Martin Smolinski: «Dann gehe ich ein, wie eine Blume»

Von Ivo Schützbach
Speedway-GP
Martin Smolinski

Martin Smolinski

«Deutschland braucht einen Speedway-Grand-Prix und Deutschland braucht einen Grand-Prix-Fahrer», sagt Martin Smolinski. Der Bayer lässt auch keinen Zweifel daran, wer das 2017 sein soll.

2014 gewann Martin Smolinski in Auckland sensationell den GP-Auftakt. Obwohl er in der restlichen Saison mehrfach bis ins Halbfinale kam, verlor er als WM-Zwölfter seinen GP-Platz und wurde auch nicht mit einer Dauer-Wildcard ausgestattet.

Für 2017 hat der Olchinger zwei Chancen, dabei zu sein. Im Challenge in Vetlanda kann er sich am 3. September auf sportlichem Weg für die GP-Serie qualifizieren. Und als Wildcard im Teterow-GP hat er die Möglichkeit, sich für eine Dauer-Wildcard zu empfehlen.

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Als du 2014 eine Saison Speedway-GP gefahren bist, liefen viele Dinge nicht so, wie du sie dir vorgestellt hast. Der Zirkus war nicht so professionell wie du dachtest, im Marketing und bei den TV-Übertragungen hast du schnell festgestellt, wo deine Grenzen sind. Obwohl du damals nicht zufrieden warst, warum willst du trotzdem zurück in den Grand Prix?

Im Bahnsport ist der Speedway-GP das Höchste, das es gibt. Ich habe in dem einen Jahr viel Lehrgeld gezahlt, aktiv auf der Bahn und auch passiv in der Vermarktung. Es lief damals vieles – ich will nicht sagen schief –, aber nicht nach meinem Wunschdenken.

Jetzt kenne ich die Szene und gehe mit einer anderen Einstellung ran. Ich war damals vielleicht auch geblendet. Ich dachte mir, dass ich jetzt im Grand Prix bin und dort ist alles perfekt. Aber es war zeitweise genau so unprofessionell wie manches andere Rennen. Ich sehe das heute mit einer anderen Sichtweise. Es kommt darauf an, wie man eine Sache angeht und welche Erwartungen man hat.

Ich habe damals gedacht, dass man viel machen und mit den Leuten – auch werbetechnisch – zusammenarbeiten kann, aber das war leider nicht möglich. Also muss ich das halt anderweitig machen.

Im World-Cup in Västervik hast du brachial reingehalten, so hart sah ich dich länger nicht mehr fahren. War das ein Alles-oder-nichts-Rennen für dich oder fühlst du dich auf deinem Material wieder so wohl, dass es mental wieder möglich ist, so zu fahren?

Punkt 2. Ich fühle mich so wohl mit meinem Material und meinem Team, wir haben null Unstimmigkeiten. Beim Gesamtpaket geht es oft um Kleinigkeiten. Wenn wir zum Rennen fahren, haben wir alle ein Lächeln im Gesicht. Und wenn wir mal Zweite werden oder es nicht gut war, dann ist das halt so.

Der GP-Challenge ist in Vetlanda in Schweden: Kennst du die Bahn?

Ja, das ist eine schnelle, griffige, leicht überhöhte Bahn, das taugt mir sehr gut. Wenn das Material mitspielt, bin ich voll dabei. Wir sind jetzt schon am planen für Vetlanda, es gibt noch einmal neue Teile, die ich auch für Teterow probieren will. Ich werde das Material verwenden, das ich gerade auf der Langbahn fahre. Dort haben wir sehr viel weiterentwickelt, ich arbeite eng mit Manfred Knappe zusammen, auch Marcel Gerhard trägt viel bei.

Um im Challenge in die Top-3 zu fahren, muss alles perfekt zusammenlaufen. Ist dein Grand-Prix-Start in Teterow auch eine gute Möglichkeit, dich auf andere Weise für die Serie 2017 zu empfehlen? Es gibt ja auch noch die vier Dauer-Wildcards von Promoter BSI.

Es muss ein Miteinander sein. Der Event steht und fällt mit mir, ich bin der einzige Deutsche, der vorne mitfährt. Ich bin der einzige Deutsche, der die Fans polarisiert, den sie respektieren und der auch die Eier in der Hose hat, den Mund aufzumachen.

Manche Leute kommen damit nicht klar, das Interesse an meiner Person ist aber da. Wenn die polnische Presse einen Bericht macht über ein Langbahn-Wochenende, dass Smolinski drei Rennen auf Jawa gewinnt, dann zeigt das, dass der deutsche Bahnsport sehr interessant ist.

Wir brauchen uns in Deutschland nicht zu verstecken. Deutschland braucht einen Grand Prix und Deutschland braucht einen Grand-Prix-Fahrer.

Genießt du es, dass du polarisierst? Du bist ein Typ wie Max Biaggi oder Nicki Pedersen, den die Fans entweder lieben oder hassen.

Das stört mich nicht, auch wenn es ab und zu nicht einfach ist. Eine Zeit lang habe ich mal versucht – nicht den Mund zu halten –, aber weniger zu machen. Aber dazu bin ich nicht der Typ. Wenn ich nicht bin, wie ich bin, dann geht es mir schlecht. Dann gehe ich ein wie eine Blume. Wenn ich meinen Mund mal nicht mehr aufmache, dann werde ich nicht mehr lange Rennen fahren. Ich sage meine Meinung. Entweder die Leute kommen damit klar, oder eben nicht. Das ändert nichts an meiner Meinung. Ich bin ein freier Mensch und sage meine Meinung. Wenn ich dazu mal keine Lust mehr habe, dann bin ich fehl am Platz.

Das beste Beispiel ist für mich Egon Müller. Auch wenn er viel redet, er lebt den Sport. Er lebt ihn wie vor 20 Jahren, egal wo er hingeht. Entweder liebst du ihn oder hasst du ihn.

Nur so kannst du heute etwas erreichen. Es gibt so viele andere Sportarten, es ist schwierig ins Fernsehen zu kommen, damit etwas vorwärts geht, dass die Leute etwas sehen. Du musst dich von der breiten Masse unterscheiden.

Wird dir dein Start beim Schildbürgerpokal am 26. August etwas bringen für das GP-Set-up? Mit anderem Wetter oder Bahndienst ändert sich doch alles?

Die Leute in Teterow haben einen neuen Bahndienstmann, der nach meiner Information auch beim Grand Prix die Bahn machen wird. Er macht das seit eineinhalb Jahren, die Bahn ist sehr gut, man kann sich gut darauf einstellen.

Es gab auch schon andere Grand-Prix-Fahrer in diesem Jahr, die in Teterow trainiert haben – Tai Woffinden war dort.

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