Marc Márquez: Zwischen Ruhm und Kiesbett

Kolumne von Matthew Birt
MotoGP
Marc Márquez kann den WM-Titel 2015 abhaken, er hat sich in dieser Saison zu viele Fehler geleistet. Der Honda-Star muss jetzt ein Sieger-Motorrad für 2016 entwickeln.

Marc Márquez hat seine Motorradrennkarriere durch das Fahren am absoluten Limit so erfolgreich gestaltet, dass er mit 22 Jahren schon zu den grössten aller Zeiten gerechnet wird.

Vier Weltmeistertitel hat er durch diese risikoreiche Gratwanderung gewonnen.

Aber die diesjährige Werks-Honda RC213V lässt ihm wenig Spielraum für Fehler. Selbst die hartgesottensten Márquez-Fans müssen jetzt eingestehen, dass Marcs Bemühungen, zum dritten Mal in Serie MotoGP-Weltmeister zu werden, an eine «Mission Impossible» erinnert.

Klar, die Weltmeisterschaft dauert bis November, es sind noch elf Rennen zu fahren. Aber 69 Punkte Rückstand auf Rossi und 68 auf Lorenzo – das ist ein unüberbrückbarer Abstand. Auch wenn noch 275 Punkte zu vergeben sind.

Der dritte ungezwungene Fehler im siebten Rennen in Barcelona bedeutete den dritten Nuller. Es müsste schon eine monumentale Kapitulation der Yamaha-Stars Rossi und Lorenzo passieren, damit der aktuelle Weltmeister wieder Hoffnung schöpfen kann.

Doch die Topform der beiden Spitzenfahrer (sechs GP-Siege in sieben Rennen) bringt Márquez zur Verzweiflung. Rossi hat in den letzten 16 Rennen saisonübergreifend 15 Podestplätze sichergestellt.

Bei Márquez sieht es anders aus: Er hat in den letzten 13 Rennen sechs Rennstürze fabriziert!

Rossis Konstanz ist faszinierend: «The Doctor» hat seit dem Saisonstart 2012 erst dreimal keine Zielflagge gesehen – in 61 Rennen wohlgemerkt.

Und dann hat Yamaha mit Jorge Lorenzo ein zweites heisses Eisen im Feuer. Der Mallorquiner hat soeben beim Catalunya-GP seinen vierten Sieg in diesem Jahr in Serie gefeiert, er wirkt so unantastbar wie Márquez in der Saison 2014.

Lorenzo hat in der ganzen Saison 2014 nur 98 Führungsrunden gedreht, 2015 hat er bei den letzten vier Rennen allein schon ganze 103 Führungsrunden abgespult.

2011 war der Rückstand noch grösser​​​​​​​​​
2011 war der Rückstand noch grösser​​​​​​​​​Aber Marc Márquez wird nicht aufgeben. Er war schon tiefer im Dilemma, nämlich 2011, als er nach dem sechsten Grand Prix in Silverstone 82 Punkte hinter WM-Leader Stefan Bradl lag – und trotzdem in Motegi die WM-Führung übernahm. Márquez gewann ab dem British Grand Prix sechs Rennen, aber dann leistete er sich in Australien und Malaysia drei schwere Stürze, Bradl gewann die WM.

Auch 2015 sieht es für Márquez nicht gerade rosig aus, denn die Yamaha war schon in der zweiten Saisonhälfte 2014 das beste Motorrad, jetzt ist sie unbesiegbar geworden. Die YZR-M1 ist die neue technische Benchmark in der Königsklasse.

Márquez hat sich 2015 viele Fehler geleistet, als er sich bemühte, mehr aus der Honda herauszuquetschen, als in ihr steckt. Das 2015-Modell der RC213V ist überladen mit Motorleistung, der aggressive Motor lässt sich kaum bändigen, dazu lässt sich das Bike in den Bremszonen kaum beherrschen. So komm es immer wieder zu Stürzen übers Vorderrad – auch bei Cal Crutchlow. Márquez hat sich an den GP-Wochenenden 2015 schon fünf Stürze geleistet.

Nur zwei Fahrer sind 2015 bisher sturzfrei geblieben – Rossi und Lorenzo. Das bedeutet auch – die Yamaha verzeiht mehr Fehler.

Marc Márquez ist ein Grenzgänger, der seinesgleichen sucht, er liebäugelt in jeder Kurve mit dem absoluten Limit, oft setzt er sich darüber hinweg. In der Vergangenheit konnte er immer ausreichend improvisieren und so manches Sturz-Desaster durch sein grandioses Fahrkönnen vermeiden.

Die 2015-Honda lässt ihm jedoch wenig Spielraum für Fehler und Fehleinschätzungen. Marc strauchelt immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen Ruhm und Kiesbett.

Offenbar hat sich HRC mit den vielen Versionen der RC213V in einer Set-up-Sackgasse verirrt.

In Assen will Márquez einen Zwitter mit dem 2014-Chassis und der 2015-Schwinge fahren, die er seit Le Mans verwendet, dazu natürlich den 2015-Motor. Er hat diese Kombination am Montag in Barcelona kurz getestet.

Der Repsol-Honda-Star hat nichts mehr zu verlieren. 2014 gewann Márquez das «wet race» in Assen. Als er über die Ziellinie fuhr, ahmte er die Bewegungen eines Brustschwimmers nach.

Das war in einer Phase, als der Spanier von Sieg zu Sieg schwamm. Wenn er nächste Woche in Assen eintrifft, werden Marcs Titelchancen schon spurlos untergegangen sein.  ​​​​​​​​​

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