Superbike-WM: Was Toprak über Stoppies sagt

Stolz, glücklich und immer zu einem Tritt bereit

Kolumne von Michael Scott
Welche Folgen hatte der Sepang-Clash für die MotoGP-WM?

Welche Folgen hatte der Sepang-Clash für die MotoGP-WM?

Welche Folgen hatte der Sepang-Clash für die MotoGP-WM? Die neuste Entwicklung ist ein Maulkorb für die Fahrer und Teams. Werden bald alle unbequemen Meinungen aus dem Paddock verbannt?

Ich bin stolz und glücklich, diese Kolumne über unseren großartigen Sport zu schreiben. Ein Sport, in dem alle Beteiligten nach dem Credo von Professor Pangloss leben sollten: «Alles zielt auf das Beste ab, in der besten aller Welten.»

Professor Pangloss, (ich bin stolz und glücklich euch daran zu erinnern), ist die Hauptfigur in Voltaires Werk «Candide oder der Optimismus» aus dem Jahr 1759.

Die neuste Anordnung der GP-Kommission ist jedoch nicht fiktional. Sie verpasst jedem und allem einen Maulkorb, was im entferntesten kritisch gegenüber dem Rennsport sein könnte. Auf diese Weise betrachtet, weckt sie noch mehr unheimliche literarische Bezugspunkte: Goerge Orwells «1984», der «Große Bruder» und die allmächtige Gedankenpolizei. Darin werden diejenigen, die Gedankenverbrechen begehen, in das Zimmer 101 geschickt. Dort werden sie mit der «schlimmsten Sache der Welt» konfrontiert. Diese ist vielleicht für jeden Menschen idividuell. Ich vermute, das Equivalent zum Zimmer 101 ist für MotoGP-Fahrer wahrscheinlich die Superbike-WM.

Die genannte Anordnung kam mit dem letzten Kugelhagel von Veränderungen, die von der Kommission beschlossen wurden. Der bedeutendste Punkt ist das neue System der Race Stewards, welche die Race Direction von der Bürde befreien, die Fahrer zu bestrafen, welche die Regeln verletzten. Diese Veränderung ist eine Folge des Rossi-Márquez-«Tritts» in Sepang und der kontrovers diskutierten Bestrafung, die Rossi möglicherweise den Titel kostete. Das neue System folgt jenem der Formel 1.

Die Gedankenpolizei ist eine weitere Angelegenheit, die durch denselben Vorfall heraufbeschworen wurde, da einige Pressemitteilungen von Honda, die Rossi eines Fußtritts beschuldigten, noch mehr Öl ins Feuer gossen. Diese Unruhen setzten sich einige Zeit fort, was von diversen hochgeistigen und missbilligenden Briefen wie dem von FIM-Präsident Ippolito unterstützt wurde.

All das war, wie jemand entschieden hatte, «schädlich für den Sport». Das ist natürlich Quatsch. Die ganze Affäre generierte weltweit Schlagzeilen und war ein beliebtes Thema in Kneipen rund um die Welt. Darunter befanden sich auch Menschen, die sich zuvor nie um die MotoGP-WM gekümmert hatten. Persönliche Rivalitäten sind nicht schädlich für den Sport, sondern ziemlich das Gegenteil. Sie sind sein Lebenssaft. Je heftiger desto besser.

Das Vortäuschen von Rivalität ist hingegen der todlangweilige und verdummende Instinkt eines Feiglings. Wie es so oft der Fall ist, das gilt auch bei einem Mobber, wenn solche neuen Klauseln in die Regeln eingebracht werden.

Hier der Wortlaut des Statements der GP-Kommission: «Teams und Fahrer sollen keine Aussagen tätigen oder Pressemitteilungen veröffentlichen, die als unverantwortlich gelten können und dadurch der Weltmeisterschaft Schaden zufügen.»

«Als unverantwortlich gelten.» Wer entscheidet das? Wer ist der «Große Bruder»? Und die Bestrafung? (Ich mache übrigens nur einen Scherz, was die Superbike-WM betrifft.)

Es ist natürlich nur der erste Schritt. Erst den Teams einen Maulkorb verpassen, dann den Journalisten. Wie lange dauert es noch, bis ein Satz oder eine Meinung als «unverantwortlich» gilt? Wird der Autor dann aus dem Paddock verbannt?

Ich versuche es zu vermeiden, Pressemitteilungen zu lesen, denn sie sind oft fade und enthalten kraftlose Beschreibungen banaler Offensichtlichkeiten und strotzen vor falscher Gutmütigkeit, die nicht einmal ein Möchtegern-WM-Pilot ernst meinen könnte.

Doch ich überflog einige, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurden. Eine handelte von Giovanni Cuzari, dem Teamchef von Forward Racing. Er präsentierte sein Moto2-Team mit den Fahrern Baldassarri und Marini. Er eröffnete die Präsentation mit den geheiligten Worten: «Ich bin stolz und glücklich…» Er fuhr fort, dass sein Team «jung und voller Werte ist, an die ich sehr fest glaube.» Könnte man das auch anders verstehen? Cuzari, ihr werdet euch erinnern, saß im letzten Jahr wegen dem Verdacht auf Steuerhinterziehung und Korruption in Untersuchungshaft. Noch immer steht er unter Verdacht.

Als ich durch das weitere belanglose Gefasel watete u nd zu vergessen versuchte, dass auch das Dorna Management, Carmelo Ezpeleta eingeschlossen, ebenfalls gerade der Steuerhinterziehung für schuldig befunden wurden, stolperte ich über eine Pressemitteilung von Estrella Galicia. Es war eine Zusammenstellung der Teams, die unter dem Schirm der Spanischen Brauerei stehen. Sie setzen zwei Fahrer in jeder der drei Klassen ein, also sechs insgesamt.

Alle sechs Fahrer kamen zu Wort. Und was sagten sie? Drei der Statements begannen mit denselben Worten: «Ich bin sehr glücklich….» In einem weiteren Statement folge diese Aussage erst im zweiten Satz. Die anderen beiden fanden andere Wege dasselbe zu sagen. Moto3-Pilot Jorge Navarro sprach von «Ruhe und Fröhlichkeit».

Ihr werdet erleichtert sein zu hören, dass sie alle ihr Bestes geben wollen, um die bestmöglichen Resultate zu erreichen. Professor Pangloss würde das gutheißen. Selbst wenn sich Fahrer gegenseitig treten, solange es mit Stolz und Freude gemacht wird, kann niemand dagegen sein.

Darum bin ich stolz und glücklich diese Kolumne zu schreiben. Und ich hoffe aufrichtig, dass ihr genauso stolz und glücklich seid, sie zu lesen.

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