Werden Subventionen für die Motocross-WM zur Gefahr?

Kolumne von Thoralf Abgarjan
Motocross-WM
Die Zukunft des Grand-Prix im bulgarischen Sevlievo ist ungewiss. Die Finanzkrise kommt nun zeitverzögert auch bei den nationalen Sportbehörden an. Subventionen von «Randsportarten» stehen zur Disposition.

Im Schatten der großen europäischen Moto-Cross-Nationen führte Bulgarien eher ein Schattendasein. Dennoch hat Motocross in Bulgarien eine lange Tradition. Die bulgarische Föderation begeht in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen. Das Land hat trotz sich ständig ändernder Rahmenbedingungen für den Sport Außergewöhnliches geleistet. Die Traditionsstrecke «Gorna Rositza» in Sevlievo ist seit Jahren ein fester Termin in der Weltmeisterschaft, dessen Fortsetzung nicht gesichert ist. Es sind Fördermittel im Spiel, die seitens der Sportpolitik künftig zur Disposition stehen. Klar ist schon heute: Eine Streichung von Sevlievo wäre ein schwerer Verlust für den Sport. Es stellt sich aber generell die Frage, wie weit sich der Motocross-Sport auf staatliche Subventionen verlassen darf. Sollte es in dieser Technik- und Action-Sportart nicht möglich sein, ohne Hilfestellung gewinnbringend oder zumindest kostendeckend zu agieren? 

Turbulente Geschichte

Als auf dem Podium zum Grand-Prix von Sevlievo Dimitar Rangelov als Repräsentant der bulgarischen Föderation erschien, wurde in Erinnerung gerufen, welche Schwierigkeiten speziell die Bulgaren in ihrer 90-jährigen Geschichte der Föderation überwunden haben und welche außerordentlichen Leistungen sie erbrachten. Trotz rigider staatlicher Restriktionen schaffte es ein bulgarischer Fahrer zu Zeiten des kalten Krieges an die Weltspitze: Dimitar Rangelov, Dritter der WM 1980, war ein bemerkenswerter Sportler! In den 1980er Jahren war die letzte Domäne der in den 1970er Jahren so erfolgreichen tschechischen Marke ČZ nicht mehr konkurrenzfähig. Fahrer wie der Tscheche Jaroslav Falta oder der Ex-Weltmeister Gennadi Moisejew, 1974 erster KTM-Weltmeister, plagten sich mit den zwischenzeitlich veralteten Ostblock-Material vergebens. Mitte und Ende der 1980er Jahre musste also ein Sportler, der wettbewerbsfähig sein wollte, auf anderes Material zurückgreifen - ohne Devisen, gegen Technik-Embargos, allein gegen das weltweite Blockdenken. Kurz gesagt: Es war im Ostblock verboten, Husqvarna, Kawasaki oder SWM zu fahren. Die Bulgaren schafften es! Fuhren sie in den Bruderländern (die Ostblock-«WM» hiess «Pokal für Frieden und Freundschaft»), so nannten sie ihre Bikes kurzerhand um: Aus SWM wurde die Marke «Balkan». Die Sowjets, als siegreiches Brudervolk per sé Erfolgsgarant, taten es ihnen gleich: Ihre Husqvarna-Bikes wurden mit dem Markennamen «VOSCHOD» (russisch: «Aufgang») versehen. Erst Ende der 1980er Jahre, als der Markenschwindel trotz Informationsdefizit offensichtlich wurde, lockerten sich die Reglements allmählich, resultierend in absurden Klassen wie «Spezialtechnik» - ein anderes Thema.

Bulgarien und Ungarn Technik-Vorreiter 

Die Föderationen von Ungarn und die Bulgaren waren Vorreiter im Durchlavieren gegen die offiziell verordnete Staats-Doktrin. In Sevlievo fanden in den 80ern bereits die internationalen «Pokalrennen» statt. Und in den Talkessel von Teutschenthal kehrte 1981 kurzzeitig ein Hauch von Weltmeisterschaft ein, als Dimitar Rangelov mit seiner 250er luftgekühlten Husqvarna auftauchte! Rangelovs Weggefährte Boyan Stancev ist heute Betreuer des bulgarischen Hoffnungsträgers Petar Petrov, der in Sevlievo mit Platz 6 ein sehr gutes Ergebnis in der Klasse MX2 ablieferte. Dimitar Rangelov und die bulgarische Föderation müssen nun eine weitere Herausforderung annehmen: Die staatlichen Subventionen stehen auf der Kippe.

Darf Youthstream mit Subventionen rechnen?

Wenn ein junges EU-Land wie Bulgarien Fördermittel einsetzt, um internationale Aufmerksamkeit zu gewinnen, Touristen und Investoren anzulocken, so ist dies legitim. Es ist keinesfalls verwerflich, dass Vermarkter Youthstream an diesen Mitteln partizipiert. Sie leisten durch Präsenz Aufbauarbeit. Aber unter allen Beteiligten (Vermarkter, Organisator und Weltverband) sollte Klarheit darüber bestehen, dass es sich bei Subventionen immer nur um eine Anschubfinanzierung handelt. Der Sport ist interessant genug, sich selbst zu finanzieren, auch Dank der Präsenz von global agierenden Großkonzernen. Im Sinne des Sports sollte das Anspruchsdenken einem Effizienzdenken weichen. Anschubfinanzierung ist «Venture Capital», um Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Die Finanzkrise kommt auch in der Sportpolitik an und Mittel werden immer knapper oder versiegen gänzlich. Intelligente Lösungen sind gefragt, Grand-Prix-Veranstaltungen auf Traditionsstrecken wie «Gorna Rositza» in Sevlievo auch künftig zu erhalten. Der hünenhafte Dimitar Rangelov hat nun eine weitere Herausforderung als Mittler zwischen Föderation, Politik und Vermarkter zu bewältigen. Der Sport hat es allemal verdient!

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