KTM-Chef Stefan Pierer: «Suzuki ist unsere Messlatte»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
KTM wird sich 2017 als einziger Hersteller weltweit an allen drei GP-Klassen mit eigenen Werksmotorrädern beteiligen. Firmenchef Stefan Pierer ist für das MotoGP-Projekt sehr optimistisch. «Es macht Freude», sagte er.

Stefan Pierer (59), CEO der KTM Group und Vorstandsvorsitzender beim oberösterreichischen Motorradhersteller, befindet sich auch 2016 auf der Überholspur.

Denn im ersten Quartal 2016 verkaufte KTM weltweit 48.455 Fahrzeuge. Damit konnte der Absatz um 15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden

2015 knackte KTM erstmals die Milliarden-Euro-Umsatzgrenze. Von den Konzernmarken KTM und Husqvarna wurden insgesamt 180.801 Stück (+ 14 %) abgesetzt. Der Umsatz kletterte auf 1,02 Milliarden Euro (+ 18 %). Es wurden Investitionen in der Höhe von 110 Mio. Euro (+30 %) getätigt. Der Mitarbeiterstand am Jahresende: 2515.

KTM will in den nächsten Jahren zum drittgrößten Sportmotorradhersteller der Welt hinter Honda und Yamaha heranwachsen. Die Zweitmarke Husqvarna soll großen Anteil daran haben.

Auch im Motorsport gibt KTM unter der Devise «Ready to Race» weiter Vollgas. Nächsten Samstag wird beim GP von Österreich auf dem Red Bull Ring der Einstieg in die MotoGP-WM 2017 offiziell verkündet, am Sonntag finden um 13 Uhr erste Demo-Runden mit der neuen KTM RC16 statt.

In der Moto3-WM führt KTM im Kampf gegen Honda überlegen, Brad Binder liegt 48 Punkte vor Jorge Navarro.

Und 2017 wird in der WM erstmals auch ein Moto2-Motorrad von KTM zum Einsatz kommen, Teamchef Aki Ajo möchte Brad Binder und Tom Lüthi verpflichten.

SPEEDWEEK.com hat dem erfolgreichen Unternehmer Stefan Pierer im Exklusiv-Interview ein paar Fragen zum MotoGP-Projekt gestellt.

Herr Pierer, die MotoGP-KTM hat vor zwei Wochen beim Test in Spielberg unter Testfahrer Mika Kallio nur zwei Sekunden auf die Bestzeit von Iannone und Ducati verloren. Damit ist KTM eine recht positive Überraschung gelungen?

Ja, wir liegen voraus, nicht nur vom Zeitplan her, sondern auch von den erzielten Werten.
Man muss auch berücksichtigen, wir haben keine Winglets montiert, weil sie 2017 ohnedies verboten sein werden und wird uns entschieden haben, jetzt keine mehr zu entwickeln. Die Winglets würden in Spielberg sicher zwei, drei Zehntel bringen. Aber wir tun uns die Winglets nicht mehr an, auch nicht für den Wildcard-Einsaz in Valencia mit Mika Kallio.
Was sollen wir jetzt noch mit Komponenten experimentieren, die 2017 verboten sind?
Wir sind sehr gut unterwegs. Es ist jetzt noch die eine oder andere Ausbaustufe geplant.

Aber die Winglets könnten KTM beim Valencia-GP ein paar Plätze nach vorne bringen.

Nein, das ist jetzt nicht das Thema. Wir konzentrieren uns auf den Einsatz im nächsten Jahr. Aber die erste echte Messlatte wird natürlich schon das Debüt in Valencia sein.

LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cecchinello hat gemeint, ein 3-Sekunden-Rückstand beim ersten Kräftemessen wäre für KTM durchaus akzeptabel. Denn 1 bis 1,5 sec verliert man durch die Testfahrer, den Rest darf man dem neuen Bike zubilligen.

Wir sind gut dabei. Vom Motor her sowieso, davon sind wir absolut überzeugt. Jetzt geht es halt um die Feinabstimmung, um die Aerodynamik, um die Fahrwerksgeometrie, die ist sicher auch Fahrer-abhängig.

Das Fragezeichen, das euer in der MotoGP-WM exklusives Stahlchassis begleitet hat, wird man bald auch abhaken können?

