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BMW dämmert: Kein Stich gegen Kawasaki und Ducati

Von Ivo Schützbach
Jordi Torres erkämpfte auf Phillip Island einen siebten Rang

Jordi Torres erkämpfte auf Phillip Island einen siebten Rang

Nach den ersten beiden Superbike-WM-Läufen in Australien hat BMW einen siebten Platz als bestes Ergebnis vorzuweisen. Viel mehr ist gegen die Gegner mit Werksteams nicht drin, weiß Rennchef Marc Bongers.

Im ersten Rennen auf Phillip Island fuhr Jordi Torres auf einen tadellosen siebten Platz, auf Sieger Jonathan Rea verlor der Spanier 8,725 Sekunden. Vor BMW platzierten sich zwei Werks-Kawasaki, zwei Werks-Ducati, eine Werks-Yamaha und die MV Agusta von Leon Camier.

Im zweiten Lauf schied der Spanier schon früh aus. Sein Althea-Teamkollege Markus Reiterberger wurde 12. und 13., die Top-10 lagen für den jungen Bayer außer Reichweite.

Nach dem Saisonauftakt zeichnet sich ab, dass sich die Vorhersagen bewahrheiten: Kawasaki und Ducati sind weiterhin das Maß, Yamaha hat einen Schritt nach vorne gemacht. Aprilia und Honda hatten beim Auftakt mit umfangreichen Problemen zu kämpfen, beide Hersteller haben massive Entwicklungsprogramme angekurbelt, um schon in zwei Wochen in Buriram/Thailand deutlich besser dazustehen.

SPEEDWEEK.com sprach mit BMW-Rennchef Marc Bongers, was wir dieses Jahr von der bayerischen Marke mit dem Propeller im Logo erwarten können.

Marc, Kawasaki und Ducati fahren weiterhin in ihrer eigenen Welt. War das mit dem neuen technischen Reglement so zu erwarten? Das Feld sollte dadurch enger zusammenrücken.

Ja, die sind meilenweit voraus. Phillip Island war aber noch nie der Maßstab für solche Vergleiche. Wir haben dort schon viel gesehen, da hat auch schon Suzuki gewonnen, die den Rest der Saison nirgends waren.

Worüber wir im neuen Reglement enttäuscht sind, ist die Entscheidung bezüglich Lautstärke. Wir meinten, dass wir ein Stück weiter aufschließen können, wenn die Lautstärke auf 107 dB gesenkt wird. Wir haben in diese Richtung entwickelt, in letzter Minute blieb es dann doch bei 115 dB. Daraus können wir aber keinen Vorteil ziehen. Mit leise hätten wir in Sachen Leistung auf Ducati ein Stück weit aufgeschlossen.

Warum schafft ihr das mit 115 dB nicht?

Weil uns laut keinen Vorteil bringt. Wir haben das mit unserem Entwicklungspartner Akrapovic ausprobiert, das bringt uns nichts.

Habt ihr an Motor und Elektronik etwas Gröberes verändert gegenüber 2016?

Am Motor nicht, das blieb die gleiche Spezifikation. In Sachen Elektronik haben wir kleinere Updates wie Wheelie-Kontrolle und Motorbremse.

Kommt beim Motor im Laufe der Saison noch was?

Ja. Mehr Motorleistung bringt aber vielleicht eine Zehntelsekunde. Mangelnde Leistung ist nicht unser Problem.

Bei der Elektronik werden wir auch noch mal nachlegen, zwischen gut und top liegen meiner Einschätzung nach aber auch höchstens ein paar Zehntelsekunden.

Es liegt am Chassis.

2016 wurde Jordi Torres Sechster in der Weltmeisterschaft, hinter Kawasaki, Ducati und Honda. Warum ist es so schwer, weiter nach vorne zu kommen und wieder aufs Podium zu fahren?

Wir haben im Winter relativ wenig getestet, die Hauptverantwortung bei der Chassis-Entwicklung liegt beim Team. Da unterstützen wir mit beschränkten Möglichkeiten im Rahmen des Kundensport-Programms, aber da kommen wir nicht weiter. Bis auf die Schwinge gibt es sehr wenige neue Teile, beide Fahrer beschweren sich über die Vorderhand, das Motorrad ist schwer einzulenken.

Wir haben einiges analysiert und das auch Öhlins zur Verfügung gestellt. Im Jerez-Test haben wir auch Sachen probiert, die Lösung haben wir aber nicht gefunden.

Das, was ihr aus der Vergangenheit wisst, als es noch ein BMW-Werksteam gab, hilft euch nicht? Motorrad und Reglement sind heute so anders?

Da passt wirklich nichts mehr. Die Materialien waren damals anders, die Öhlins-Sachen auch. Davon kann man nichts zum Vergleich heranziehen.

Wenn du freie Hand hättest, euer Problem zu lösen: Wie würdest du es angehen?

Ich würde das Hauptaugenmerk auf das Chassis legen, damit ist am meisten zu holen. Und da hauptsächlich auf die Front. Ich würde die Gabelbrücken so gestalten, dass die Fahrer das Gefühl bekommen, das sie haben wollen. Dass sie einlenken und die Linie halten können.

In eurem Kundensport-Programm in der Superbike-WM liegt die Chassis-Entwicklung in den Händen der Teams. Ist das für diese Rennserie nicht ein fundamentaler Fehler?

Das heißt ja nicht, dass das nicht aufgeht. Andere Hersteller haben ja auch Partner, Ten Kate operiert sehr ähnlich, sie bekommen auch nicht alles von Honda.

Unser Prinzip kann schon funktionieren.

Dass Kawasaki und Ducati vorne sind, liegt auch am Budget. Sie können viel mehr testen, wir können unsere Ressourcen nicht nur auf Superbike setzen.

Die beiden besten Teams haben auch mit die besten Fahrer: Kawasaki hat Rea und Sykes, Ducati Davies und Melandri. Ihr hingegen seid technisch nicht auf dem letzten Stand und habt auch nicht die schnellsten Piloten. Wie willst du so in der Weltmeisterschaft weiter nach vorne kommen?

Mit der Konstellation, wie wir jetzt fahren, ist das nicht realistisch.

Realistisch ist aber, dass wir sehr ordentliche Ergebnisse abliefern. Was wir abgeliefert haben, kann jeder bei uns bekommen. Wir sind da und zeigen, dass wir das für einen vernünftigen Preis umsetzen und in die Breite verteilen können.

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