MotoGP: GASGAS-Aus als Befreiungsschlag?

Bradley Smith (Tech3): «Muss auf die Zähne beissen»

Von Günther Wiesinger
Bradley Smith: Rückkehr in Japan

Bradley Smith: Rückkehr in Japan

Zuerst wurde Bradley Smith nach dem Kreuzbandriss eine sechsmonatige Pause prophezeit. Aber der Brite will am 16. Oktober in Motegi/Japan in die WM zurückkehren.

Bradley Smith kam am Sonntag als Zuschauer zum GP von Aragonien und kündigte am Abend an, er werde in drei Wochen beim GP von Japan in Motegi wieder um WM-Punkte fighten.

Der 25-jährige Engländer, der die MotoGP-WM 2015 als Gesamtsechster beendet hat und nach dieser Saison von Tech3-Yamaha zu Red Bull KTM wechselt, wollte im August für das Yamaha Austria Racing Team den 8-h-WM-Lauf in Oschersleben bestreiten, verletzte sich aber bereits im Training am 15. August schwer. Er bewegt sich immer noch mit zwei Krücken. Manche Ärzte haben ihm nach dem Kreuzbandriß sogar eine sechsmonatige Zwangspause prophezeit.

Smith wurde bei den letzten drei Rennen in Silverstone und Misano und Aragón durch Alex Lowes vertreten, der aber zuletzt in Spanien nach dem Samstag-Crash auch nicht antreten konnte.

«So ein Rennunfall kann zu jeder Zeit auf jeder Piste passieren», schilderte Bradley. «Leider ist es mir ausgerechnet bei einem Langstrecken-WM-Lauf widerfahren. Es war einer der seltsamsten Unfälle, die man sich vorstellen kann. Aber mit so einem Risiko muss man leben, in jeder Form des Motorsports. Es gab damals einen kleinen Zwischenfall mit einem Fahrer auf der Geraden; ich bin gestürzt, es ging alles glimpflich ab, no problem. Aber dann haben ein paar Fahrer das Gas zugedreht, andere Fahrer gerieten in Panik, am Schluss ist jemand über mein Bein gefahren. Das ist frustrierend, aber es kann passieren. Es war zweifach schmerzhaft, erstens weil ich verletzt war, zweitens weil ich jetzt alle Rennen als Zuschauer verfolgen musste.»

«Aber am Ende des Tages betreiben wir Motorsport, da kann so etwas vorkommen. Ich habe seit fast sechs Jahren vorher kein Rennen verpasst», erzählte der künftige KTM-Werksfahrer. «Ich hatte also einen guten Lauf, da war auch Glück dabei. Ich hatte in diesem Zeitraum ein paar schwere Stürze, aber ich kam immer glimpflich davon. Es war dann ausgerechnet ein eigentlich harmloser Crash, der mich außer Gefecht gesetzt hat.»

«Es sieht jetzt so aus, als würde mir diese Verletzung eine Teilnahme am Japan-GP erlauben», setzte Bradley fort. «Das ist schön. Es lässt sich schwer einschätzen, wie fit ich in Japan sein werde. Momentan schreitet meine Genesung sehr rasch voran. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, dann werde ich bei 100 Prozent sein. Aber ich rechne irgendwann mit einem Stillstand... Ich habe hier in Aragón schon eine kleine Sitzprobe versucht. Aber ich saß vorher im Flugzeug und dann drei Stunden um Leihauto. Mein rechtes Knie war also nicht im besten Zustand. Aber ich fühlte mich ausreichend komfortabel auf dem Bike. Es liegen keine Welten zwischen dem, wo ich in Motegi sein muss und wo ich mich jetzt befinde. Ich bin am 9. September am Kreuzband rechts operiert worden. Bis Motegi habe ich mehr Tage Zeit, als seit der OP bisher vergangen sind.»

