Antwort auf die Sykes-Kritik: Jonathan Rea packt aus

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Tom Sykes (li.) und Jonathan Rea: Normal trinken sie nicht zusammen

Tom Sykes (li.) und Jonathan Rea: Normal trinken sie nicht zusammen

Nach der Superbike-WM in Magny-Cours offenbarte sich das gestörte Verhältnis zwischen den beiden Kawasaki-Werksfahrern Tom Sykes und Jonathan Rea einmal mehr. Nun hält auch Rea seine Meinung nicht mehr zurück.

Ausgangspunkt für die stichelnden Kommentare Tom Sykes’ war das Überholmanöver seines Teamkollegen Jonathan Rea im zweiten Superbike-Rennen in Frankreich am Sonntagmittag. Das Manöver an sich war unspektakulär, Rea war spät auf der Bremse, presste sich in der Haarnadelkurve innen vorbei, beide mussten daraufhin eine weite Linie fahren.

Wäre nicht der spätere Sieger Chaz Davies (Ducati) der lachende Dritte dieses Kampfes gewesen, er schnupfte beide Kawasaki-Piloten auf einmal, niemand hätte über dieses Manöver gesprochen.

So konnte sich Sykes einen Kommentar gegenüber SPEEDWEEK.com nicht verkneifen. «Das Überholmanöver von Jonathan war nicht kontrolliert», kritisierte der Engländer. «Wegen ihm mussten wir beide weit gehen, was die Türe für einen anderen Hersteller öffnete. Das frustriert mich. Solche Manöver macht er häufig, Chaz konnte von 3 auf 1 vorfahren. Jonathan ist mehr darauf fokussiert mich zu schlagen, als ein Rennen zu gewinnen.»

SPEEDWEEK.com setzte sich mit Johnny Rea zusammen und sprach über sein Verhältnis mit dem Teamkollegen.

Ist es für ein Team hilfreicher, wenn die zwei Fahrer beste Freunde sind, oder wenn große Rivalität herrscht?

Ich habe beides erlebt. Mit Leon Haslam verbindet mich eine schöne Freundschaft, nach den Rennen hatten wir Sonntagnacht im Motorhome oft ein Bier zusammen – unsere Familien verbindet viel. Trotzdem wollten wir uns gegenseitig schlagen.

Bei Kawasaki ist es heute anders, meine Beziehung zu Tom ist nicht so gut.

Mit ihm trinkst du kein Bier?

Nein, er trinkt nicht. Und ich traue keinem, der nicht trinkt.

Er ist – anders. Ich respektiere ihn sehr, wir verfolgen im Rennsport nur einen anderen Weg.

Als ich in Sepang meinen Vertrag mit Kawasaki verlängerte, gingen diesem monatelange Gespräche voraus. Ich sagte damals zu meinem Crew-Chief Pere Riba, dass das Beste wäre, wenn Tom bei Kawasaki bleibt. Meine Motivation ihn zu schlagen ist sehr hoch – weil wir nicht so gut miteinander auskommen.

Als ich frisch in das Team kam, war seine Einstellung mir gegenüber so respektlos, er versuchte dafür zu sorgen, dass ich mich wie die Nummer 2 fühle. In der Realität bin ich aber auf der besten Seite der Box und genieße alles.

Ist seine Reaktion nicht verständlich? Er war Weltmeister und hat das Motorrad über die Jahre entwickelt. Und dann kommst du und stiehlst ihm die Show.

Klar war das nicht einfach für ihn, er kann aber trotzdem Respekt zeigen.

Im Rennsport geht es immer um Chancen. Manchmal vergisst er, was er in der Vergangenheit für ein unglaubliches Paket zur Verfügung hatte. Ich saß auf der Honda – und es war schwierig. Dann hatte ich auf einmal ein sehr gutes Motorrad.

Natürlich glaube ich, dass ich ein guter Rennfahrer bin. Ich halte mich aber nicht für super super special. Viele Fahrer könnten auf meine Maschine steigen und einen guten Job erledigen.

Am Ende muss er verstehen, dass, wenn er sein Bestes gibt und ich mein Bestes gebe, das Motorrad natürlich an der Spitze ist – weil es ein gutes Bike ist.

Es gibt verschiedene Auffassungen bei uns, in welche Richtung das Motorrad entwickelt werden soll. Das jetzige Motorrad geht auf Toms Kommentare aus der Vergangenheit zurück – und kommt mir nicht wirklich entgegen.

In Regenrennen, oder wenn der Grip auf einer Strecke sehr niedrig ist, dann kann man gut sehen, dass mein Weg richtig ist. Er hat dann Schwierigkeiten.

Es ist schwierig, mir ein perfektes Motorrad zu bauen, wenn der Fahrer auf der anderen Seite der Box einen so extremen Fahrstil hat. Andererseits ist das für Kawasaki aber auch gut, weil sie so unterschiedliche Kommentare über das Motorrad erhalten und es so in einem breiteren Fenster entwickeln können.

Ich sage es noch einmal: Ich bin glücklicher darüber wenn er im Team ist, als wenn er es nicht wäre.

Sykes und du reden sehr offen mit mir über den anderen, nur Kawasaki spielt die Rivalität zwischen euch herunter und beschönigt alles. Aber sind nicht genau das die Storys, welche den Sport interessant machen?

Man muss nicht beste Freunde sein. Marketing-Menschen sind seltsam, ich bin einfach nur ehrlich. Tom bringt seine Gefühle genau so ehrlich zum Ausdruck. Was er zu dir sagt, ist seine Meinung. Was ich dir sage, ist meine Meinung.

So lange wir in der Box dem anderen gegenüber Respekt entgegenbringen – am Ende sind wir Angestellte von Kawasaki und sollen unseren Job erledigen, das Motorrad entwickeln und Topresultate einfahren.

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