Bimota-Homologation: Welchen Schmu treibt die FIM?

Kolumne von Ivo Schützbach
Bis zum 13. August muss Bimota die vorgeschriebene Menge Motorräder präsentieren, um weiterhin Superbike-WM fahren zu dürfen. Doch der Motorrad-Weltverband FIM prüft erst am 27. August!

Am morgigen 13. August endet für Bimota die viermonatige Frist, in der sie Zeit hatten, die für die Ersthomologation vorgeschriebene Menge von 125 Motorräder vorzuführen.

Um kleinen Herstellern wie Bimota die Teilnahme an der Superbike-WM zu ermöglichen, wurde Anfang des Jahres das Reglement geändert. Mussten bisher 125 fertige Bikes vor dem ersten Rennen präsentiert werden um mitfahren zu dürfen, gibt es seit diesem Jahr zusätzlich eine Gnadenfrist von vier Monaten, um diese Vorgabe zu erfüllen. Allerdings mit der Einschränkung, dass in dieser Zeit weder der Hersteller noch dessen Fahrer WM-Punkte erhalten.

Die italienische Sportzeitung Gazzetta dello Sport berichtet, dass Bimota die Erlaubnis zur Teilnahme an der Superbike-WM ab sofort entzogen wurde.

So stimmt das nicht. Aus dem einfachen wie nicht nachvollziehbaren Grund: Die Prüfung durch den Motorrad-Weltverband FIM erfolgt nicht etwa am Tag der Deadline, 13. August 2014, sondern erst am 27. August. «Vorher wird es keine Entscheidung geben», ist bei WM-Vermarkter Dorna zu hören.

Wozu schreibt die FIM Deadlines ins Reglement, wenn erst Wochen später geprüft wird? Es wundert mich nicht: Der Weltverband nahm es mit dem eigenen Reglement noch nie sehr ernst, bog es nach Bedarf in alle Richtungen; schrieb es um, wann es beliebte.

Wackliges Geschäftsmodell

Aus Italien ist zu hören, dass von der Bimota BB3 erst 40 Stück produziert sein sollen. Der schwarze Peter wird BMW zugeschoben, die anscheinend nicht genügend Motoren geliefert haben.

Diese Geschichte ist in sich löchrig. Da das Reglement unklar formuliert ist, muss Bimota keine 125 fertige Motorräder präsentieren. Es würde auch reichen, wenn etwa Bestellbestätigungen für 125 BMW-Motoren vorliegen. Ich weiß, wie BMW arbeitet. Erfolgt eine Auftragsbestätigung und wird bezahlt, wird der Weltkonzern auch wie vereinbart liefern. Bei Bimota läuft es weit weniger glatt.

Das gesamte Geschäftsmodell ist äußerst wacklig. «Wir bauen Motorräder und verkaufen sie, mit diesem Geld bauen wir weitere Motorräder», erklärte das Bimota-Management SPEEDWEEK.com im Mai. «Wir haben auch gar nicht die Lagerkapazitäten, um viele Motorräder im Werk zu haben. Bikes werden gebaut und verschifft.»

Die Hallodris von der FIM haben Bimota zwei weitere Wochen geschenkt, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Nützen wird das nicht viel, bei Bimota sind bis 1. September Sommerferien. Das trifft offensichtlich auch auf das Management zu: Trotz mehrfacher Nachfrage bezüglich des Status Quo erhielt SPEEDWEEK.com von den ansonsten sehr kommunikativen Italienern keine Antwort.

Auf Nachfrage beim Alstare-Team bekamen wir die Auskunft, dass für die Homologations-Belange Bimota zuständig wäre, Alstare kümmere sich ausschließlich um den Rennbetrieb.

Lücke im Reglement

Die FIM wird sich bei der Prüfung am 27. August mit wenig zufrieden geben, niemand geht davon aus, dass sie den Wortlaut des eigenen Reglements besonders ernst nehmen werden. Hauptsache, Bimota kann weiter in der WM bleiben. Was wäre das sonst für eine Blamage, verteidigte man die Reglementsänderung am Jahresanfang doch gegen jede noch so gerechtfertigte Kritik. Auch wenn von offizieller Seite immer das Gegenteil behauptet wird, mit den Homologationsmengen nahm es die FIM meist recht locker. Gut in Erinnerung blieb mir das Bild der Petronas-Bikes – vor einem Spiegel fotografiert.

Bei einem großen Hersteller wie BMW oder Honda ist Betrug mit den Mengenangaben beinahe unmöglich, da dafür das hausinterne System mit den Laufnummern der Teile und Motorräder manipuliert werden müsste. Für einen kleinen Hersteller ist das hingegen ein Kinderspiel.

Es wäre eine Schande, wenn die Superbike-WM Bimota verliert. Die BB3 ist nicht nur ein attraktives, sondern auch schnelles Motorrad, wie Ayrton Badovini und Christian Iddon beweisen. Außerdem hat Bimota mit Alstare eines der professionellsten Teams als Partner. Teamchef Francis Batta wird alle Hebel in Bewegung setzen, um zumindest die Saison 2015 wieder bestreiten zu können, erfolgt tatsächlich der Ausschluss.

Dabei könnte ihm eine Lücke im Reglement helfen. Es steht geschrieben, dass ein Hersteller aus der WM ausgeschlossen wird, wenn er innerhalb vier Monaten keine 125 Motorräder präsentiert. Was passiert aber, wenn er diese Motorräder zum Beispiel im Januar 2015 vorführt und um Homologation bittet? Im Reglement ist keine Sperrfrist oder ähnliches verankert.

Bimota dürfte in der Saison 2015 wieder mitfahren und hätte Zeit, um bis zum 31. Dezember 2015 die bis dahin geforderten 250 Bikes zu bauen, ein Jahr später müssen 1000 fertig sein. Klemmt es irgendwo dazwischen, geht das Spiel von vorne los. Außer dass FIM und Dorna diesem zwielichtigen Treiben einen Riegel vorschieben.

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