Was bringt das motorsportliche Sportwagen-Jahr 2019?

Von Oliver Müller
Sportwagen
Bei den 24 Stunden von Le Mans wird auch 2019 wieder große Motorsport-Geschichte geschrieben

Bei den 24 Stunden von Le Mans wird auch 2019 wieder große Motorsport-Geschichte geschrieben

SPEEDWEEK.com schaut auf die anstehende Sportwagen-Saison. 2019 wird dem Sport eine neue Tendenz für die Zukunft aufzeigen. Sowohl bei den Prototypen als bei den GT-Rennern stehen einige Neuerungen an.

Wie doch die Zeit vergeht: Eigentlich ist es noch gar nicht so lange her, als Toyota in diesem Juni die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat und Porsche mit der 'rosa Sau' in der GTE-Klasse jubeln konnte. Gefühlt wurde die letzte Ausgabe des französischen Langstrecken-Klassikers doch gerade erst mit der schwarzweiß karierten Flagge abgewinkt. Aber bereits jetzt ist die zeitliche Strecke bis Le Mans 2019 schon wieder kürzer, als jene zurück zu Le Mans 2018.

Mit dem heute absolvierten Jahreswechsel steht in der Sportwagen-WM aber erstmals keine neue Saison vor der Tür. Aufgrund des Umstellens auf einen Winterkalender dauert die aktuelle WEC-Spielzeit noch drei Rennen (Sebring, Spa-Francorchamps und eben Le Mans) an. Und zumindest beim Blick auf die Spitze des Feldes wird die WEC ihren Gähn-Faktor zunächst beibehalten. Alles andere als drei Toyota-Siege wären eine faustdicke Überraschung. BR/Dallara und Rebellion/Oreca kommen auch 2019 leider weiterhin nicht über den Statisten-Status hinaus. Und auch die im September in Silverstone beginnende neue Saison 2019/20 dürfte erneut von Toyota dominiert werden. Abhilfe in Bezug auf Hochspannung und Action auf der Piste schafft erst wieder das LMP1-Nachfolge-Reglement, welches 2020 eingeführt wird.

Die neuen technischen Regeln stehen aber schon 2019 ganz klar im Fokus der FIA WEC. Denn im Laufe des Jahres stellt sich bereits heraus, welche Hersteller tatsächlich in der neuen Sportwagen-Königsklasse mit dabei sind. Toyota und Aston Martin gelten hier als die ganz großen Favoriten. Aber vielleicht gibt es in Bezug auf Neueinsteiger noch eine echte Überraschung. Das wäre der kränkelnden WM jedenfalls zu wünschen.

Doch nicht nur die großen Hersteller haben 2019 Farbe zu bekennen. Auch die IMSA-Serie muss sich in diesem Jahr committen und darlegen, ob die LMP1-Nachfolger auch in Nordamerika um die Wette fahren dürfen. Ein positiver Bescheid würde das allgemeine Hersteller-Interesse an der neuen Klasse ordentlich anfeuern. Davon könnte dann auch die FIA WEC profitieren. Anfang diesen Jahres starten FIA/ACO auch endlich jene Abstimmung, die der neuen Kategorie einen Namen geben soll.

Einen Namen hat die LMP2-Klasse bereits. Und auch sonst bleibt bei den mittelgroßen Prototypen 2019 alles beim Alten. Dort steht eine Überarbeitung des technischen Regelwerks erst für 2021 an. In den Entwicklungsabteilung des Chassis-Konstrukteure sorgen dagegen gerade die LMP3-Boliden für etwas Arbeit. Die kleinen Prototypen sollen für 2020 ein Update erhalten, welches sie nicht nur spektakulärer aussehen lässt, sondern natürlich auch schneller macht. Einen Ausblick darauf gibt es während der Le-Mans-Woche im Juni. Dann wollen die ersten Player ihre neuen LMP3 der Öffentlichkeit präsentieren.

Mit den sechs Herstellern Aston Martin, BMW, Corvette, Ferrari, Ford und Porsche geht die GTE-Klasse in das neue Jahr. Aller Voraussicht nach bleiben in zwölf Monaten nur noch fünf davon übrig, da das Ford-Programm 2019 ausläuft. Neuankömmlinge sind momentan nicht in Sicht. Dennoch braucht man sich um die Kategorie keine wirklichen Sorgen machen. Da die involvierten Werke froh um die GTE-Bühne sind, bleibt die Klasse zumindest mittelfristig bestehen. Nirgendwo sonst können sie ihre Renner in spektakulärster Weise in den Wettbewerb schicken. Möglicherweise feiert ja die neue GTE-Corvette Ende des Jahres schon ihr Renndebüt.

Auch im GT3-Bereich bleibt 2019 vieles stabil. Durch einen neuen Homologationszyklus haben die meisten Hersteller neue (bzw. überarbeite) Rennwagen aufgelegt. Aktuell haben hier die deutschen Vertreter Audi, BMW, Mercedes-AMG und Porsche die größte Marktmacht inne. Doch Großbritannien rüstet GT3-mäßig gerade mächtig auf, um ein größeres Stück vom Kuchen abzubekommen. Die neuen Renner von McLaren und Aston Martin wirken verheißungsvoll und werden den alemannischen Kontrahenten 2019 ordentlich Beine machen. Aber auch die japanischen und italienischen GT3-Renner sind in diesem Jahr wieder für den einen oder anderen großen Triumph gut.

Unbeirrt von allem macht sich die GT4-Klasse weltweit immer breiter. Auch hier dominieren Audi, BMW, Mercedes-AMG und Porsche den Markt. Doch das Potenzial ist in der derzeit kostengünstigsten GT-Kategorie riesig. Rund um den Globus werden 2019 immer mehr GT4-Serien aus der Taufe gehoben. Fast überall sind volle Startfelder zu erwarten. Das Highlight setzt hier natürlich der ADAC, der im April in Oschersleben mit der GT4 Germany debütiert. Die so aufstrebende GT4-Kategorie nimmt mittlerweile eine elementare Stellung ein. Denn sie lockt potente Teams und Fahrer aus anderen motorsportlichen Bereichen in den Sportwagen-Paddock. Das sichert die Zukunft des Sports langfristig ab. Vielleicht sehen wir in einigen Jahren ein 2019er GT4-Team im Prototypen um die Le-Mans-Krone fighten. Das würde der Szene auf jeden Fall gut tun.

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