Tech3 leidet: Wie werden Kundenteams attraktiver?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
LCR-Honda, Marc VDS Honda, Pramac-Ducati, Tech3-Yamaha – all diese renommierten MotoGP-Teams können keine Topfahrer mehr anlocken. Wie kann sich das ändern?

Tech3-Yamaha-Teambesitzer Hervé Poncharal verliert die Fahrer Bradley Smith und Pol Espargaró an Red Bull KTM und beschäftigt sich jetzt mit der Frage: Was können die Privatteams in der MotoGP-WM machen, um attraktiver für Topfahrer zu werden?

«Das ist eine schwierige Frage, ein kompliziertes Thema», weiss er. «Wie können wir unsere Anziehungskraft stärken? Bisher haben wir uns als Satellitenteams oft auf den technischen Aspekt konzentriert. Wir wollten die besten Bremsen, die beste Suspension, die neueste Elektronik. Aber am Schluss machen die Jungs im Sattel den grössten Unterschied. Das wissen wir genau, das ist uns bewusst. Deshalb bekommen die besten vier Fahrer die Gagen, die sie bekommen. Die Fahrer sind der Schlüssel zum Erfolg. Und wenn wir diese Jungs nicht anlocken können, sieht unsere Zukunft düster aus.»

«Ich habe alles unternommen, um Pol behalten zu können. Gleichzeitig habe ich Jonas Folger statt Bradley engagiert. Jetzt sieht es so aus, als müsste ich 2017 mit zwei Rookies fahren.»

Dann könnte Tech3 ein Schicksal wie Marc VDS 2016 mit Miller und Rabat drohen...

«Ich habe viel Respekt vor dem, was Teammanager Michael Bartholemy mit der Unterstützung von Marc van der Straten bewerkstelligt hat», sagt Poncharal. «VDS ist ein Sponsor, aber er ist mit viel Leidenschaft dabei, er liebt, was er tut und treibt. Aber normal will ein Sponsor ein 'return of investment' sehen. Unser Hauptsponsor kam zum Barcelona-GP. Und ich bin überzeugt, dass er nicht happy ist mit dem, was wir ihm jetzt als Ergebnis für sein Investment für 2017 anbieten können.»

Tech3: Team mit zwei Fahrern kostet 8 bis 9 Millionen Euro

Was kostet ein Zwei-Fahrer-Team? Das Material pro Fahrer ist 2017 auf 2,2 Millionen Euro gedeckelt, das ergibt also 4,4 Millionen, dazu kommen die Fahrergagen.

«Wir bezahlen unseren Piloten zwischen 400.000 und 800.000 Euro. Dazu kommen die Gehälter für die Mannschaft, für die Mechaniker, die Kosten für die Infrastruktur. Für mich kostet das Zwei-Mann-Team in der MotoGP zwischen 8 und 9 Millionen Euro», schildert Poncharal. «Wir können also keine Topgagen bezahlen, wie sie die Siegfahrer erwarten.»

Trotz seines aktuellen Unmuts und seiner Unzufriedenheit will Poncharal von Yamaha nicht abrücken. «Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis mit Yamaha. Yamaha ist happy mit uns, aber sie haben das Ziel, die MotoGP-WM zu gewinnen, deshalb fahren jetzt Lorenzo und Rossi im Werksteam. Für die Zukunft haben sie sich für Maverick Viñales entschieden. Unser Verhältnis wird dadurch nicht beeinflusst. Je besser wir bei Tech3 abschneiden, desto glücklicher ist Yamaha. Wir geniessen Werksunterstützung und sind dankbar dafür. Wenn wir gemeinsame Strategien entwickeln können, freut mich das. Aber Yamaha hat mit dem Werksteam eine Mission, wir haben eine andere.»

Für die MotoGP-WM ist es attraktiv, dass 2017 sechs Werks mitwirken, aber für die Kundenteams wird dadurch die Verpflichtung von Topfahrern wesentlich schwieriger.

