Werner Daemen: «Verstehen nicht, was Bradl leistet»

Von Ivo Schützbach
MotoGP

Stefan Bradl hat im Aprilia-Werksteam in der MotoGP-WM eine schwierige Aufgabe zu bewältigen. Trotz mangelnder Ergebnisse sind sich viele Experten einig, dass der Bayer ein Spitzenpilot ist.

Der Belgier Werner Daemen hat als Rennfahrer und Teamchef jahrzehntelange Erfahrung im Racing-Business. SPEEDWEEK.com wagte mit dem 44-Jährigen einen Blick über den Tellerrand der IDM hinaus, in welcher er das Superbike-Team Van Zon Remeha BMW mit Bastien Mackels und Mathieu Gines einsetzt.

Wie schätzt du die Leistungen von Stefan Bradl ein?

Das ist für mich nicht einfach zu sagen, ich bin nicht im Grand-Prix-Sport. Aber was ich höre und sehe, ist er ein Weltklassefahrer. Im Grand Prix ist das Motorrad noch wichtiger als in den anderen Rennserien.

Wenn ich sehe, wie Bradl letztes Jahr gegen Bautista fuhr: Bautista kannte das Motorrad sehr gut, fuhr schon das ganze Jahr damit. Bradl, der verletzt war, kam ins Team und fuhr schneller. Hut ab. So etwas kann nur ein guter Fahrer, Bradl ist sehr gut.

Wie erklärst du dir die ganzen bösen Kommentare über Bradl? Kommen die von Leuten, die selbst noch nie auf einer Rennstrecke fuhren? Einer, der wie du Rennen fuhr weiß genau, wie schnell Bradl, Reiterberger oder Neukirchner sind.

Als Ex-Rennfahrer kenne ich viele Details. Für mich sind das Rundenzeiten. Wenn Bradl 0,346 Sekunden langsamer ist als Márquez, dann weiß ich, dass er unglaublich gut gefahren ist. Andere schauen nur auf die Platzierung. Wenn er dann 15. ist meinen sie, das wäre nichts. Sie verstehen nicht, dass vier Werks-Ducati in der Startaufstellung stehen, vier Werks-Yamaha und vier Werks-Honda.

Mich interessiert aber auch nicht, was geschrieben wird. Schmerzen bereitet es mir nur, wenn ich solche Kommentare von Leuten lese, die sich gut auskennen. Wenn morgen Bradl oder Neukirchner schreiben, dass Reiterberger nichts kann, dann tut mir das weh.

Ich weiß, was Bradl leistet, da muss man stolz drauf sein. Es ist unglaublich, was der Kerl macht und schafft. Viele Leute in Deutschland sind aber verwöhnt. Belgier sind es nicht gewöhnt zu gewinnen, Deutsche schon. Im Fußball, überall sind sie die Besten. Wenn dann einer 15. in der WM wird fragen sie, was das denn ist.

Hast du als ehemaliger Rennfahrer ein gutes Auge dafür, wer ein großes Talent und wer herausragend ist?

Ja. Es war schon früher so, dass die besten Talente nicht immer gewonnen haben, weil sie oft nicht das beste Material hatten.

Kevin Curtain war ein unglaubliches Talent, ich habe in der Supersport-WM zuvor kein solches Talent gesehen. Er müsste eigentlich fünfmal Weltmeister sein. Aber er hat erst spät angefangen und gerne einen getrunken. Er saß damals auf das Motorrad von Teuchert und Kellner, welches das ganze Jahr nicht ging, und fuhr vorne.

Nach einem Rennen in Australien gingen alle Fahrer zu ihm hin und haben ihm gratuliert, was er mit seinem langsamen Motorrad geleistet hat. Wie er das damals geschafft hat, so etwas habe ich noch nie gesehen.

2011 war ich Teammanager und Fahrer und bin noch selbst gegen Markus Reiterberger gefahren. Damals war Reiti 17 Jahre alt, ich dachte mir, dass er mir unmöglich folgen kann. Er saß mir aber immer im Genick, er konnte das und hat keine Angst.

Worin siehst du die Ursachen, dass es kaum gute deutsche Nachwuchsrennfahrer gibt? Ist daran ausschließlich die fehlende Unterstützung durch den ADAC, den DMSB und die Sponsoren schuld?

Es wäre zu einfach zu sagen, dass es an Sponsoren mangelt. In Belgien beispielsweise fängt jedes Kind im Motorradrennsport im Motocross an. Dadurch gibt es eine sehr große Auswahl an Fahrern. Obwohl Belgien ein ganz kleines Land ist, fahren wir in der Motocross-Weltmeisterschaft an der Spitze.

In der IDM ist es so, dass die Teams unbedingt gewinnen wollen. Was machen sie? Sie verpflichten ältere Fahrer wie Teuchert und Muggeridge. Mittlerweile gehen einige Teams wieder das Risiko ein und nehmen einen jungen Kerl dazu.

Es gibt Lukas Trautmann, Marco Nekvasil und andere junge Fahrer, die schnell sind. Im Yamaha-Cup gibt es gute Talente. Aber es ist nicht einfach für uns Teams, wir haben Druck von den Importeuren, wir müssen gewinnen.

Am Superstock-1000-Cup gibt es wenig Interesse in Deutschland.

Für Markus Reiterberger bist du nur noch Manager in der Superbike- Weltmeisterschaft?

Das wird meine Hauptaufgabe sein. Ich werde ihm aber auch noch bei technischen Sachen helfen, ich weiß, wie sein Kopf tickt. Wenn er in der Teamsitzung anfängt böse auf bayerisch zu reden, dann kann ich das übersetzen und dem Datenmann in normalem Ton auf Englisch sagen. Ich weiß, was er meint (lacht).

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