Supersport-WM

Jochen Kiefer: «Ich habe einen Ruf zu verlieren»

Von - 13.01.2020 13:55

Yamaha-Teamchef Jochen Kiefer ist sehr bemüht, doch noch genügend Geld für die Supersport-WM 2020 aufzutreiben. Im Interview mit SPEEDWEEK.com erklärt er, wie es zu der prekären Situation kam.

Beim Brünn-GP am ersten August-Wochenende erhielt Kiefer Racing vom Selektions-Komitee die Hiobsbotschaft, dass 2020 kein Moto2-Platz mehr zur Verfügung gestellt wird. Teameigentümer Jochen Kiefer zeigte sich zerknirscht, sprach drei Wochen später beim Silverstone von der Möglichkeit eines kompletten Rückzugs, gleichzeitig überlegte er einen Plan B für die CEV Repsol-Moto2-EM oder für den European Talent Cup oder Northern Talent Cup.

Sechs Wochen nach dem Brünn-GP reifte bei Kiefer und Tulovic-Manager Peter Bales der Plan des Umstiegs in die Superbike- oder Supersport-WM. Doch die Dorna sicherte die beiden Supersport-Plätze für Lukas Tulovic und Thomas Gradinger erst Ende November zu. Jetzt war höchste Eisenbahn, was die Saisonvorbereitung betraf, denn am 1. März beginnt die Supersport-WM auf Phillip Island, erste Testfahrten waren für Ende Januar vorgesehen.

Doch seit ein paar Tagen steht das Supersport-Projekt mit Yamaha-R6-Maschinen auf der Kippe. Das Budget ist noch nicht gesichert.

Die Geschichte wiederholt sich: Vor zwei Jahren musste Jochen Kiefer nach dem Tod seines Bruders und dem gescheiterten Verkauf des Teams an russische Investoren im Januar alle Pläne auf den Kopf stellen. Er musste sich von Sandro Cortese trennen und ein Ein-Fahrer-Moto2-Team mit Domi Aegerter planen.

Im November und Dezember sah Jochen Kiefer der Saison 2020 noch optimistisch entgegen. Bei YART-Chef Mandy Kainz in Österreich wurde das Material bestellt. Jetzt klafft eine 300.000-Euro-Lücke im Budget.

Folgende Sponsoren sind an Bord: A. Ragucci Straßenbau, Sotin, B.i.B. Generalbau, TRW, NGK, D.S. Immobilien, Naumann Präzisionsteile, Titan Riedmeier, KCE, Mithos, MotoCoach, Meyer Werbung, Haas Klimatechnik, 2D Data Recording, Grether Autohof Binzen, Lakowa, AFAM, GBRacing, Kühn Baustoffe, Dachtechnik Müller, Lucas Design, Spedition Cvetko, LS2 helmets, WRP brakes , P. S. CNC Technik, PB motorsport, Württembergische Versicherung, Moto Master, Profifit, AMC Ettlingen und Motocrumb.

War Jochen Kiefer gegenüber manchen Geldgebern zu vertrauensselig, zu gutgläubig? Im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com verrät er alle Einzelheiten.

Jochen, wie konnte es zu dieser Situation kommen? Hast du mündliche Zusagen für bare Münze genommen? Oder hat man dir zu spät signalisiert, wie stark die Zuschüsse für die Supersport-WM reduziert werden?

Es sind einige Sponsoren abgesprungen, was ich nicht wissen konnte, das muss man dazu sagen. Bei der Weihnachtsfeier bei Lukas Tulovic haben mir in der Teamplanung noch 250.000 Euro gefehlt, die wir noch rechtzeitig generieren wollten. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch aussichtsreiche Verhandlungen, zum Beispiel mit BWT. Das sah gut aus. Auch mit einer Batteriefirma waren wir im Gespräch. Auch hier war ich ziemlich zuversichtlich. Aber alle Gespräche sind geplatzt. Dazu sind mir noch existierende Sponsoren abgesprungen. Ich habe nicht einmal mehr eine Ölfirma. Mit Yamaha Deutschland gab es auch Kontakt.

Ich habe in den letzten Wochen zirka 160 Firmen angeschrieben.

Viele haben kein Interessesse, andere sagen, wir seien viel zu spät, die Marketing-Budgets seien verplant.

Wie hoch ist das Budget für zwei Supersport-WM-Fahrer?

Wir haben jetzt mit etwas mehr als 1 Million Euro geplant. In der Moto2-WM 2019 mit Lukas Tulovic sind wir mit viel Hin und Her mit 850.000 durch die Saison gekommen.

Mit welchen Sponsorship-Beträgen planst du in der Supersport-WM?

Einen Hauptsponsor-Vertrag würde ich jetzt auch für 300.000 Euro anbieten. Aber wir freuen uns auch über kleinere Geldgeber. Ab 10.000 Euro bekommt ein Geldgeber Platz auf den Motorrädern. Ab dieser Summe geht’s bei mir los.

Wie schaut es jetzt bei dir mit der Deadline aus? Wie lange kannst du warten? Bis wann müsste das Supersport-Budget gesichert sein?

Wenn ich das Supersport-Projekt in den nächsten Tagen nicht finanziert habe, muss ich es zusperren. Mehr Zeit habe ich nicht.

Manche Teams starten mit einem lückenhaften Budget in die Saison und hoffen, während des Jahres noch Geld zu finden. Im Worst-Case sperren sie dann während der Saison zu.

Uns wurde zum Beispiel von der Firma Magura ein schöner Betrag zugesagt. Ich kann doch nicht träumen und so einem Sponsor irgendwann mitteilen: Ich kann nur die Hälfte der Rennen bestreiten.

Ich habe dann aber womöglich schon das ganze Geld kassiert. Das geht ja nicht. Ich müsste ja dann den halben Betrag zurückzahlen. Das Geld wäre aber inzwischen vielleicht nicht mehr vorhanden... Das kann man als seriöser Teambesitzer nicht machen. Ich heiße Kiefer. Wir haben einen Ruf zu verlieren.

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© SPEEDWEEK.COM
Teamchef Jochen Kiefer (li.) mit Thomas Gradinger © Kiefer Racing Teamchef Jochen Kiefer (li.) mit Thomas Gradinger

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