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MotoGPKolumne

Marc Márquez (Honda): Die Opferrolle ist falsch

Marc Márquez hat durch seine Fahrweise die MotoGP-WM in Sepang stark beeinflusst. Er sollte sich jetzt nicht als Opfer darstellen.

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Silverstone 2015: Nakamoto mit Marc Márquez
Silverstone 2015: Nakamoto mit Marc Márquez
Foto: Gold & Goose
Silverstone 2015: Nakamoto mit Marc Márquez
© Gold & Goose

Es bestand absolut kein Anlass mehr, noch Öl ins Feuer der Auseinandersetzung zwischen Lorenzo, Rossi und Márquez zu giessen. Deshalb war das von HRC veröffentlichte Interview von Shuhei Nakamoto vom letzten Montag so unnötig wie ein Kropf.

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Wir wiederholen es gerne: Das Sepang-Manöver von Valentino Rossi ist durch nichts zu entschuldigen, er hat dafür seine Strafe bekommen. Aus, basta.

Aber wenn man sich die ersten sechs, sieben Runden von Malaysia noch einmal zu Gemüte führt, dann wird ganz offensichtlich, was Weltmeister Márquez dort im Schilde führte. Er wollte vor allem Rossi provozieren und in die Schranken weisen.

Es ist ja irgendwie verständlich, dass die HRC-Manager Nakamoto und Suppo nicht den Mumm haben, mit ihrem spanischen Ausnahmekönner Márquez einmal ein ernstes Wort zu reden.

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Er könnte ja beleidigt sein und dann in einem Jahr zu Ducati oder sonst wohin gehen.

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Also schweigen die Honda-Strategen, wenn sich Marc Márquez in eineinhalb Jahren beim privaten Training dreimal die Knochen bricht.

Und wenn Dani Pedrosa am Karfreitag 2015 nach dem Katar-GP am Unterarm operiert wird, wird nicht der logische Ersatzmann Casey Stoner zu den Rennen in Austin, Las Termas und Rennen beordert, sondern der harmlose Hiroshi Aoyama, der sich zwar den Top-Ten mit der Repsol-Honda erfolgreich fernhielt, aber dafür Marquez nicht die Show stahl.

Kein Wunder, wenn Casey Stoner jetzt mit Ducati verhandelt.

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Machen wir uns nichts vor: Márquez tat in Malaysia nichts, um den Rossi-Vorwurf der Schützenhilfe für Lorenzo zu entkräften.

Dazu ist alles gesagt worden.

Ich verstehe trotzdem nicht, wie Nakamoto acht Tage nach diesem Vorfall so seltsame Statements absondern kann.

Sie können nur einen Grund haben: Márquez soll die ewige Liebe durch HRC signalisiert werden, er bekommt einen Heiligenschein, auf dass er den Japanern sein Fahrkönnen noch lange zur Verfügung stelle.

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Márquez wird als Opfer dargestellt. Von Einsicht keine Spur, von verbaler Abrüstung schon gar nicht.

Rossi ist genug bestraft worden. Er hat durch die drei Strafpunkte wohl den Titel verspielt.

Da muss man als weltgrösster Motorradhersteller nicht noch nachtreten.

Oder steckt der Stachel von Rossis Weggang Ende 2003 noch so tief? Der Italiener gewann dann 2004 auf Anhieb für Yamaha die WM, dazu 2005, 2008 und 2009. Honda gewann nur 2006 dank Hayden, dann erst wieder 2011 mit Stoner.

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Nakamoto erzählte sogar das Märchen, man habe anhand der Daten gesehen, dass Rossi quasi den Bremshebel von Márquez betätigt habe. Welcher Sensor misst so einen Unsinn?

Bisher war nur bekannt, dass die Sensoren den Bremsdruck und die Hitze der Bremsscheiben aufzeichnen.

Vielleicht wäre es sinnvoll, Marc Márquez ein bisschen zur Besinnung zu bringen. Er ist ein begnadeter Rennfahrer, seine Fahrzeugbeherrschung sucht seinesgleichen, aber auch für ihn wachsen die Bäume nicht in den Himmel.

2011 hat Stefan Bradl in der Moto2-WM Marcs Siegesserie eingebremst, 2015 ist es dem Yamaha-Werksteam gelungen.

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Es ist ein alter Hut: Márquez macht unter Druck Fehler, er zeigt dann Nerven, er akzeptiert kaum Niederlagen, er fährt nicht so abgebrüht wie Lorenzo oder Rossi. Er akzeptiert die Grenzen des Motorrads nicht.

Das macht ihn so wertvoll für ein Werksteam wie Honda.

Aber es stellt auch eine Gratwanderung dar.

Die Liste der schweren Stürze und Verletzungen von Márquez ist eindrucksvoll.

2008: Trainingssturz beim Malaysia-GP, Knorpel am Ende des Schienbeins beschädigt.

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2010: Brünn-GP, Schulter ausgerenkt.

2011: Australien-GP, zwei Stürze im ersten freien Training, Wilairot von hinten abgeschossen, Versetzung auf den letzten Startplatz.

2011: Malaysia-GP, Sturz in der ersten Runde des freien Moto2-Trainings, danach Sehbeschwerden, Verzicht auf den Valencia-GP, Verlust des WM-Titels.

2013: Mugello, Sturz im Freitag-Training mit 338 km/h. Kinn abgeschürft, Haarriss am Oberarmkopf

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2014: Sturz beim Dirt-Track-Training im Februar, rechts Wadenbeinbruch.

2015: Beim Motocross im April linker kleiner Finger gebrochen, ein Trainingskollege fuhr ihm über die Hand.

2015: Mountainbike-Sturz im September, fünfter Mittelhandknochen links gebrochen (OP).

Zum Vergleich: Valentino Rossi hat sich in 20 GP-Jahren einmal ernsthaft verletzt. Im ersten Samstag-Training 2010 in Mugello, da erlitt er einen offenen Schien und Wadenbeinbruch.

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Marc Márquez ist 22 Jahre alt. Ihm steht eine glorreiche Karriere bevor, daran zweifelt niemand.

Aber er hat sich seine Hörner noch nicht abgestossen.

Und es ist natürlich schwer, in so jungen Jahren so viel Ruhm und Geld zu verkraften. Honda lässt dem Spanier viele freie Hand, man kann fast von Narrenfreiheit sprechen, denn er ist eine Winner-Aktie für die nächsten Jahre.

Aber zum Unschuldsengel taugt Márquez auf keinen Fall. Seine Sünden in der Moto2-WM sind legendär, von Kallio bis Lüthi und Wilairot können manche Gegner von Zusammenstössen erzählen.

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Zweimal wurde Márquez deshalb in der Moto2-WM in die letzte Reihe verfrachtet – in Australien 2011 und Valencia 2012. Er landete trotzdem auf den Rängen 3 und 1. Das sagt alles über sein Können und seinen Mut und seinen Siegeswillen.

Wir wollen auch nicht mehr über seine Zusammenstösse mit Lorenzo 2013 in Jerez und Pedrosa in Aragón lästern. Dort hat er 2013 Danis WM-Chance zerstört.

Marc Márquez sollte auch nicht Rossi für seinen Sturz in Argentinien 2015 und seine Niederlage Ende Juni Assen verantwortlich machen. Er hat dort einfach gegen einen Besseren den Kürzeren gezogen.

Das wird dem begnadeten vierfachen Weltmeister und 50-fachen GP-Sieger noch öfters passieren.

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Niederlagen sind bei manchen Menschen charakterbildend.

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