Die Zeiten, als man einen MotoGP-Sige wie Dovi bekam, gehören der Vergangenheit an. Gut für Jonas Folger, der als Moto2-WM-Sechster eine Chance in der Königsklasse bekommt.

Poncharal: «Daran lässt sich nichts ändern. Wir haben jetzt die Einheits-ECU, das hat einige Werke überzeugt, hier einzusteigen. Für Suzuki und Ducati war diese ECU sicher hilfreich. Für KTM auf jeden Fall auch. Wie Aprilia darüber denkt, das kann ich nicht beurteilen. Ich glaube, es war die richtige Entscheidung, diese Einheits-Elektronik vorzuschreiben. Als wir nur zwei starke Werke hatten, waren viele Motorräder nicht konkurrenzfähig. Und wenn damals ein Werk ausgestiegen wäre, wären wir in echte Troubles geraten.»

«Jetzt haben wir als Tech3-Team mindestens acht Fahrer von vier Werksteams vor uns», lautet das Resümee von Poncharal. «Wenn die sechs Werke alle konkurrenzfähig sind, werden wir im besten Fall um Platz 13 streiten. So wird es irgendwann aussehen. Wir können niemandem die Schuld an dieser Situation geben. Die Motorräder liegen in punkto Konkurrenzfähigkeit dicht beisammen. Dorna, IRTA und FIM haben also mit der Einheits-ECU die richtige Richtung eingeschlagen. Unser Bike ist näher an der Spitze dran als mit den alten Vorschriften. Insgesamt ist die WM aufregender geworden, denn Ducati kann wieder gewinnen, Suzuki ist dicht dran. Sie kommen für Podestplätze in Betracht. Und Aprilia und KTM als neue Werke werden auch bald konkurrenzfähig sein. Die Meisterschaft ist also interessant für de Medien und für die Fans. Aber die Medienaufmerksamkeit für die Privatteams wird immer geringer. Was können wir also unseren Partnern und Sponsoren künftigen zeigen und anbieten? Nichts.»

«Rins und Zarco sind die Besten, die wir für 2017 bekommen können. Wir reden mit beiden», versichert Poncharal. «Ob ein Superbike-WM-Fahrer in Frage kommt? Ich sage nicht, dort gibt es keinen schnellen Fahrer. Aber in der Vergangenheit haben wir mit Superbike-Piloten keine glänzenden Erfahrungen gemacht. Es wäre ein Gamble. Die besten vier Superbike-Fahrer passen vom Profil her nicht ideal zu uns In der Superbike-WM . Dann kommt die Frage: Haben sie überhaupt Interesse? Oder bleiben sie lieber in einem Superbike-Werksteam? In der Superbike-WM können diese Piloten gewinnen oder jederzeit aufs Podest fahren, das braucht jeder ehrgeizige Fahrer. Nicky Hayden ist in der SBK viel glücklicher, weil er dort eine Siegchance hat. Ich sehe dort keinen Fahrer, der zu uns passen würde. Das ist mein Gefühl.»

«Wie gesagt, wir sind momentan eher ein C-Team als ein B-Team. Das können wir niemandem vorwerfen, es ist einfach Tatsache», sagt Poncharal.

Jedenfalls wird es in Assen ein Meeting mit Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta und allen Managern der MotoGP-Kundenteams wie LCR, Pramac, Tech3, Avintia und Aspar geben, um Massnahmen zu diskutieren. «Eine Lösung wäre, für die Kundenteams eine eigene Meisterschaft auszuschreiben», sagt Poncharal. «Es wird keine einfache Lösung für dieses Problem geben. Wir haben jetzt Einheitsreifen und eine Einheits-ECU. Das ist alles nützlich für die Kundenteams. Die WM ist einfach zu verstehen für die Fans, für die Sponsoren, für alle Beteiligten. Wir werden unsere Standpunkte austauschen und überlegen, was wir tun können. Es werden alle Ideen auf den Tisch gelegt.»

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