Lucio Cecchinello (LCR): «Michelin hat gut reagiert»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cecchinello könnte sich einen zu geringen Reifendruck als Ursache beim Reifenplatzer von Loris Baz vorstellen. Er hat aber auch eine andere Vermutung.

Lucio Cecchinello hat sein LCR-Honda-MotoGP-Team nach einem Jahr wieder von zwei auf einen Fahrer verkleinert, weil Sponsor CWM den finanziellen Verpflichtungen nicht nachkam. Also wird jetzt wie seit 2006 wieder mit One-Event-Sponsoren gefahren – von Givi über Castrol zu Rizoma.

Und vom Fahrerduo Cal Crutchtlow/Jack Miller ist nur der Brite übrig geblieben. Er fährt eine Werks-Honda RC213V des Jahrgangs 2016 – wie auch Márquez, Pedrosa, Rabat und Miller.

Teamchef Cecchinello stieg 2006 mit Rookie Casey Stoner mit Honda und Michelin-Reifen in die MotoGP-WM ein, er ist ein verlässlicher Partner von Honda geworden.

Und sein Team ist für HRC auch ein regelmässiger Kandidat für Podestplätze; er hat das mit Stoner geschafft, später mit Randy de Puniet, 2013 mit Stefan Bradl und 2015 mit Cal Crutchlow.

Über den Reifenplatzer an der Avintia-Ducati von Loris Baz am Dienstag in Sepang zeigte sich Cecchinello verwundert. «Denn wir sind bei Cal mit diesem weichen A-Compound 30 Runden ohne Probleme gefahren. Ich wiederhole: dreissig Runden. Auch alle anderen Fahrer sind bis zu diesem Vorfall mit Baz mit den weichen Hinterreifen gefahren und hatten keine Probleme», erklärte Cecchinello gegenüber SPEEDWEK.com. «Ausserdem wirft ein Reifen oft Blasen, bevor er dann explodiert und sich in seine Bestandteile auflöst. Aber bei Baz waren vorher keine Blasen zu sehen, anscheinend gab es auch die üblichen Vibrationen nicht, die so einen Schaden ankündigen. Oft lösen sich vor einem Platzer auch Teile der Gummibeschichtung von der Karkasse. Es gab wie bei Baz auch bei keinem anderen Fahrer irgendeine Art von Blasenbildung. Deshalb ist das ganz seltsam, was am Dienstag bei Baz passiert ist. Ich muss dazu fügen, dass der Reifendruck eine Rolle gespielt haben kann. Vielleicht lag er etwas unter dem vorgeschriebenen Limit von 1,5 bar, das die Michelin-Ingenieure vorschreiben. Alle im Paddock hören seit einiger Zeit Gerüchte, dass Ducati beim Reifendruck schwindelt. Ich will mich nicht näher auf diese Diskussion einlassen. Man muss auch berücksichtigen, dass Loris Baz zu den schwereren Piloten im Feld gehört, denn er ist 193 Zentimeter gross.»

«Trotzdem sollte sich Michelin auch die Datenaufzeichnungen bei Avintia genau anschauen», schlägt Cecchinello vor. «Denn jeder Reifen kann explodieren, wenn die Traction-Control nicht vernünftig eingestellt ist und der Hinterreifen zu viel Wheelspin hat, also überhitzt. Es gibt auch Fahrer, die die Traction Control nicht stark genug einstellen und den Hinterreifen erbarmungslos durchdrehen lassen. Bei solchen Voraussetzungen kann es den besten Hinterreifen der Welt zerreissen.»

Cecchinello lobte die Vorgangsweise von Michelin, die den weichen A-Compound für die letzten eineinhalb Tage in Sepang aus der Allocation zurückzogen, allerdings auch auf Druck von Race Director Mike Webb. «Es ist sinnvoll, abzuwarten und eine vertiefte Analyse zu machen, bevor dieser Reifen wieder an die Teams verteilt wird», meint Cecchinello. «Vielleicht muss ein hitzebeständigerer Hinterreifen gebaut werden, um solch extreme Situationen in Zukunft zu vermeiden. Ich will daran erinnern, dass in der Vergangenheit auch Hinterreifen von Bridgestone explodiert sind. Und schaut euch an, wie viele Reifen in der Formel 1 jedes Jahr explodieren. Leider lassen sich solche Vorkommnisse nicht ganz vermeiden. Gleichzeitig bilden solche Vorfälle eine Daseinsberechtigung für den Rennsport. Der Motorsport ist nicht zuletzt deshalb vorhanden, weil er eine Plattform bildet, auf deren Basis bessere und stärkere Produkte entwickelt werden. Obwohl absolut niemand solche Reifenplatzer sehen will. Deshalb unterstütze ich die Massnahme von Michelin. Sie haben diesen Reifen aus dem Verkehr gezogen und überlegen jetzt, wie sie einen widerstandfähigeren Hinterreifen erzeugen können, der uns einen grösseren Sicherheitsspielraum vermittelt.»

Bridgestone brachte für den aggressiven neuen Asphalt in Phillip Island 2013 keinen Hinterreifen zustande, der dort mehr als zehn Runden durchhielt. Deshalb wurde den Piloten damals vorgeschrieben, im Rennen spätestens nach zehn Runden zum Motorrad (und somit Reifenwechsel) an die Box zu kommen.

Danach konstruierte Bridgestone einen Hinterreifen mit höherer «heat resistence», der allerdings wenig Seitenhaftung hatte. Die Japaner waren bei der Sicherheit einen Schritt zu weit gegangen und lieferten für den Le-Mans-GP 2014 eine neue Variante mit mehr Grip.

Deshalb ist es durchaus möglich, dass Michelin den weichen Hinterreifen auch beim Australien-Test (19. bis 22. Februar) nicht an die Teams herausrückt.

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