Kenan Sofuoglu braucht OP: «Schlimme Verbrennungen»

Von Ivo Schützbach
Supersport-WM
«Ich konnte nichts außer atmen», sagte Kenan Sofuoglu

«Ich konnte nichts außer atmen», sagte Kenan Sofuoglu

Supersport-Rekordweltmeister Kenan Sofuoglu befürchtete nach seinem Sturz im freien Training auf Phillip Island am Samstagmorgen das Schlimmste. Er wurde wieder mal Opfer eines kaputten Reifens.

Spätestens seit seinem Start im Supersport-WM-Finale 2017 in Katar ist jedem klar, dass Kenan Sofuoglu mehr einstecken und aushalten kann als die meisten Menschen. Damals trat der Türke nur fünf Wochen nach einem mehrfachen Beckenbruch an – und wurde im Rennen Dritter und Vizeweltmeister!

Am Samstagmorgen crashte der Kawasaki-Werksfahrer im dritten freien Training in der schnellen Linkskurve 3 mit 240 km/h und überschlug sich anschließend mehrfach im Kiesbett. Seine Kawasaki ZX-6R ist Totalschaden, Sofuoglu wurde nach längerer Behandlung auf der Strecke ins Medical Center gebracht.

Drei Stunden später, als die Superpole gestartet wurde, war Sofuoglu wieder dabei und preschte auf Startplatz 3! «Meinem Körper geht es nicht gut, im linken Bein habe ich ein Loch», erzählte der 33-Jährige SPEEDWEEK.com. «Auch der rechte Arm ist schwer mitgenommen, du kannst die blauen Flecken überall sehen. Dass ich die Superpole fuhr, war echt hart. Ich brauche mindestens 24 Stunden, bis sich mein Körper einigermaßen erholt hat.»

Wie sich herausstellte, ist ein Reifenschaden die Ursache des Crashs. «Der Reifen warf auf der Seite Blasen und brach», erklärte Pirelli-Rennchef Giorgio Barbier.

«Nicht nur ich hatte Reifenprobleme, sondern jeder», hob Sofuoglu hervor. «Damit wir am Sonntag auf der sicheren Seite sind, fahren wir ein Flag-to-flag-Rennen. Ich werde nicht aufgeben, ich kämpfe bis zum Schluss. Ich habe nichts gebrochen, deshalb kann ich fahren und auch gewinnen.»

Du wurdest lange im Kiesbett liegend behandelt, bevor sie dich abtransportierten. Wieso konntest du nicht aufstehen? «Außer atmen konnte ich gar nichts», erzählte der fünffache Weltmeister. «Mir tat meine linke Seite unglaublich weh. Seit meinem Unfall in Magny-Cours kann ich das linke Bein nicht mehr so weit abspreizen, heute wurde ich aber wild herumgewirbelt. Im linken Bein habe ich ein Loch, dort wo es gebrochen war. Sie wollten gleich eine Hauttransplantation machen, dann könnte ich aber das Rennen nicht fahren. Also gaben sie mir Antibiotika, damit es sich nicht infiziert. Nächste Woche machen wir dann die OP. Zuerst dachte ich, ich hätte wieder das Becken gebrochen, da tat es am meisten weh. Erst später wurde mir klar, dass das wegen der Verbrennungen dort ist. Ich rutschte unter dem Bike liegend, arg viel weiß ich davon aber nicht mehr. Die Verbrennungen sind schlimm.»

Pirelli stellt den Teams in Australien zwei Reifentypen zur Verfügung: Eine sichere Variante und einen Reifen mit mehr Performance. Selbstredend, dass sich fast alle Fahrer und Teams für den schnelleren Reifen entscheiden.

«Der Punkt ist ein ganz anderer», hielt Sofuoglu fest. «Ich fuhr mit dem guten Reifen im Test 21 Runden, am Freitag fuhr ich mit dem gleichen Reifentyp sechs Runden und heute weitere sieben Runden, insgesamt also weniger als 15 – und der Reifen brach. Die Qualität der Reifen ist nicht gleichbleibend. Für die Serie mögen sie okay sein, aber für den Rennsport sind einige nicht perfekt. In der WM sind Fahrer, die 100 Prozent aus den Reifen herausholen. Für solche Fahrer sind sie nicht perfekt. Wir brauchen bessere Qualität. Ein Reifen funktioniert, der nächste bricht. Wir versuchen vielleicht mehr aus den Reifen herauszuholen, als in ihnen steckt. Mit einem nicht perfekten Reifen kann man so stürzen wie ich heute, das ist sehr gefährlich. Ich stürzte in einer der schnellsten Kurven. Wenn du dir da etwas brichst – ich habe eh schon Probleme mit dem Becken. Ich hatte solche Angst, dass es erneut gebrochen ist. Das ist das Schlimmste, was du dir brechen kannst. Da darfst du nicht mal fliegen – und wir sind hier in Australien. Nach dem Crash wollte ich aufgeben. Aber dann sah ich auf den Röntgenbildern, dass nichts gebrochen ist. Mein Motorrad war Schrott, ein neues wurde erst drei Minuten vor Ende der Superpole fertig und ich konnte auf die Strecke. Ein gutes Team bringt so etwas hin.»

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