Yamaha R1 in der Superbike-WM: Der Ruf nach einem Nachfolger wird lauter
Die Yamaha R1 kämpft in der Superbike-WM mit ihrem Alter. Yamaha-Teammanager Paul Denning wünscht sich ein neues Modell – doch konkrete Hinweise aus Japan fehlen weiterhin.
Am vergangenen Wochenende fand in Kuala Lumpur das große MotoGP-Saisonstartevent statt. SPEEDWEEK.com-Autor Adam Wheeler mit einer Bewertung der visuell opulenten Eröffnungsveranstaltung.
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Yamaha steht in der Superbike-WM zunehmend unter Druck. Das seriennahe Reglement macht es für Hersteller immer schwieriger, mit älteren Basismodellen konkurrenzfähig zu bleiben – und genau hier liegt derzeit Yamahas größtes Problem. Die Basis der aktuellen R1 geht bis auf 2014 zurück. Das letzte milde Update erfuhr Yamahas sportliches Aushängeschild im Herbst 2024. Bei der Motorleistung liegt man deutlich zurück. Auf den Geraden sind die Yamaha-Piloten leichte Beute für die Ducati-, BMW- und Honda-Piloten.
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Beim Saisonauftakt 2026 in Australien wurde deutlich, dass Yamaha vor einer weiteren herausfordernden Saison steht: Im Trockenen waren das Werksteam und die GRT-Mannschaft chancenlos und schaffte es nicht in die Top-12. Lediglich im verregneten zweiten Hauptrennen gelang Andrea Locatelli ein fünfter Platz, begünstigt auch durch mehrere Ausfälle der Konkurrenz. Die technische Basis ist inzwischen mehr als ein Jahrzehnt alt Nach dem WM-Triumph 2021 mit Toprak Razgatlioglu ging es für Yamaha sportlich Schritt für Schritt bergab. Die aktuelle R1 ist technisch zwar weiterhin solide, doch ihre Basis reicht bis ins Jahr 2014 zurück. Seither folgten nur Weiterentwicklungen: 2017 elektronische Verbesserungen rund um Fahrwerk und Assistenzsysteme, 2020 ein größeres Facelift mit überarbeitetem Motor, Aerodynamik und Elektronik sowie ein mildes Update für 2024 mit neuen Winglets. Im Kern bleibt die Plattform jedoch mehr als ein Jahrzehnt alt – ein deutlicher Nachteil in einer Meisterschaft, in der die Seriennähe entscheidend ist.
Entsprechend wächst innerhalb des Rennteams und unter den Yamaha-Fans der Wunsch nach einer neuen Generation. Yamaha-Teammanager Paul Denning macht im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com keinen Hehl daraus: «Ich bin Yamaha-Händler und -Teamchef, ich bin sehr eng mit Yamaha verbunden. Natürlich wollen wir – wie alle Yamaha-Fans weltweit – eine neue R1. Ich glaube, es gibt innerhalb von Yamaha das Gefühl, dass dieses Spitzenmodell und Aushängeschild der Produktpalette gebraucht wird.»
Am vergangenen Wochenende fand in Kuala Lumpur das große MotoGP-Saisonstartevent statt. SPEEDWEEK.com-Autor Adam Wheeler mit einer Bewertung der visuell opulenten Eröffnungsveranstaltung.
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Yamaha verzichtete auf Grund der geringen Verkaufszahlen zuletzt sogar auf eine Homologation für die Abgasnorm Euro5+. Die Folge: In Europa und anderen Regionen wird die R1 nur noch als Trackday-Version ohne Straßenzulassung angeboten. Yamaha argumentiert, dass Superbikes kaum noch nachgefragt werden. Der Fokus liegt auf den weniger sportlichen Modellen, wie Naked-Bikes, Adventure-Bikes oder Einsteiger-Bikes.
Warum der Fokus auf die reinen Superbike-Verkäufe falsch ist Für Denning geht es beim Thema Superbike aber nicht allein um sportliche Ergebnisse oder Stückzahlen. Die R1 sei ein Symbol für die Marke – und damit strategisch weit wichtiger als reine Verkaufsstatistiken. «Es geht nicht nur darum, die reinen Verkaufszahlen der R1 zu betrachten. Es geht darum, das Markenimage über die gesamte Produktpalette hinweg zu stärken.» Diese Einschätzung gewinnt angesichts neuer Wettbewerber zusätzlich an Gewicht. Vor allem chinesische Hersteller drängen mit preislich attraktiven Motorrädern auf den Markt. Ihr einziges Manko: ein noch fehlendes Image. Yamaha hingegen kann auf jahrzehntelange Rennsport-Tradition bauen. Doch der Ruf der Marke mit den drei Stimmgabeln gerät unter Druck, weil aktuell weder in der MotoGP noch in der Superbike-WM aus eigener Kraft um Siege gekämpft wird – eine direkte Folge der sehr konservativen Herangehensweise an das Thema Rennsport in der jüngeren Vergangenheit.
In der MotoGP hat Yamaha einen Neuanfang gewagt und erstmals in der Viertaktära einen V4-Motor entwickelt. Für diesen sportlichen Neustart ist jedoch Geduld gefragt: Den enormen Erfahrungsrückstand gegenüber den anderen Herstellern, die seit Jahren mit V4-Bikes antreten, lässt sich nicht innerhalb weniger Monate aufholen. Dennoch besteht die Hoffnung, die Marke langfristig wieder an die Spitze zu führen. Beim Superbike-Projekt hingegen gibt es – abgesehen von Gerüchten über eine neue R1 – bislang wenig Konkretes zu berichten. Auch Denning selbst erhielt aus Japan keine belastbaren Signale über die Entwicklung eines neuen Yamaha-Superbikes: «Ich habe keinerlei Bestätigungen oder Gespräche gehabt, die auch nur darauf hindeuten, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein neues Motorrad kommt. Ich denke jedoch, dass die leidenschaftlichen Menschen innerhalb von Yamaha mit aller Kraft auf eine neue R1 hinarbeiten.» Damit bleibt die Zukunft des Superbikes vorerst offen. Klar ist nur: Je länger ein neues Modell auf sich warten lässt, desto größer wird der sportliche Rückstand. Dieser lässt sich nur noch über Zugeständnisse im Reglement kompensieren.
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Bereits im Vorjahr erhielt Yamaha sogenannte Concessions, die für Modifikationen am Rahmen genutzt wurden. Auch hinsichtlich der maximalen Kraftstoff-Durchflussmenge wird Yamaha bevorteilt. Aktuell dürfen maximal 46,5 kg pro Stunde durch die Kraftstoffleitung der R1 fließen, während die Ducati Panigale V4R und die BMW M1000RR mit 45,0 kg auskommen müssen.
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