Jetzt wird aufgeräumt: Red Bull Honda ändert Struktur

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Hauptsponsor Red Bull und Honda hatten für die Superbike-WM 2017 viel vor: Mit der neuen Fireblade sollten Nicky Hayden und Stefan Bradl um den Titel kämpfen. Doch alles kam anders.

Obwohl die neue Honda CBR1000RR Fireblade SP2 Anfang Oktober 2016 auf der Motorrad-Messe Intermot Weltpremiere hatte, bekam das Team Ten Kate, Hondas langjähriger Partner in der Superbike-WM, die Maschinen erst am 6. Januar 2017 ausgeliefert. Es blieben nur wenige Tage Vorbereitungszeit, bevor das Material zum Saisonstart nach Australien verfrachtet werden musste.

Trotz zahlreicher Upgrades und Bemühungen von Motorentuner und Elektronik-Partner Cosworth gelangen keine Fortschritte, die Honda näher an die Spitze herangebracht hätten. Traurige Tatsache: Rang 6 von Stefan Bradl im ersten Rennen in Assen ist das bislang beste Ergebnis.

Nicky Hayden kam im Mai bei einem Unfall mit dem Rennrad ums Leben, die Ersatzfahrer Jake Gagne und Davide Giugliano beklagen sich ebenso über die aggressive Motorcharakteristik wie Hayden und Bradl.

Für 2018 zeichnet sich ab, dass es bei Red Bull Honda mit Stefan Bradl weitergeht, für den zweiten Platz steht Leon Camier oben auf der Wunschliste.

SPEEDWEEK.com sprach mit Marco Chini, dem Superbike-Verantwortlichen von Honda Motor Europe.

Marco, wie sehen die Reaktionen von Red Bull zur bisherigen Saison aus?

Sie sind sehr höflich – sehr nette Menschen.

Klar sind sie mit den Ergebnissen nicht glücklich. Niemand ist damit glücklich, weder Honda, noch ich oder Red Bull. Was die Partnerschaft mit Honda, das Auftreten des Teams und unser Verhalten betrifft, gibt es keine Probleme, damit sind alle Parteien zufrieden. Wir kennen einander sehr gut, wir arbeiten gerne mit ihnen. Sie bringen sich in das Projekt ein, zeigen gleichzeitig aber auch sehr viel Respekt für das, was wir machen.

Alle bei Honda haben unterschätzt, wie schwierig es wird, die neue Firebalde siegfähig zu machen. Hat Red Bull für diese Fehleinschätzung Verständnis?

Das hängt sehr mit der Philosophie einer Firma für die Serienbikes zusammen. Für Honda hat Priorität, dass die Qualität passt, dass die Maschine benutzerfreundlich, dass jeder Kunde 100-prozentig zufrieden ist. Auf keinen Fall werden wir den Kunden betrügen, der Kunde ist heilig für Honda.

Andere Hersteller zielen ausschließlich auf Ergebnisse im Rennsport ab. Sie bauen dafür verrückte Maschinen, die sich technisch an der Grenze des Erlaubten befinden und lassen diese homologieren. Wenn sich jemand im Laden so ein Motorrad kauft, hat er womöglich nach 200 Kilometern einen Motorschaden.

Wie gesagt, Red Bull hat Respekt vor dem, was wir machen.

Du hast mir mal gesagt, dass ihr zu arrogant wart, dass die Erwartungshaltung von euch selbst zu hoch angesetzt wurde.

Das war mein Fehler, ich bin der Hauptschuldige, weil ich für dieses Projekt zuständig bin. Meine Erörterungen waren falsch.

Ich fragte mich von Anfang an, wie Honda mit der neuen Maschine ab dem ersten Rennen gewinnen will, wenn Ducati dafür drei Jahre brauchte und Yamaha im dritten Jahr mit der neuen R1 noch ohne Sieg ist. Wäre das ein Honda-Werksteam – okay. Aber wir reden vom Team Ten Kate, das von Honda Motor Europe Unterstützung erhält. Nicht von HRC.

Ich suche keine Ausreden – es war viel Pech im Spiel. Es gäbe eine lange Liste mit Ausreden, diese will ich aber nicht heranziehen. Zuerst einmal war meine Einschätzung falsch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass wir all’ diese Probleme innerhalb einer Saison haben. Wir müssen damit klarkommen wo wir jetzt stehen und arbeiten sehr hart daran, Probleme zu lösen. Das ist aber nicht so einfach.

Der Vertrag mit Ten Kate Racing läuft nach dieser Saison aus?

Ja.

Seit Wochen hält sich das Gerücht, dass Honda über die Zusammenarbeit mit einem anderen Team nachdenke.

Das steht außer Frage, uns verbindet eine lange Freundschaft und wir haben viel Vertrauen. Was stimmt ist, dass wir gewisse Dinge ändern wollen, wir wollen das Beste herausholen. Aber das ist keine Neuigkeit, wir diskutieren jedes Jahr mit Ten Kate, wie wir die Struktur und die Leistung verbessern können.

Wir überlegen, wie wir die bestehende personelle Struktur ändern können, ob wir gewisse Sachen auslagern können.

Warum habt ihr nur einen Ein-Jahres-Vertrag mit Ten Kate?

Das Superbike-Projekt bei Honda geht von Jahr zu Jahr. Wobei das nicht ganz stimmt, mit Sponsoren oder Fahrern haben oder hatten wir Zwei-Jahres-Verträge.

Es ist sehr seltsam, dass ihr mit Hauptsponsor Red Bull einen Vertrag bis Ende 2018 habt, mit dem Team aber nur bis Ende 2017.

Das stimmt.

ServusTV überträgt dieses Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz alle Superbike-Rennen live, gratis und in HD. Ihr seid das einzige Team, das quasi eine eigene TV-Station hat.

Es ist ja in jedem Land so, dass sich die nationalen TV-Stationen auf die Fahrer aus ihrem Land konzentrieren – das ist ganz normal.

Kann Red Bull eine Promotion-Plattform bieten, wie es andere Sponsoren nicht können? Die Marke ist weltweit bekannt und unternimmt extrem viel, um sich selbst und seine Sportler und Teams zu vermarkten.

Red Bull hat eine Geschäftsphilosophie, die sie von anderen Firmen unterscheidet. Das Red Bull Media House ist eine Institution, was sie machen, ist außergewöhnlich. Einen Partner wie Red Bull zu haben, ist großartig für Honda. Wir haben in vielen Meisterschaften eine enge Zusammenarbeit, in Rallyecross, in MotoGP.

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