Leon Camier wünscht sich neue Honda: Ein MotoGP-Bike

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
An Einsatz mangelt es Leon Camier nicht

An Einsatz mangelt es Leon Camier nicht

Im dritten erfolglosen Jahr der neuen Fireblade sickert bei Honda zunehmend die Erkenntnis durch, dass sie für die Superbike-WM ein neues Motorrad brauchen. Leon Camier brachte es im Interview auf den Punkt.

Platz 9 von Honda-Werksfahrer Leon Camier nach den ersten beiden Trainings auf dem Chang Circuit in Buriram könnte man als positives Zeichen für die chronisch erfolglose Honda CBR1000RR Fireblade SP2 werten – wären da nicht die Rundenzeiten.

Während die Konkurrenz die Zeiten aus dem Vorjahr größtenteils bereits im ersten freien Training unterbot und im zweiten teilweise pulverisierte, Alvaro Bautista fährt mit der neuen Ducati Panigale V4R schon jetzt fast 4/10 sec schneller als die schnellste Rennrunde in Buriram (1:33,346 min), ist Leon Camier als bester Honda-Pilot langsamer als im Vorjahr.

2018 verpasste der Engländer den ersten Podestplatz der im Herbst 2016 vorgestellten neuen Fireblade im ersten Rennen um mickrige 0,863 sec im Kampf mit Vizeweltmeister Chaz Davies (Ducati).

Im Interview mit SPEEDWEEK.com war Camier aus offensichtlicher Rücksicht auf Honda zwar ungewöhnlich kurz angebunden, sprach aber dennoch Klartext.

Leon, positiv ist, dass du es in die Top-10 geschafft hast. Negativ, dass du 4/10 sec langsamer bist als in deiner schnellsten Runde auf Rennreifen letztes Jahr.

Das stimmt nicht, meine schnellste Runde letztes Jahr war eine hohe 1:33 – 1:33,8 min oder so.

Nein, du bist in FP3 1:33,531 min gefahren.

Da war es wohl kühler.

Platz 9 geht in Ordnung für dich?

Dort stehen wir aktuell. Wobei die Top-10 bereits schwierig sind. Es gibt einige Bereiche, in denen ich Verbesserungen für möglich halte. In anderen Bereichen sind wir sehr eingeschränkt.

Ihr habt im Winter in Buriram getestet, warum tut ihr euch jetzt so schwer?

Weil wir stehen, wo wir stehen.

Was sind eure größten Einschränkungen?

Wir müssen am Speed arbeiten, an der Motorleistung. Im Topspeed sind wir nicht so schlecht, auch wenn mir 12 km/h auf Bautista fehlen. Die mangelnde Beschleunigung ist aber viel ausschlaggebender. Im ersten Sektor verlieren wir 6/10 sec, das sind zwei Geraden und eine Kurve. Er macht unsere Rundenzeit kaputt. Im kurvigen Abschnitt sind wir Vierter oder Fünfter, das ist nicht so schlecht.

Es gibt einige Schlüsselbereiche, an denen wir nicht viel ändern können.

Die Plätze 4 und 6 aus dem Vorjahr zu wiederholen, ist nicht möglich?

Nein.

Jeder weiß, was die Honda Racing Corporation leisten kann. Du hast sicher genaue Ideen, was am Motorrad geändert werden muss. Hast du eine Vorstellung, in welchem Zeitrahmen das umsetzbar ist?

Realistisch wird das eine ganze Weile dauern. Ich weiß nicht, in welchem Zeitrahmen sie etwas am Motor und Chassis machen können. Auf die Schnelle geht das sicher nicht.

Ist die Basis der Fireblade gut genug, um mit diesem Motorrad Rennen und die Weltmeisterschaft zu gewinnen? Das technische Reglement erlaubt kaum noch Änderungen. Wenn das Standardmotorrad nicht auf höchstem Level ist, dann lässt sich daraus kein siegfähiges Superbike bauen.

Ganz ehrlich, mit diesem Motorrad die Meisterschaft oder auch nur ein Rennen zu gewinnen, ist im Moment sehr schwierig.

Honda muss ein neues Motorrad bauen?

Das wäre besser.

Eine spezielle Rennversion, wie es Ducati mit der V4R gemacht hat?

Ja, das wäre schön. Ein MotoGP-Bike. Der neue Motor von ihnen ist sehr schnell.

Die Honda ist alt. In einigen Bereichen ist gewisses Potenzial vorhanden. Zu gewinnen, oder um Podestplätzte zu kämpfen, ist aber sehr sehr schwierig.

Letztes Jahr hast du es in Buriram fast aufs Podium geschafft, warum ist der Rückstand jetzt so groß?

Die Rundenzeiten wurden viel schneller. Es gibt so viele schnelle Motorräder. Wir haben vier Yamaha, vier Ducati, zwei Kawasaki, Sykes auf der BMW. Schnelle Fahrer, schnelle Bikes – wenn du ein paar Zehntelsekunden hinten liegst, dann stehst du hinten. Und wenn du dich für keinen vorderen Startplatz qualifizierst, dann kannst du auch nicht vorne mitfahren. Und selbst wenn, dann wirst du auf der Geraden überholt, dann vom nächsten und vom nächsten. Das Motorrad muss in allen Bereichen funktionieren.

Keiner kann mehr durchschnaufen. Es gibt so viele Fahrer, die in die Top-6 fahren können, oder sagen wir in die Top-10. Jedes Detail ist wichtig.

Das ist das erste Jahr von HRC in dieser Meisterschaft, das erste Jahr für dieses Motorrad, welches ursprünglich für das Suzuka Eight Hours entwickelt wurde. Das Team ist auch neu. Deshalb gibt es so viele Sachen, die verbessert werden können. Das dauert seine Zeit – es wird ein hartes Jahr.

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