Ralph Bohnhorst: Wie er 1991 in die Trickkiste griff

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Ralph Bohnhorst letzten Sonntag beim Mugello-GP

Ralph Bohnhorst letzten Sonntag beim Mugello-GP

Drei deutsche Sieger wie beim Hockenheim-GP 1991, das gab es vorher und nachher kein zweites Mal. Gespann-Sieger Ralph Bohnhorst trickste den Franzosen Alain Michel im Finish aus.

Ralph Bohnhorst, heute als deutscher FIM-Steward bei eine grossen Anzahl von Grand Prix zur Verstärkung der Race Direction anwesend, gewann vor heute genau 25 Jahren beim GP von Deutschland in Hockenheim seinen ersten und einzigen Seitenwagen-WM-Lauf – auf einer LCR-ADM (mit Yamaha-Zündung) und mit Beifahrer Bruno Hiller.

«Bohni» Bohnhorst gewann fünf deutsche Gespann-Meistertitel und 1989 zudem die Seitenwagen-Europameisterschaft.
Aber der Hockenheimring-GP 1991 bleibt für immer und ewig als Höhepunkt seiner Karriere in der Erinnerung festgemeisselt.
«Wir waren damals im Training Dritte hinter Steve Webber und Alain Michel», blickt Bohnhorst zurück. «Ich kann mich an viele Details sehr genau erinnern. Ich bin vom dritten Startplatz wegen Vergaserproblemen schlecht weggekommen. Ich bin auf den siebten oder achten Platz zurückgefallen, habe mich aber gleich in der ersten Runde auf den dritten Rang vorgekämpft. Es gab in diesem Rennen insgesamt 16 Führungswechsel. Das war knallhart.»
Im Finish musste Bohnhorst tief in die Trickkiste greifen, um die Erwartungen der begeisterten 120.000 Zuschauer zu erfüllen – und für den dritten deutschen Sieg nach Waldmann und Bradl an diesem Feiertag zu sorgen.
«Das ist eine witzige Story. Der Franzose Alain Michel hat mich drei Runden vor Schluss vorbei gelassen. Er hat gedacht: Der Tollpatsch weiss nicht, dass man in Hockenheim erst in der letzten Runde alles klar macht. Er hat mich also vorne wegfahren lassen und den Angriff für die letzte Schikane in der letzten Runde geplant. Mit war aber klar, dass er dort angreifen würde. Ich habe statt in der Schikane Gas zu geben mitten in der Schikane plötzlich leicht Gas weggenommen, er musste kurz den Anker werfen und bremsen – und ich hatte genug Vorsprung fürs Motodrom!»
Blieb Ralph Bohnhorst damals überhaupt etwas anderes übrig, als nach den ersten zwei Tagessiegen von Waldi und Bradl auch noch den Gespann-WM-Lauf zu gewinnen? Er lacht. «Ganz klar... Mit war bewusst, ich muss jetzt auch seine Sonderleistung zeigen. Die ersten zwei Siege waren eine super Motivation. Vor allem sind die Zuschauer alle dageblieben, die Bude war noch gerammelt voll. Es herrschte eine Mag-Stimmung, die Atmosphäre war sensationell. Ich bin eigentlich nie wieder vor so einer Kulisse mit 120.000 Zuschauern gefahren. Damals war das Motodrom bis zum letzten Platz besetzt, auch hinten im Wald war alles zu mit Fans. Es war total voll. Nachher hat Bernie Ecclestone den deutschen Grand Prix übernommen, danach ging es mit den Zuschauerzahlen bergab. 1991 war das Highlight.»

Der GP-Triumph in Hockenheim hinterliess allerdings Spuren.

«Alain Michel hat nach meinem Trick in der Schikane nie mehr ein Wort mit mir gesprochen», erzählte Bohnhorst.

1991 gewannen die deutschen Asse drei Grand Prix an einem Tag.

Für solche Erfolge wird heute ein Zeitraum von drei Jahren benötigt – Sandro Cortese siegte 2012 in Australien, Jonas Folger 2015 in Doha und Jerez. Das waren die letzten drei deutschen GP-Erfolge.

«Ja, drei deutsche Sieger an einem Tag, das hat es vorher und nachher nie gegeben», weiss FIM-Funktionär Bohnhorst, der die WM 1991 als Gesamtfünfter abschloss. «Die Stimmung auf dem Siegerpodest war granatenmässig. Es ist bei diesem Grand Prix für uns sehr gut gelaufen. Unser Motorrad war auch sauschnell.»

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