Jonas Folger und MotoGP: Was für 2018 spricht

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Jonas Folger: Er könnte 2017 bei Dynavolt Intact GP bleiben oder in die MotoGP-Klasse aufsteigen

Jonas Folger: Er könnte 2017 bei Dynavolt Intact GP bleiben oder in die MotoGP-Klasse aufsteigen

Jonas Folger winkt für 2017 eine MotoGP-Chance. Wäre es nicht besser, zuerst um den Moto2-Titel zu fighten und erst 2018 mit Intact in die MotoGP-WM zu wechseln?

Zuletzt gab es 1994 zwei deutsche Stammfahrer in der Königsklasse, das waren damals Andreas Leuthe und Lothar Neukirchner; der Sachse wurde allerdings in Assen wieder ausgebootet.

Dürfen wir uns in der Saison 2017 erstmals nach 23 Jahren wieder über zwei deutsche Teilnehmer in der MotoGP-WM freuen?
Das ist eine durchaus realistische Vorstellung. Denn Aprilia Racing hat eine Option auf Stefan Bradl, dazu steht Jonas Folger bei Tech3-Yamaha und Red Bull KTM auf der Wunschliste – neben etlichen anderen Kandidaten.

«Da Zarco offenbar bei Suzuki einen Vertrag hat und Sam Lowes fix bei Aprilia vorgesehen ist, bleiben von den Moto2-Talenten für 2017 in erster Linie Alex Rins und Jonas Folger übrig, wenn wir einem Rookie eine Chance geben wollen», erklärte Tech3-Yamaha-Teambesitzer Hervé Poncharal bereits vor einigen Wochen im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Ich vertrete üblicherweise die Auffassung, jeder Moto2-Pilot sollte eine MotoGP-Chance ergreifen, wenn sie sich ergibt und er mit konkurrenzfähigem Material rechnen kann.

Das wäre bei Tech3-Yamaha für Folger gegeben, die RC16 von Neueinsteiger KTM hingegen wäre für den 22-jährigen Bayern ein unbeschriebenes Blatt.

Deshalb hat sich Sam Lowes zum Beispiel im Sommer 2015 recht rasch überreden lassen, bei Aprilia mit dem MotoGP-Einstieg noch zu warten.

Und Moto2-Weltmeister Johann Zarco wollte sich nicht bei Pramac-Ducati oder Aspar-Ducati mit zweitklassigem Material abmühen. Er zog es vor, seinen Moto2-WM-Titel zu verteidigen.

Jonas Folger hat einen Management-Vertrag mit der britischen Wassermann Group unterschrieben, die zum Beispiel auch Crutchlow, Smith und Binder betreut und den Moto2-WM-Fünften unbedingt in die Königsklasse transferieren will.

Höhere Gage, höhere Einkünfte fürs Management. Klar.
Aber Jonas Folger sollte sein Schicksal nicht einfach in die Hände seiner Manager legen. Er muss jetzt sehr sorgfältig abwägen, welche Lösung für ihn am zielführendsten ist.

Bei KTM müsste ein Vertrag über zwei oder drei Jahre ausgehandelt werden. Tech3-Yamaha wäre hingegen vom Material her ein wünschenswerter Einstieg. Pol Espargaró ist dort als Moto2-Weltmeister im ersten MotoGP-Jahr 2014 gleich WM-Sechster geworden.

Aber: Damals fuhren noch ein paar Claiming-Rule-Gefährte rum und dazu einige Open-Class-Vehikel von Honda mit der nicht gerade hinreissenden Einheits-ECU von Magneti Marelli.

Heute haben alle Teams und Fahrer die gleiche Elektronik, es gibt keine lahmen CRT-Bikes und Open-Maschinen mehr.

Und Jonas Folger muss noch etwas bedenken. Der Aufstieg in die MotoGP-WM macht nur Sinn, wenn man vorher in der Moto2-WM richtig dominiert, sie gewonnen oder zumindest konstant Podestplätze erzielt hat.

Scott Redding war Moto2-Vizeweltmeister und hat der MotoGP seinen Stempel noch nicht aufgedrückt. Tito Rabat war Weltmeister und WM-Dritter in der Moto2, seine Debütsaison in der Königsklasse fiel bisher ernüchternd aus. Auf einer Werks-Honda, wohlgemerkt.

Jonas Folger ist ein Ausnahmekönner, aber er hat in seiner Karriere auch schon ein paar gute Chancen ungenützt verstreichen lassen.
Bei Tech3-Yamaha würde er 2017 wohl an Pol Espargaró gemessen, der dann seine vierte MotoGP-Saison in diesem Team absolvieren würde.

Mich persönlich würde ein ganz anderes Szenario reizen. Jonas Folger blüht momentan im familiären Umfeld deutschen Dynavolt Intact GP-Teams richtiggehend auf. Zum ersten Mal seit 2007 (damals mit Adi Stadler und Sepp Schlögl) bei Honda in der Red Bull MotoGP Academy fährt er in einem deutschen Team.

Die Teamteilhaber Stefan Keckeisen (Intact Batterien), Wolfgang Kuhn (Kuhn Bau AG) und Technikdirektor Jürgen Lingg haben einen Zwei-Jahres-Vertrag mit Folger. Bei einem MotoGP-Angebot kann er aussteigen.

Keckeisen, Kuhn und Lingg liebäugeln mit dem Aufstieg in die MotoGP-WM. Für 2017 wollten sie keine Bewerbung für den 24. Platz abgeben.

Für 2018 bleibt ausreichend Zeit. Vielleicht ist es nur eine Träumerei. Aber 2018 wird die KTM RC16 sicher schlagkräftiger sein als im ersten Jahr. Keckeisen und Co. können bis dahin ein MotoGP-Budget in der Höhe von rund 6 Millionen Euro zusammenkratzen.

Rund 2,8 Millionen davon bezahlen Dorna und IRTA pro Fahrer und Saison. Rund 2,2 Millionen gibt das Intact-Team 2016 für die Moto2-Fahrer Folger und Cortese aus. Wir reden also von 1 Million, die zusätzlich aufgetrieben werden müsste in eineinhalb Jahren.

Werke wie KTM, Suzuki oder Aprilia würden dem deutschen Team bei den Leasingkosten (bei 2,2 Mio gedeckelt) vielleicht entgegenkommen.

Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta liess kürzlich durchblicken, er wünsche sich ein deutsches MotoGP-Team mit Stabilität für drei oder vier Jahre.

Jonas Folger, Dynavolt, Liqui Moly, Intact, Kuhn Bau AG – da sind alle nötigen Bausteine vorhanden.

2016 werden voraussichtlich Lowes und Rins den Moto2-WM-Titel unter sich ausmachen.

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn Jonas Folger mit der Königsklasse noch ein Jahr warten würde.

Lowes, Zarco und Rabat zeigen, dass man auch mit 24 oder 25 Jahren noch seine MotoGP-Chance bekommt – bei entsprechenden Moto2-Erfolgen.

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