World-Cup-Finale: Dänemark überrumpelt Polen

Von Ivo Schützbach
Speedway-World-Cup

Mickrige zwei Punkte trennten die Top-3 Dänemark, Polen und Australien im Finale des Speedway-World-Cups im polnischen Bromberg. Erneut entschied der umstrittene Joker den Titel.

Was für ein Finale! Letzter Lauf, letzte Kurve, Niels-Kristian Iversen fährt außen am zweitplatzierten Polen Janusz Kolodziej vorbei, damit ist Dänemark Weltmeister. Diesem alles entscheidenden Manöver war ein Rennen vorangegangen, das alles beinhaltete, was diesen spektakuläreren Driftsport ausmacht.

Nach dem ersten Durchgang standen die Polen ungeschlagen da, den Gegnern schwante Böses gegen die übermächtig erscheinenden Jaroslaw Hampel, Piotr Protasiewicz, Krzysztof Kasprzak und Janusz Kolodziej.

Nach dem ersten Bahndienst änderten sich die Kräfteverhältnisse. Der überragende Speed der Polen war dahin, Australien fand zunehmend ins Rennen. Die Briten hatten von Anfang nichts zu bestellen und in Weltmeister Tai Woffinden den einzigen punktstarken Piloten.

Nach zwei Nullrunden durch Mads Korneliussen und Peter Kildemand brachten die Dänen zu Rennmitte in Lauf 10 den dreifachen Weltmeister Nicki Pedersen als Joker – der gewann und damit doppelte Punkte einheimste. Dänemark war wieder bis auf zwei Punkte am Heimteam dran.

In Lauf 12 übernahm Dänemark erstmals die Führung, nach Heat 17 herrschte Gleichstand, nach Lauf 18 lagen die Polen einen Punkt vor Dänemark.

Steilvorlage für Dänemark

In Heat 19 gaben die Polen den Dänen eine Steilvorlage. Protasiewicz stürzte in der ersten Kurve ganz außen fahrend unbedrängt und wurde vom Schiedsrichter zu Recht für den Wiederholungslauf disqualifiziert. Kildemand konnte die Chance nicht nützen, holte nur einen Punkt, womit Polen und Dänemark vor dem letzten Lauf erneut punktgleich waren.

Das Finale ließ die Luft im Polonia-Stadion knistern. Darcy Ward schoss in Führung, sein Sieg war aber nur noch gut für die Statistik, Australien hatte so oder so Bronze. Kolodziej konnte sich dreieinhalb Runden gegen den vehement angreifenden Iversen verteidigen, in der letzten Kurve verpokerte sich der Pole. Während Kolodziej innen blockte, fuhr Iversen im großen Bogen außen vorbei!

Damit war Dänemark mit einem Punkt Vorsprung vor den Polen Weltmeister, zwei Zähler vor Australien. Gäbe es die umstrittene Joker-Regelung nicht, wäre Polen erneut Champion.

Der Joker darf dann zum Einsatz kommen, wenn ein Team sechs Punkte oder mehr hinter der führenden Mannschaft liegt. Eingeführt wurde er, um die Spannung künstlich hoch zu halten.

2013 hatten die Dänen im Marketa-Sation in Prag den Titel wegen eben dieser Regelung an Polen verloren, dieses Mal spielte sie ihnen in die Hände: ausgleichende Gerechtigkeit.

Silber und Bronze zählen nichts

«Ich habe nicht mehr daran geglaubt, dass ich ihn noch hole», kommentierte Iversen sein titelentscheidendes Manöver. «Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und die richtige Linie gewählt. Ich hatte keinen guten Start, habe aus den vier Runden aber das Beste gemacht. Dänemark war jetzt ein paar Mal Zweiter und Dritter, aber das zählt für uns nichts – wir wollten den Titel.»

Polens Kapitän Jaroslaw Hampel trug die Niederlage mit Fassung: «Wir waren so nahe dran und sind doch so weit weg. Von den Punkten her lagen alle eng beisammen, mit den Dänen geht es immer unglaublich eng zu. Sie sind heute gut gefahren, vor allem Iversen in der letzten Runde. Wir waren stark, hatten bis Rennmitte alles unter Kontrolle. Wir haben auch nie den Joker gebraucht.»

Und deshalb das Rennen verloren. Während sich Hampel und Kasprzak auf dem Siegerpodest sichtlich freuten, stand Kolodziej und Protasiewicz der Frust ins Gesicht geschrieben. Die polnische Presse wird mit ihnen ebenso wenig zimperlich umgehen wie mit dem polnischen Teammanager, der keinen Fahrer unter 30 Jahren nominiert hat.

Dass Australien «nur» Bronze holte, lässt sich einem Mann zuschreiben: Troy Batchelor. Der GP-Pilot holte indiskutable zwei Punkte. Schon mit fünf von ihm wären die Männer aus Down under Champion. «Wir haben zu viele Punkte weggeschmissen», fasste Kapitän Chris Holder zusammen. «Jason Doyle ist wie eine Legende gefahren, zum Ende hin wurde es sehr knapp. Jetzt sind wir halt Dritter, nur zwei Punkte hinter dem Sieger.»

Ergebnisse Speedway World Cup Finale Bromberg/PL:

1. DÄNEMARK, 38 Punkte
Nicki Pedersen 
17
Peter Kildemand
 7
Mads Korneliussen
 3
Niels-Kristian Iversen 11

2. POLEN, 37 Punkte
Piotr Protasiewicz 
9
Krzysztof Kasprzak
11
Janusz Kolodziej
 6
Jaroslaw Hampel 11

3. AUSTRALIEN, 36 Punkte
Chris Holder 11
Darcy Ward
 10
Jason Doyle
 13
Troy Batchelor 2

4.GROSSBRITANNIEN, 16 Punkte
Tai Woffinden 12
Simon Stead
 0
Chris Harris
 4
Danny King 0

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