«Ich mache im Moment drei Stunden am Tag Physiotherapie, dann bin ich zwei Stunden im Fitness-Centre und eine Stunde im Swimming Pool. Ich schwimme viel. Ich mache alles, was ich kann. Und ich treibe das so weiter, bis ich nach Japan abfliege. Mein Medical Team meint, dass ich dort bereit sein werde. Ich werde wohl nicht zu 100 Prozent fit sein. Aber wenn ich fahren will, kann ich fahren. Es liegt dann an mir, meine eigenen Erwartungen im Zaum zu halten und den Schmerz hinzunehmen und auf die Zähne beissen. Je mehr Arbeit ich in den nächsten zwei Wochen leiste, desto einfacher werde ich es beim Grand Prix haben. Das gibt mir viel Motivation.»

«Ich hatte Glück, denn ich habe sehr viel Unterstützung gefunden, sehr gute Leute, die sich um meine Heilung kümmern», berichtet der Tech3-Yamaha-Pilot, der in der MotoGP-WM schon zwei Top-3-Plätze erreicht hat. «Ich bin bei Harrison Ross in Manchester in Behandlung, der schon viele Fußballspieler und Rugby Player kuriert hat. Johnny Rea ist dank ihm fünf Wochen nach einem Oberschenkelbruch wieder Rennen gefahren. Einen besseren Therapeuten kann man für Action Sports nicht finden. Ich lebe momentan bei ihnen in der Klinik in Manchester. Demnächst werde ich dann in Andorra von Leuten behandelt, mit denen sie zusammenarbeiten. Auch mein Chirurg war großartig. Andy Williams, er hat schon alle Top-Fußballspieler behandelt. Ich bin wirklich happy mit den Leuten, die mich betreuen. Momentan ist das Kreuzband nach der OP noch entzündet, es fehlt an Beweglichkeit, weil das Knie geschwollen ist. Ich habe keine Schmerzen, das ist gut. Wie lange es dauert, bis die Schwellung ganz zurückgeht, kann niemand vorhersagen. Niemand weiß genau, wie es in zwei Wochen aussehen wird. Aber vorläufig sind wir mit der Genesung alle zufrieden.»

«Ich möchte ein Rennrad nach Übersee mitnehmen, denn einen Pool werde ich nicht überall auftreiben, schon gar nicht in Motegi. Wir werden unser Bestes tun», ergänzte Bradley Smith. «In meinem Kopf wollte ich zuerst gar nicht wahrhaben, wie schlimm es nach dem Crash um mich bestellt war. Milena aus dem Tech3-Team musste mir in Oschersleben die Ergebnisse der MRI-Untersuchung auf Englisch übersetzen. Da ist mir die Realität bewusst geworden... Aber ich wollte es nicht wahrhaben. Nett war, als ich endlich einen Chirurg gefunden habe, der von sechs bis acht Wochen Heilung gesprochen hat. Da dachte ich mir: Das schaffe ich definitiv in fünf Wochen. Das war schon mal ein Lichtblick. Denn der deutsche Arzt sagte mir, ich werde bis zum Saisonstart im März 2017 in Katar ausfallen. Ich habe vom ersten Moment an alles Menschenmögliche getan. Mein Körper hat bisher gut auf alles reagiert.»

Zuerst hatte es geheißen, Bradly habe einen Oberschenkelbruch erlitten. «Für diese überstürzte Meldung habe ich aber Verständnis. Denn ich klagte über Schmerzen im Oberschenkel. Außerdem hatte ich eine offene Fleischwunde im Bein. Wie kriegst du so ein Loch, wenn kein Knochen gebrochen ist?»

«Nach den vielen schwierigen Wochen zeichnet sich jetzt ab, dass unser Ziel erreichbar ist, das lautet: Wir wollen in Japan mitfahren. Das ist erfreulich. Es geht vorwärts. Der Chirurg hat gesagt, ich darf drei Wochen keine Gewichte heben. Aber ich habe schon nach fünf Tagen wieder Gewichte gestemmt. Mir blieb nichts anderes übrig. Ich will rasch fit werden! In Rekordzeit.»

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