Kawasaki: Mit sanftem Zwang in die MotoGP-WM?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Misano vor einer Woche: Kawasaki-Star Johnny Rea vor seinem Teamkollegen Tom Sykes

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Die Mitglieder der Hersteller-Vereinigung MSMA sind verärgert über den Alleingang von Kawasaki in der Superbike-WM, wo die Grünen das finanzielle Gefüge durcheinanderbringen.

Die Dorna ist seit Herbst 2012 auch Vermarkter der Superbike-WM, die Vermarktung der Motorrad-GP-Weltmeisterschaft hat sie bereits im Herbst 1991 übernommen.

Nach der weltweiten Finanzkrise ist Kawasaki im Februar 2009 aus der MotoGP-WM ausgestiegen und dann noch ein Jahr unter der Bezeichnung Hayate mit Marco Melandri mitgefahren. Suzuki stieg Ende 2011 vor der 1000-ccm-Ära aus und kehrte 2015 mit einem Reihenvierzylinder statt des 800-ccm-V4-Triebwerks zurück.

Deshalb musste sich die Dorna 2012 und 2013 mit nur drei MotoGP-Werken zufrieden geben: Honda, Yamaha und Ducati.

Ducati bekam für 2014 und 2015 sogar alle Open-Class-Privilegien, um zu verhindern, dass sich auch noch das letzte europäische Werk zurückzog.

Aprilia war nach den zwei MotoGP-Jahren 2002 und 2003 mit der unglückseligen 990-ccm-Dreizylinder Cube wieder ausgestiegen, KTM mitten in der Saison 2005.

Aprilia Racing kehrt 2015 zurück, KTM kommt 2017, dann sind wieder sechs Werke in der MotoGP-WM beteiligt: Honda, Yamaha, Suzuki, Ducati, Aprilia und KTM.

Nur Kawasaki fehlt.

Diese Tatsache liegt einigen Herstellern schwer auf dem Magen. denn Kawasaki konzentriert sich ganz auf die Superbike-WM und dominiert dort nach Belieben. 2013 gewann Kawasaki die Superbike-WM durch Tom Sykes, 2015 holte Weltmeister Johnny Rea 132 Punkte mehr als Chaz Davies (Ducati), jetzt führt das Kawasaki-Duo Rea und Sykes die WM mit 343 und 277 Punkten an, Davies ist WM-Dritter mit 244 Punkten nach 16 von 26 Rennen.

Kawasaki Heavy Industries (KHI) investiert sagenhafte Budgets in die Superbike-WM, ähnlich wie es BMW mit dem Alpha Racing Team fünf Jahre lang gehandhabt hat.

Das «Team Green» macht jedoch keine Anstalten, in die MotoGP-WM zurückzukehren und sich den Gegnern in der «premier class» zu stellen.

Das ärgert nicht nur Promoter Dorna, sondern auch die gegnerischen Top-Teams in der Superbike-WM, die als Rennserie von den Herstellern und der Dorna klar als zweite Division deklariert und betrachtet wird, mit vergleichsweise bescheidenen Budgets und seriennahen Motorrädern. Vielleicht ärgert es auch so manchen Kawasaki-Fan, der sich ein MotoGP-Rennen zu Gemüte führt.

Honda und Yamaha setzen kein Superbike-Werksteam ein, diese Serie wird den europäischen Niederlassungen überlassen. Honda hat sich schon vor 20 Jahren mit dem Ten-Kate-Rennstall verbündet, Yamaha mit dem Crescent-Team von Paul Denning. Suzuki hat sich für zwei Jahre zurückgezogen, um alle Ressourcen an Manpower und Geld in die MotoGP-WM stecken zu können.

Aber das Kawasaki-Werksteam wirft dieses Konzept über den Haufen.

Die Grünen investieren grenzenlos in die Technik der ZX-10R und kaufen die besten Fahrer ein. Ducati-Werkspilot Chaz Davies bekam ein Angebot von Kawasaki für 2017, danach musste Ducati Corse seine Gage auf rund 700.000 Euro verdoppeln, ist zu hören.
Dieses Kawasaki-Konzept ist einigen Herstellern ein Dorn im Auge, bei der Dorna sind einige Beschwerden eingetroffen.

Aber bisher haben weder die Superbike-Manager von Honda, Yamaha, Aprilia, MV Agusta oder Ducati eine Vorstellung, wie man die Dominanz und die Geldverschwendung von Kawasaki in der Superbike-WM eindämmen könnte.

Es werden Vorschläge erörtert.

Vielleicht kann man zum Beispiel Werken ab einer gewissen verkauften Stückzahl von Motorrädern vorschreiben, an beiden Rennserien teilzunehmen.

An einer zehn Jahre dauernden Vormachtstellung von Kawasaki in der Superbike-WM ist jedenfalls niemand interessiert.

Aprilia gewann die Superbike-WM 2010 und 2012 mit Max Biaggi und 2014 mit Sylvain Guintoli. Jetzt steht die MotoGP-WM im Vordergrund, für Werksteams in beiden Serien reicht das Geld nicht. Bei Kawasaki wäre es vorhanden.

In der 125er- und 250er-WM haben Dorna, FIM, IRTA und MSMA die jahrelange Dominanz der Piaggio Group durch Einführung der Moto3-Viertakter und der Moto2-Einheitsmotoren beendet. In der MotoGP-WM wurde die Konkurrenzfähigkeit der Honda-Gegner wie Suzuki und Ducati durch die Einheits-ECU erhöht, die Bikes sind jetzt ausgeglichener. Honda hatte sich jahrelang gegen die Einheits-Software gesträubt und sogar mit dem Rückzug gedroht.

Wenn sich Kawasaki zu keiner freiwilligen Selbstbeschränkung hinreissen lässt, was sich bisher natürlich nicht abzeichnet, wird die Dorna in absehbarer Zeit gemeinsam mit der Hersteller-Vereinigung MSMA eingreifen. Bisher liegen keine konkreten Ideen auf dem Tisch. Aber das kann sich rasch ändern.

«Kawasaki hätte genug finanzielle Ressourcen, um auch an der MotoGP-WM teilzunehmen», erklärte ein verärgerter Teammanager.

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