Wir haben ja in der Moto3 gezeigt, wie das geht. Und das werden wir auch in der MotoGP zeigen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Ausserdem werden es in der Moto2 auch unter Beweis stellen.
Wir sind bei hochlegiertem Stahl als Hersteller Weltmarktführer. Wieso sollen wir uns eine andere Technologie antun, die wir nicht so gut verstehen?

KTM hat das heimliche Ziel, in der MotoGP-WM auf dem Niveau einzusteigen, auf dem Suzuki 2015 eingestiegen ist. Wenn beim MotoGP-Test nach dem WM-Finale im November Bradley Smith und Pol Espargaró auf der RC16 sitzen, will man unter den ersten 15 sein?

Ich gehe davon aus, dass wir dann gut dabei sein werden. Denn das sind wirklich gute Fahrer, das haben sie ja gezeigt. Wir sind sehr optimistisch.

Pit Beirer betont immer, es handle sich um ein Drei-Jahres-Projekt. 2019 will KTM unter den Top-3 mitmischen. Sie sind ungeduldig – sie wünschen sich raschere Erfolge?

Nein, für uns ist Suzuki eine echte Benchmark, die haben einen Super-Job gemacht, das ist unsere Messlatte. Ja, wir haben einen Drei-Jahres-Plan. So ist es.

Suzuki hat 2015 im ersten Jahr mit Aleix Espargaró in Barcelona gleich eine Pole-Position erzielt, im zweiten Jahr mit Viñales einen dritten Platz im Rennen von Le Mans. Auch für KTM machbar?

Ja, Suzuki war ganz am Anfang ein wenig daneben, aber sie haben schon aufgezeigt. Im Laufe des ersten Jahres haben sie sehr viel aufgeholt.
In diesem Jahr sind die Suzuki-Leistungen eine tolle Geschichte. Die Motorleistung fehlt ihnen noch.
Aber sie kriegen jetzt von Pankl Racing ein paar Teile. Dann wird es wohl nächstes Jahr reichen.

Die Firma Pankl kennen Sie ja bestens. Sie sind dort Großaktionär.

(Er schmunzelt). Ja, die kenn ich...

Für manche Experten kommt die starke Performance von KTM trotzdem überraschend. Suzuki hatte eine Basis, sie waren nur drei Jahre weg aus der MotoGP. Aprilia hat drei Superbike-WM-Titel gewonnen seit 2010, sie hatten einen brauchbaren 1000-ccm-Vierzylinder im Angebot. KTM hat in den letzten fünf Jahren im Road Racing nur die 250-ccm-Moto3-Klasse bestritten. Da fehlte die Basis.

Nein, das sollte man so nicht sagen. Wir haben mehr als zehn Jahre GP-Erfahrung. 2003 haben wir in der 125er-WM begonnen. Wir haben damals ein echt professionelles Junior-Programm gehabt.
Dazu muss ich erwähnen, Kurt Trieb hat 2004 schon einmal einen 990-ccm-V4-MotoGP-Motor für uns gemacht. Und Kurt Trieb ist sicher einer der begnadetsten Motorenkonstrukteure. Da brauchen wir uns nicht zu verstecken.
Fahrgestell-seitig haben wir auch viel gelernt, mit unserem IDM-Superbike Einsatz mit der alten RC8. Wir haben also schon Erfahrungswerte im Haus. Und wir haben jetzt eine Truppe, die hier in Österreich ist. Im Werk. Alle Techniker sind im Werk angebunden. Es hilft mir ja nichts, wenn die GP-Ingenieure irgendwo in Spanien oder Italien verteilt sind. Wir haben jetzt mit dem neuen Motorsport-Zentrum in Munderfing Top-Voraussetzungen.
Insofern können wir sagen, wir können uns mit den Japanern messen.
Jetzt hängt es halt von der Feinarbeit ab. Wir müssen drauf bleiben und konsequent weiterarbeiten.
Ich bin auch sehr froh über die Zusammenarbeit mit Mike Leitner. Er hat eine sehr gute Hand, er arbeitet sehr ruhig. Das Team ruht in sich. Die Jungen sind manchmal übermotiviert.
Es macht echt Spaß, muss man sagen, und Freude.

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