Ausstieg: Nur noch ein Wunder kann MV Agusta retten

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
MV Agusta sorgt in der Superbike-WM für Farbe und Flair

MV Agusta sorgt in der Superbike-WM für Farbe und Flair

MV Agusta tritt 2019 mit einem Werksteam in der Moto2-WM an, das Superbike F4RR wird kaum noch verkauft und verfügt über eine veraltete Abgasnorm. Alles deutet darauf hin, dass nach der SBK-Saison 2018 Schluss ist.

Im Winter von 2015 auf 2016 übernahm der Schweizer Andrea Quadranti das Superbike- und Supersport-WM-Team von MV Agusta. Die Truppe startet unter dem Namen MV Agusta Reparto Corse, von einem Werksteam kann aber keine Rede sein. Quadranti muss den Großteil des Budgets stemmen, seine Leute sind für die Entwicklung der F4 und F3 zuständig. MV Agusta hilft mit etwas Material und Know-how.

Über die Jahre hat Quadranti stets darauf gehofft, dass sich die finanziell nicht auf Rosen gebettete Nobelmarke mehr einbringt – oder der klangvolle Name einen zahlkräftigen Sponsor anlockt.

Die Realität sieht anders aus. Die englisch-russische Investorengruppe Black Ocean, die MV Agusta vor der Insolvenz gerettet hat, sowie Präsident Giovanni Castiglioni möchten lieber die Moto2-WM als Plattform nützen. Auf der Verkleidung wird zwar groß MV Agusta draufstehen, aber wenig davon drin sein. Die Rolling-Chassis’ für die Triumph-Einheitsmotoren werden bei Suter Industries in Turbenthal/Schweiz gebaut.

WM-Promoter Dorna, der sowohl für die MotoGP- als auch die Superbike-WM zuständig ist, wird nichts unternehmen, um die Marke in der seriennahen Weltmeisterschaft zu halten. Hauptsache, MV Agusta ist in einer der beiden Serien vertreten, argumentieren die Spanier.

Es zeichnet sich ab: 2018 sehen wir die bildschöne MV Agusta F4 zum letzten Mal in der Superbike-WM.

«Ich warte auf die Antworten einiger möglicher Sponsoren», verriet Teamprinzipal Quadranti SPEEDWEEK.com. «Dann gehe ich zu MV Agusta und wir schauen, was wir gemeinsam machen können. Bis Mitte Oktober brauche ich schriftliche Bestätigungen. Sonst sind alle Fahrer weg und auch das Personal, dann hast du keine Zeit mehr. Interessant ist für MV Agusta nur, wenn wir mit der F3 Supersport-WM fahren. Die F4 wird kaum noch verkauft. Sie hat die Abgasnorm Euro3, man darf sie nur in Ländern verkaufen, in denen man nicht Euro4 braucht. Wie jetzt weiterzumachen, ist sinnlos. Das ist schade, weil das Motorrad jetzt auf einem guten Niveau ist. Seit wir die neuen Motorenteile haben, passt unser Topspeed. Wir fahren jetzt mit der erlaubten Drehzahl, deshalb ist das Motorrad jetzt konkurrenzfähiger. Wenn wir nur ein Jahr lang das richtige Budget hätten, könnten wir das Motorrad deutlich besser machen.»

«Vom Marketing und den Medien ist Moto2 etwas anderes», meinte Quadranti. «Aber obwohl die Motoren von Triumph kommen, machen das Hersteller wie MV Agusta und sogar KTM mit. Der Großteil der Fans sieht nur, was auf dem Motorrad steht, auf diese Leute zielt man ab. Mal schauen, wie sich dieses Projekt entwickelt, ich bin da nicht involviert.»

Der Teamchef weiter: «Nur mit Supersport weiterzumachen, wäre besser als nichts. Dann kann MV Agusta das Design verkaufen für Replikas, der Aftermarket macht auch für mich Sinn. Ich muss aber sicher sein, dass ich keinen einzigen Euro reinstecken muss, ich habe genug Geld verloren. Ich möchte eher etwas zurückhaben. Für wen mache ich das? Ich bekomme kein bravo, nichts.»

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