Star Mark Cavendish mithalten. Schon gar nicht mit einem ramponierten Knöchel.

Da hat der immer zu Spässen aufgelegte Sprücheklopfer Cal Crutchlow seine Fans wieder einmal erfolgreich hinters Licht geführt.

Der Honda-Pilot aus dem CWM-LCR-Team von Lucio Cecchinello postete gestern auf Instagram ein Bild, das ihn mit Rennradhelm vor dem britischen Sprinterkönig Mark Cavendish zeigt. Der Brite lässt dazu noch demonstrativ die Zunge raushängen...

«Ich helfe Mark bei seiner Vorbereitung für den Juli. Er macht sich nicht schlecht», lautete Crutchlows etwas zweideutige Bemerkung dazu.

Damit erweckte er den Anschein, als würden die beiden Kumpel (sie haben beide ihren Hauptwohnsitz auf der Insel Man) gemeinsam in der Toskana Rennrad trainieren.

Crutchlow ist zwar begeisterter Rennradfahrer. Beim ersten Sepang-Test in Malaysia 2015 erzählte er mir, er habe seit dem Valencia-GP mit seinem Specialized-S-Works-Karbonrenner in Kalifornien rund 3500 km abgespult.

Aber Cal hat sich am Sonntag beim Sturz beim Mugello-GP im rechten Knöchel die Bänder stark überdehnt, die Ärzte empfahlen ihm, das Gelenk ein paar Tage ruhig zu stellen, damit die Schwellung zurückgeht.

Also wird man als Rennradexperte stutzig, wenn man liest, Crutchlow habe mit einem der erfolgreichsten Radrennfahrer der letzten zehn Jahre trainiert und ihn quasi auf die Tour de France vorbereitet.

Ein kurzer Blick auf das Foto sagt alles.

Jawohl, Crutchlow und Kumpel Cavendish haben tatsächlich miteinander trainiert.

Aber Crutchlow sass auf einem Motorrad! Oder auf einem grossvolumigen Roller.

Denn hinter seinem Fahrzeug ist ein Gestell mit einer Garnitur Ersatzlaufräder zu sehen (ein Vorderrad, ein Hinterrad), wie sie bei allen grossen Radrennen von mobilen, neutralen Serviceteams benützt werden, um bei den Stars Reifenpannen durch blitzartige Radwechsel beheben zu können, wenn der Teamwagen irgendwo in der Kolonne steckt. Ausserdem trägt Crutchlow keine Radbrille, sondern eine grossflächige stylische Sonnenbrille, er schwitzt nicht, obwohl es offenbar leicht bergauf geht.

Ausserdem: Wenn ein Superstar wie Cavendish am Hinterrad hängt, der im Jahr mehr als 40.000 km auf dem Rennrad zurücklegt, wird der gute Cal keine Puste haben, um noch rasch ein Selfie zu machen.

Der ultimative Beweis: In seiner Sonnenbrille sind neben seiner Selfie-Hand zwei grosse Rückspiegel zu sehen!

Ein ​gelungener Gag von Cal, aber für jeden schnell durchschaubar, der ein bisschen Ahnung vom Radsport hat. Und er hat ja nicht explizit behauptet, dass er auf einem Rennrad sitzt.

Und warum trainiert Cavendish hinter einem Motorrad, wird sich jetzt so mancher fragen?

Als Sprinter muss er bei den Rennen bis zu 65 und 70 km/h Endgeschwindigkeit zusammenbringen ​und entsprechend starke Gänge (vorne 53 Zähne, hinten 11) treten können. Diese Tempofestigkeit eigenen sich die Sprinter gerne an, indem sie zwischendurch Trainings mit hohen Geschwindigkeiten hinter Motorrädern einlegen, auch Zeitfahrer machen das. Wenn ein Könner auf dem Motorrad sitzt, erhöht das die Sicherheit.

Der 30-jährige Cavendish war bereits 2005 Bahn-Weltmeister, er hat 15 Etappensiege beim Giro d 'Italia gefeiert, nicht weniger als 25 bei der Tour de France (2008 bis 2013), 3 bei der Vuelta in Spanien, dazu war er Strassenweltmeister 2011.

Crutchlow und ​Cavendish trainieren tatsächlich manchmal gemeinsam, aber nur während des gemütlichen Aufbautrainings von Mark im Januar oder Februar oder nach seinem Saisonende ​ab Oktober.

Cavendish hat Crutchlow auch schon mehrmals bei MotoGP-Rennen besucht, zum Beispiel Mugello, Misano oder in Valencia. Er ist in Valencia 2013 sogar schon mit dem Ducati-MotoGP-Doppelsitzer von Randy Mamola um die Piste chauffiert worden.

In einer Phase, in der sich Cavendish den letzten Feinschliff für die Tour de France holt, kann selbst ein ambitionierter Hobbyradler wie Cal Crutchlow nicht mit ihm mithalten...

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