Superbike-WM

Wie Marco Melandri von Ducati für dumm verkauft wurde

Von Ivo Schützbach - 23.08.2018 19:47

Dass Alvaro Bautista Marco Melandri im Superbike-Werksteam von Ducati ersetzt, wurde von langer Hand geplant. «Mir hat bis jetzt keiner gesagt, dass ich meinen Job verliere», ärgerte sich Melandri im Exklusiv-Interview.

Melandri grinst und schlürft einen Espresso, als sich SPEEDWEEK.com mit ihm im hinteren Teil der Ducati-Box im Fahrerlager von Portimao zum Vier-Augen-Gespräch trifft. Es ist der Galgenhumor, der ihm ins Gesicht geschrieben ist. Wenig Minuten zuvor hatte Ducati offiziell mitgeteilt, dass der Vertrag mit Chaz Davies verlängert wurde und 2019 Alvaro Bautista an seiner Seite fahren wird.

Kaum einer im SBK-Paddock kann diese Entscheidung nachvollziehen, Melandri gehört zu den erfolgreichsten Piloten der letzten acht Jahre. Er wurde 2011 Vizeweltmeister und beendete die WM seither immer in den Top-4. Marco eroberte für Yamaha, BMW, Aprilia und Ducati 68 Podestplätze, darunter 22 Siege.

«Was ich nicht verstehe», holte der 36-Jährige aus, «als ich vor dem Rennen in Misano mit Stefano Cecconi redete, sagte er mir, dass wir uns Zeit lassen können, dass er der Teameigentümer ist, dass ich mit ihm unterschreiben müsse. Nach Misano sagte er mir das Gleiche, und dass das Gerücht um Bautista von Ducati nur benützt würde, um wegen des Geldes zu pokern. Wir haben uns gar nie über Geld unterhalten. Nach der World Ducati Week erzählte mir ein Journalist, dass Bautista bei Ducati unterschrieben habe. Ich rief Stefano an und er redete sich damit heraus, dass er auch erst erfahren habe, dass Ducati Bautista verpflichtet habe. Er hätte nichts tun können. Zuvor war er Teameigentümer und dann wusste er auf einmal von nichts und konnte auch nichts tun. Ich bin überzeugt davon, dass sie seit Juni wussten, was sie tun würden, das ist sicher. Keiner hat mit mir geredet, nie. Bis jetzt hat mir niemand gesagt, dass ich draußen bin. Ich erfahre so etwas aus den Medien, mich rief keiner von Ducati an, ich bekam auch keine E-Mail.»

Im Ducati-Team war zu hören, dass Bautista weniger Geld aufrufe als Melandri. Dass das der entscheidende Grund gewesen sei.

«Fuck, ich bin der günstigste Fahrer im ganzen Fahrerlager», ereiferte sich Melandri. «Ich habe in zwei Jahren 150.000 Euro verdient, Chaz Davies hat 1,3 Millionen Euro eingesackt, neunmal mehr als ich. Ducati hat mich nicht mal gefragt, wie viel Geld ich nächstes Jahr gerne verdienen möchte. Er kann unmöglich günstiger sein als ich, da stecken andere Gründe dahinter. Einige Leute bei Ducati standen nie hinter mir. Was Preis-Leistung betrifft, war ich eines der besten Dinge, die sie die letzten zwei Jahre getan haben. Aber das kümmert mich nicht mehr, ich schaue jetzt nach vorne – und nach einem neuen Job.»

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Promoter Dorna versucht, starke Spanier in der Superbike-WM zu platzieren. Das könnte bei der Wahl von Ducati eine Rolle gespielt haben. Außerdem hat Bautistas Manager Simone Battistella beste Beziehungen nach Borgo Panigale: Er regelt auch die Geschäfte von Ducatis MotoGP-Star Andrea Dovizioso.

Für Marco Melandri ist eine Welt zusammengebrochen © Gold & Goose Für Marco Melandri ist eine Welt zusammengebrochen

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