Giovanni Cuzari (Forward): 30 Tage Untersuchungshaft

Von Günther Wiesinger
Forward-Teambesitzer Giovanni Cuzari

Forward-Teambesitzer Giovanni Cuzari

Die Zukunft von Forward Racing verdüstert sich: Der Tessiner Staatsanwalt John Noseda hat für Teambesitzer Giovanni Cuzari eine 30-tägige Untersuchungshaft beantragt.

Auch knapp eine Woche nach der Festnahme von Athinà-Forward-Teambesitzer Giovanni Cuzari (48) weiss niemand, wie es mit dem Rennstall weitergeht, der 2010 in der Moto2-WM debütierte und seit 2012 auch in der MotoGP-Klasse antritt, 2015 das zweite Jahr mit Yamaha.

Cuzari wurde am Montag nach dem GP von Deutschland wegen des Verdachts auf Bestechung, Steuerhinterziehung, Steuerbetrug und Geldwäsche festgenommen.

Der Tessiner Staatsanwalt John Noseda wirft Cuzari vor, er habe den Tessiner Libero Galli, den Chef des lokalen Finanzamts, bestochen und mit seiner Hilfe ein System ausgeheckt, um mit dem aufwändigen Rennteam und der Firma Media Action bei Sponsorship-Deals mit italienischen Firmen die italienische Mehrwertsteuer IVA zu hinterziehen.

Schon im Februar 2014 war von den Zollbeamten an der schweizerisch-italienischen Grenze ein Schwarzgeld-Transport entdeckt und aufgebracht worden. Es wurden fünf Verdächtige festgenommen; seither waren die Behörden auf Cuzaris Spur. Später sollen sogar seine Mobiltelefone abgehört worden sein.

Laut Informationen aus Italien ist 50-jährige Pier Giuseppe Corrotto, den der ehemalige Rallye-Fahrer Cuzari aus seiner Automobilsport-Vergangenheit kennen dürfte, für ähnliche Vergehen im Zusammenhang mit einem undurchsichtigen Kreislauf von Scheinrechnungen in der Rallye-Szene schon zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Am Wochenende wurde publik, dass der zuständige Richter und Staatsanwalt John Noseda über Cuzari eine 30-tägige Untersuchungshaft verhängt haben, obwohl dessen Rechtsanwalt Marco Bertoli die Vorwürfe bestreitet.

Die Firma Media Action wickelte dank ihres steuergünstigen Firmensitzes in Agno/Schweiz auch Sponsorship-Deals für andere Motorrad-GP-Teams ab. Dazu gehört auch der Fiat-Millionen-Deal mit dem Yamaha-Werksteam von 2007 bis 2010.

Falls Giovanni Cuzari tatsächlich 30 Tage in Haft bleiben muss, würde er frühestens nach dem Indianapolis-GP (9. August) wieder auf freien Fuss kommen.

Die Forward-Teammitglieder sind sprachlos und hoffen auf eine Fortführung des Rennstalls. Aber die Sponsoren sind von den jüngsten Entwicklungen überrascht, sie fühlen sich vor den Kopf gestossen. Bisher kommen von der Teamführung um Marco Curioni wenig hoffungsvolle Signale. Curioni bemüht sich um eine Fortführung des Teams und hofft auf eine Brückenfinanzierung durch die Dorna.

Colin Edwards, fast drei Jahre lang im MotoGP-Team von Forward unterwegs, erfuhr bei der Präsentation der neuen YZF-Yamaha R1M in Belgien von der Festnahme seines ehemaligen Teamchefs; er zeigte sich «schockiert».

Moto2-Pilot Simone Corsi wusste am Wochenende genau so wenig wie alle anderen der rund 40 Forward-Teammitglieder, ob und wie es weitergeht.

Bei der Aufarbeitung des Skandals stiessen die Behörden auf eine erstaunliche Episode im Lebenslaufs von Giovanni Cuzari: Der inhaftierte italienische Teambesitzer ?soll in jungen Jahren sein Geld als Mitarbeiter bei der italienischen Steuerfahndung «Guardia di Finanza» verdient haben, die im Volksmund «Fiamme Gialle» (die gelben Flammen) genannt wird.

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