Honda: Stefan Bradls Analyse des Elektronik-Problems

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM

Während sich die PR-Abteilungen von Honda und Red Bull auf die Präsentation am kommenden Montag vorbereiten, schuften die Ingenieure daran, die Elektronik der neuen Fireblade gangbar zu machen.

Freitagmorgen flog Stefan Bradl von München nach Osnabrück, die restlichen 150 Kilometer bis zum Hauptquartier des Honda World Superbike Teams in Nieuwleusen fuhr der Bayer mit dem Auto. Freitagnachmittag gibt es bei Ten Kate Racing ein Fotoshooting, am Abend geht es für den Bayer zurück nach Hause.

Am kommenden Montag, 6. Februar, wird im Hangar-7 am Salzburger Flughafen das Honda-Team mit Nicky Hayden und Stefan Bradl präsentiert, der österreichische Energy-Drink-Gigant Red Bull ist neuer Hauptsponsor.

Übrigens: Hayden und Bradl werden am 6. Februar abends auch in der Servus-TV-Sendung «Sport und Talk im Hangar-7» zu Gast sein.

Während die Presseabteilungen von Honda und Red Bull alles für den großen Event vorbereiten, arbeiten die Ingenieure bei Cosworth und Ten Kate fieberhaft daran, die Elektronik der neuen Honda CBR1000RR Fireblade SP2 auf Vordermann zu bringen. Bei den Tests in Jerez und Portimao haben sich eklatante Schwächen offenbart.

Auf beiden Strecken das gleiche Bild: Die Honda-Piloten lagen zwischen 1,5 und 2 sec hinter der Spitze. Der Fireblade mangelt es an mechanischem Grip, die Elektronik arbeitet nicht wie gewünscht.

Stefan Bradl erklärte SPEEDWEEK.com, weshalb die Probleme so schwierig aufzudecken waren.

Anfänglich dachtet ihr, der neuen Honda mangelt es an mechanischem Grip, dann tauchten Elektronikprobleme auf. Warum ist es für einen Fahrer so schwer zu erkennen, was die Ursache für fehlenden Grip ist?

In Jerez ist es oft so, dass der Grip seltsam ist. Das Team sagte mir auch, dass Jerez nicht unbedingt eine gute Strecke für sie ist. Ich kenne die Strecke aus der Vergangenheit. Es gibt Tage, da hast du in Jerez keinen guten Grip, das ist meistens so. Wir dachten uns, wenn wir auf eine andere Strecke gehen, dann wird es ein bisschen einfacher. Wir gingen nach Portimao und haben genau da weitergemacht, wo wir in Jerez aufgehört haben – wir hatten keinen Grip.

In Jerez haben wir viel mit der Elektronik probiert. Wir haben schon damals gemerkt, dass wenn wir grobe Veränderungen am Mapping vorgenommen haben, das Ganze nicht richtig reagiert hat. In Jerez machten wir nicht die größten Schritte, sondern nur kleine. Der Nicky und ich haben dauernd gesagt, dass wir nichts merken. Das ging dann so dahin und wir haben auch andere Dinge getestet. Du kannst dich beim ersten Test ja nicht nur auf ein Thema fokussieren.

In Portimao haben wir uns dann auf die Elektronik konzentriert, weil die Jungs gesehen haben, dass etwas faul ist, dass die Elektronik nicht so reagiert, wie sie sollte. Dann haben sie gravierende Schritte am Mapping vorgenommen, aber es hat nach wie vor nicht reagiert.

Am Ende des ersten Tages sind wir draufgekommen, dass Cosworth wegen des Mangels an Zeit vom Prüfstand weg nicht das richtige Mapping für diesen Motor konfiguriert hat. Das Mapping ist noch zu sehr für den alten Motor.

Der neue Fireblade-Motor hat einen ganz anderen Drehmomentverlauf, im unteren und mittleren Drehzahlbereich ein bisschen mehr Leistung und eine andere Kraftentfaltung. Deshalb haben die Mapping-Veränderungen nicht zu dem gepasst, was am Motor verändert wurde. Es machte nicht, was es sollte. Drum sind wir im Nirwana umhergefahren.

Auf der Rennstrecke hatten wir nicht die nötigen Daten und das Know-how, um die Mappings von null auf zu verändern. Drum sind wir in Portimao am zweiten Tag auch kaum gefahren. Da haben wir ein paar Veränderungen probiert – die waren schlimmer, als alles andere. Da ging es bloß noch rückwärts, sogar die Gasannahme war schlecht.

In MotoGP hast du noch die Zeit der Prototypen-Elektronik miterlebt. Aus deiner Erfahrung: Wie lange dauert es, die Elektronik auf dem Prüfstand und dem Computer fahrbar zu machen? Ihr habt nur noch zwei Testtage vor dem ersten Rennen.

Wenn die Basis nicht passt, dann tust du dir schwer – das war bei uns der Fall.

Es war gut, dass wir nach Jerez gleich einen zweiten Test hatten, weil wir nicht sicher waren, was genau los ist.

Cosworth und Ten Kate haben jetzt nicht nur die Daten vom Prüfstand, sondern auch die von der Rennstrecke und unsere Aussagen. Jetzt können sie vernünftig etwas ändern.

Wenn die Basis am Prüfstand passt, dann kann man an der Rennstrecke die Feinheiten ändern. Das muss der Fall sein.

Ich glaube, dass wir in Australien nicht mehr so schlecht dastehen. Nicky und ich haben uns viel über dieses Thema unterhalten, es ist schwierig einzuschätzen, wie viel der 1,5 sec Rückstand wir wegen des Motors haben. Macht er eine halbe Sekunde aus, eine Dreiviertelsekunde oder 1,5 sec?

Abgesehen von den Problemen: Wie wohl fühlst du dich nach vier Testtagen mit dem neuen Motorrad?

Ich fühle mich nicht schlecht. Aber wenn du nicht vorwärts kommst und nach drei Runden der Reifen stark nachlässt, dann macht das nicht so viel Spaß.

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