Marc Márquez: Der Texas-Werksmotor ist ruiniert!

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Repsol-Honda-Werkspilot Marc Márquez muss nicht nur 74 Punkte auf Rossi aufholen. Er muss seit Texas auch auf einen von fünf Motoren verzichten.

Ein Unheil kommt selten allein.

Marc Márquez muss nicht nur mit seiner unerfreulichen WM-Situation klarkommen, er liegt schon 74 Punkte hinter Leader Rossi, sondern sich auch seit dem Texas-GP-Qualifying mit einem schmalen Motoren-Kontingent durch die Saison retten.

Fünf MotoGP-Motoren sind pro Fahrer und Saison erlaubt, aber Márquez musste ein Triebwerk bereits nach dem Q2 in Austin abschreiben und zur Seite räumen lassen.

Seit dem Qualifying beim Grand Prix of the Americas in Austin/Texas hat das Repsol-Honda-Team von Marc Márquez heimlich einen der fünf homologierten V4-1000-ccm-Motoren lahmgelegt.

Marc Márquez hatte sich beim Jerez-GP ein bisschen verplappert und durchblicken lassen, das RC213V-Triebwerk sei womöglich nicht mehr einsatzfähig.

Der Weltmeister hatte damals in Texas das Motorrad im Q2 an die Boxenmauer gelehnt, weil ein rotes Warnlicht im Cockpit aufgeleuchtet hatte.

Bisher hat die Honda Racing Corporation das lädierte Triebwerk noch nicht aus der Allocation zurückgezogen, um die Gegner bei Yamaha und Ducati nicht hellhörig zu machen.

Bei der Teamvereinigung IRTA herrscht die Überzeugung, dass Márquez mit dem strittigen Motor seit Texas keinen einzigen Kilometer zurückgelegt hat. Offiziell wird das bei Honda nicht bestätigt.

Die Geheimnistuerei hat einen guten Grund. «Honda will den Gegnern nicht vorzeitig mitteilen, dass es eventuell zu Standfestigkeitsproblemen kommen kann», teilte uns ein GP-Funktionär mit.

Im Vorjahr hatten Bradl und Bautista im April und Mai bei Honda je einen Motorschaden in Kauf nehmen müssen; damals hatte HRC auf jede Heimlichtuerei verzichtet und die Triebwerke unmittelbar danach aus dem Verkehr gezogen.

Der Vorteil bei so einer Vorgehensweise: Die Honda-Techniker können die Plomben entfernen, den Motor öffnen und nach der Ursache der Probleme forschen.

Diese Neugier konnte beim immer noch verplombten Márquez-Motor 2015 noch nicht befriedigt werden.

Die Vermutung einiger Gegner, Cal Crutchlow habe bei seinem Totalschaden im Rennen von Mugello ebenfalls einen Motor eingebüsst, hat sich nicht bewahrheitet. Obwohl die FactoryRC213V wirklich nur noch Schrottwert hatte, hat der Motor diese rücksichtslose Behandlung glimpflich überlebt.

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