Cosworth-Elektronik: Stefan Bradl verliert Glauben

Von Ivo Schützbach
Stefan Bradl: «Unsere Schritte sind zu klein»

Stefan Bradl: «Unsere Schritte sind zu klein»

Eineinhalb Tage lang bereitete sich Red Bull Honda bei Testfahrten in Misano auf den Superbike-WM-Event am kommenden Wochenende vor. Stefan Bradl sieht deswegen aber kaum besser Chancen.

Am 31. Mai und 1. Juni leisteten Stefan Bradl und Testfahrer Michele Magnoni auf dem «Misano World Circuit Marco Simoncelli» Basisarbeit, um den neuen Motor der Honda Fireblade auf den richtigen Weg zu bringen.

Zum ersten Mal in diesem Jahr war ein Ingenieur von Cosworth dabei, die britische Firma kümmert sich um das Motor-Tuning und die Elektronik. Übrigens: Honda verwendet als einziger Hersteller eine Cosworth-Elektronik – und das auch nur in der Superbike-WM.

«Es war gut, dass jemand von Cosworth an der Strecke war», hielt Bradl fest. «Er weiß bescheid und hat sich in den zwei Tagen Infos eingeholt und sich die Meinung der Fahrer angehört. Wunder konnte er natürlich keine vollbringen. Das Team hat mich seither auf dem Laufenden gehalten, Magnoni probiert diese Woche noch mal ein paar Sachen. Sie sagten mir, dass sich etwas getan hat. Am Donnerstag werden wir alles besprechen – im Endeffekt kommt es darauf an, wie mein Gefühl auf dem Motorrad ist. Dann kann ich gleich sagen, ob sich etwas verändert hat.»

Während Kawasaki, Ducati, Yamaha und Aprilia den Misano-Test nicht nur dazu nutzten neue Sachen zu probieren, sondern sich auch explizit auf die kommenden Rennen vorbereiteten, ging es für Red Bull Honda um Grundlagenarbeit.

«Unsere vorhandene Basis ist ja nichts», meinte Bradl zu SPEEDWEEK.com. «Das ist nichts, womit wir konkurrenzfähig wären im Rennen. Wir müssen uns jetzt in kleinen Schritten voran arbeiten – bislang waren sie zu klein. Wir haben großen Rückstand, die Schritte sind zu klein, das ist das Problem.»

Bradl und sein bei einem Rennradunfall tödlich verunglückter Teamkollege Nicky Hayden bemängeln schon das ganze Jahr dasselbe: «Es wurde zu wenig auf Fahrbarkeit geschaut, sondern nur auf Leistung. Wir haben in sämtlichen Bereich mehr Leistung, das ist spürbar. Besonders im unteren Drehzahlbereich. Aber die Fahrbarkeit hat deutlich darunter gelitten. Damit kannst du kein Vertrauen aufbauen, keinen gescheiten Kontakt zum Hinterrad, weil die Power so brachial einsetzt und das Hinterrad schon bei 15 oder 20 Prozent Gasgriffstellung durchdreht. Der Drehmomentverlauf ist viel zu aggressiv.»

Cosworth versucht die mechanisch verursachten Probleme elektronisch in den Griff zu bekommen. «Es scheint so, als wäre das extrem schwierig», grübelte Bradl. «Das ist ja schon seit Jahresbeginn so. Seit Monaten wird daran gearbeitet und sie versuchen es zu ändern. Langsam aber sicher verliere ich schon ein bisschen den Glauben daran und denke, dass das schwierig wird. Da muss sich grob etwas verändern. Es ist ja auch die Frage, wie die nächste Motorengeneration aufgestellt sein wird, ob da die Leistungskurve besser ist. Für mich hat der Motorentuner die Fahrbarkeit vernachlässigt.»

Bradl wird in Misano – wie schon in Donington Park – alleine für Red Bull Honda antreten. Bei den Rennen in Laguna Seca/USA am 8./9. Juli wird dann aller Voraussicht nach der Kalifornier Jake Gagne Nicky Hayden ersetzen. In der dann folgenden sechswöchigen Sommerpause wird ein Nachfolger für «Kentucky Kid» gesucht.

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