Der leise Abschied des Ryan Villopoto

Kolumne von Thoralf Abgarjan
Motocross-WM MXGP
Für Ryan Villopoto war das WM-Abenteuer ein Desaster

Für Ryan Villopoto war das WM-Abenteuer ein Desaster

Es ist zu befürchten, dass Ryan Villopoto nicht in die WM zurückkehrt. Der Einstieg des Amerikaners in die WM war vom ersten Start an ein Desaster. Dennoch war der stylische Villopoto ein Glanzpunkt in der WM.

Es ist zu befürchten, dass Ryan Villopoto mit dem Thema WM abgeschlossen hat. 

Leider.

Es heißt, er bleibe vorerst in den USA, um weitere medizinische Untersuchungen an seinem verletzten Steißbein durchführen zu lassen.

Wie sehr hatte ich mich darauf gefreut, den stylischen US-Superstar im Talkessel zu sehen. Daraus wird wohl nichts.

Es ist und bleibt eine respektable Leistung, dass Villopoto die Courage aufgebracht hat, in die WM zu wechseln - in die Höhle des Löwen, eine für ihn fremde Welt, die seit 2009 kein Geringerer als Antonio Cairoli regiert, der seinerseits auf dem Wege ist, der beste Motocross-Pilot aller Zeiten zu werden.

Deshalb ist jede Form von Häme ist in dieser Sache unangebracht. 

Villopoto selbst räumt schwere Fehler und Versäumnisse ein: Die Vorbereitung fand auf den falschen Strecken statt. Man war davon ausgegangen, dass Villopoto ​'automatisch​' konkurrenzfähig ​sei, deshalb hat man die Vorsaisonrennen ignoriert.

Auch mental war ​'RV' komplett auf dem falschen Dampfer: Nach der Saison 2015 wolle er seine Karriere beenden, hieß es. Was er meinte: Ich nehme noch 'kurz' den WM-Titel mit und trete ab. Doch diese Einstellung reicht nicht, um in der WM erfolgreich zu bestehen. Er hatte, bevor er in die WM einstieg, eigentlich schon mit dem Thema abgeschlossen.

Seine Einsätze waren von der ersten Sekunde an eine Katastrophe. Symptomatisch war, wie er gleich im ersten Rennen der Saison in Katar gegen das Startgatter fuhr und einen Fehlstart hinlegte. Ich kann mich an keinen vergleichbaren Zwischenfall von Cairoli und co. erinnern - nicht einmal in ihren Anfangsjahren. Auch, wenn ein Fahrer eine lange Pause einlegen muss: Starts gehören zum kleinen Einmaleins eines jeden WM-Fahrers.

Rückblickend betrachtet, war die Saga Villopoto bereits am Start der ersten Runde von Katar beendet. Zwar erreichte der Rotschopf in der Hitze von Thailand einen Laufsieg, doch im ersten Lauf von Thailand absolvierte Villopoto seine einzigen (und vielleicht letzten) 18 Führungsrunden in der Weltmeisterschaft.

Der Sieg in Thailand war für `RV' ein Befreiungsschlag. In Argentinien schien es, als sei er in der WM angekommen. Aber in den Gruppenbildern, die Vermarkter Youthstream immer wieder stolz präsentierte, erschien der Amerikaner wie ein Alien. Seine Körpersprache neben der Strecke war die eines genervten Außenseiters.

Jeder erwartete von ihm nur Siege, besonders die heimischen Fans. «Dirt Shark», ansonsten eher bekannt für einen lockeren, witzigen Stil, veröffentlichte plötzlich pompös und teuer produzierte Movies im «Gladiator-Style» mit dem Titel «RV vs. world, episode 1» (Villopoto gegen die Welt - Teil 1). 'Unser Villopoto' zeigt der Welt, wie man Motocross fährt. Klar war der Typ genervt, als er ​merkte, mit welchen Kalibern er es in der WM zu tun hatte, als ihm Nagl, Febvre, Desalle und Cairoli um die Ohren fuhren - und das noch nicht einmal im Sand!

In Trentino stürzte «RV» im Zweikampf gegen Clement Desalle und verletzte sich das Steißbein. Zu diesem Zeitpunkt hatte Max Nagl bereits eine Bilanz von 65 Führungsrunden vorzuweisen - mehr als das Dreifache im Vergleich zum 'übermächtigen' Amerikaner. Antonio Cairoli hatte zu der Zeit 36 und Clement Desalle immerhin auch 24 Runden an der Spitzenposition des WM-Feldes auf dem Konto.

Seitens des Materials hat man sich im grünen Lager total verschätzt: KTM - und in deren Schlepptau auch Husqvarna - ist durch die ehrgeizige Entwicklungsarbeit mit Cairoli, Everts und co. sowie der Truppe um Roger DeCoster in den USA übermächtig geworden. Der kraftvolle Motor entwickelt einen derartigen Schub aus dem unteren Drehzahlbereich und vermag, die Leistung derart perfekt auf den Boden zu bringen, dass die Konkurrenz zu erstarren scheint. Nicht umsonst gingen seit 2010 alle wichtigen WM-Titel an die Mattighofener.

Auch der Erfolg von Max Nagl belegt das. Fahrwerksseitig profitieren die Orangenen (und Weißen) davon, dass die Wege zu den hauseigen WP-Entwicklern viel kürzer sind als woanders. Die KTM ist ein Motorrad «aus einem Guss», abgestimmt bis ins letzte Detail.

Für Kawasaki ist die momentane Situation ein Supergau: Weder in der WM noch in den US-Serien spielen sie im Moment eine nennenswerte Rolle. Nach dem Rausschmiss von Davi Millsaps aus dem US-Werksteam Monster Energy Kawasaki rangiert Wil Hahn nur auf Platz 15. In der WM liegt Tyla Rattray nur auf Platz 13. In der Herstellerwertung der WM liegen die Grünen auf dem vorletzten Platz.

Aber Kawasaki ist angetreten, um zu gewinnen.

Xavier Boog wurde nun als Interimslösung engagiert, damit die grünen Bikes im MXGP-Feld überhaupt Präsenz zeigen.

Aus den USA ist zu hören, dass Kawasaki mit Eli Tomac über einen WM-Einstieg verhandelt.

Schade, dass es für `RV`so unrühmlich gelaufen ist.

Aber der Weltmeister des Jahres 2015 wird auch der Weltmeister sein, der den amerikanischen Superstar Ryan Villopoto besiegt hat. Umso mehr ist zu hoffen, dass Max Nagl dieses einzigartige Meisterwerk fertigbringt.

Und dennoch hoffe ich, dass wir 'RV' noch einmal in der WM wiedersehen. Zumindest in Glen Helen bietet sich eine Gelegenheit. Aber ich gebe zu: Der Wunsch ist Vater des Gedankens.

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