Überraschende Wende: Alex Lowes 2020 mit Kawasaki?

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Alex Lowes ist tiefenentspannt

Alex Lowes ist tiefenentspannt

Noch am Freitag sprach Alex Lowes, als würde ihm für die Superbike-WM 2020 nichts anderes übrig bleiben, als das Yamaha-Gnadenbrot bei Ten Kate zu akzeptieren. Dann änderte sich alles.

Seit Monaten wird gerätselt, wer 2020 im Kawasaki-Werksteam an der Seite von Weltmeister Jonathan Rea fahren wird. Die logische Wahl wäre Toprak Razgatlioglu gewesen, der über fünf Jahre von Kawasaki aufgebaut wurde und dieses Jahr bereits achtmal aufs Podium preschte. Doch der 22-Jährige seilt sich für nächste Saison zu Yamaha ab, nimmt seinen Crew-Chief Phil Marron von Puccetti mit und wird in der Pata-Werkstruppe Teamkollege von Michael van der Mark.

Potenzielle Kawasaki-Kandidaten wie Tito Rabat und Xavier Vierge haben inzwischen Verträge im MotoGP-Paddock unterschrieben.

Reas jetziger Teamkollege Leon Haslam, der seit Wochen um seinen Job zittert, sagte in Portimao: «Fest steht, dass ich meinen Vertrag mit Kawasaki um ein Jahr verlängere und in der Superbike-WM bleibe. Ich weiß aber noch nicht, in welchem Team und mit welchen Leuten.»

Selbst inoffiziell bestätigt es noch niemand bei Kawasaki: Aber alles deutet darauf hin, dass Alex Lowes den Platz im Werksteam bekommt!

Der Engländer hatte seinen Manager Neil Hodgson in Portimao dabei, der emotionale Lowes war so entspannt, wie es nur möglich ist. Das legt nahe: Seine Zukunft ist gesichert.

Nach seinem vierten Platz sagte er am Sonntagabend: «Ich habe noch keinen Vertrag unterschrieben, also ist es sinnlos, etwas darüber zu sagen. Verträge zu machen braucht Zeit. Hätte ich mehr Rennen gewonnen, ginge es wahrscheinlich schneller.»

Hast du dich entschieden, für wen du fahren wirst? «Hm. Aber so lange ein Vertrag nicht unterschrieben ist, ist nichts sicher.»

Ihr habt eine Übereinkunft getroffen, die nur noch nicht unterschrieben ist? «Ja.»

Und diesen Platz kann dir auch kein anderer Fahrer wegnehmen? «Ich glaube nicht.»

Lowes ist so schmallippig, weil bislang wohl tatsächlich nur ein Vorvertrag unterschrieben ist und er es sich mit Kawasaki, dem erfolgreichsten Team der Superbike-WM seit 2013, nicht verscherzen will.

Sinngemäß brach Lowes’ Manager Neil Hodgson die Verhandlungen mit Ten Kate Yamaha am Samstagabend ab. Seine letzte Möglichkeit, um beim japanischen Werk mit den drei Stimmgabeln im Logo zu bleiben, nachdem er in dessen Werksteam nicht mehr erwünscht ist. «Offiziell erbat er sich mehr Zeit», ist bei Ten Kate zu hören.

Haslam verteilte bereits am Freitag Geschenke im Kawasaki-Werksteam, was auf seinen Abschied schließen lässt.

Lowes hat gegenüber Haslam vor allem einen Vorteil: Er ist sieben Jahre jünger.

Haslam, Vizeweltmeister 2010 auf Suzuki, hat in seiner langen Karriere fünf Siege und 45 Podestplätze errungen. Lowes hat einmal gewonnen (Brünn 2018) und stand 17 Mal auf dem Podest.

In der Weltmeisterschaft 2019 ist Lowes nach 28 von 37 Rennen Dritter und liegt 20 Punkte vor dem fünftplatzierten Haslam.

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