3 Monate nach dem Unglück: Gedanken an Victor Steeman

Kolumne von Ivo Schützbach
Victor Steeman wurde nur 22 Jahre alt

Victor Steeman wurde nur 22 Jahre alt

Am 15. Januar 2023 hätte Victor Steeman seinen 23. Geburtstag gefeiert. SPEEDWEEK.com erinnert an den Vizeweltmeister der Supersport-300-Klasse aus den Niederlanden.

Der 8. Oktober war für mich der Tiefpunkt der sportlich grandiosen Saison 2022, damals verlor Victor Steeman nach einem Sturz in Portimao sein junges Leben.

Das Unglück geschah in der dritten Runde des ersten Supersport-300-Rennens am Samstagnachmittag: Steeman hatte in Kurve 14 einen Highsider und wurde von einem nachfolgenden Gegner frontal gerammt. Beide Fahrer hatten keine Chance, das Rennen wurde sofort abgebrochen.

Steeman wurde lange im Kiesbett behandelt, künstlich beatmet und wiederbelebt. Die Ärzte konnten den 22-Jährigen so weit stabilisieren, dass er um kurz nach 13.30 Uhr Ortszeit mit dem Hubschrauber vom Autodromo do Algarve ins Krankenhaus nach Faro geflogen werden konnte.

In Faro wurde der WM-Zweite am Samstagabend am Kopf operiert, um den Druck vom Gehirn zu nehmen. Steeman hatte bei dem Sturz schwerste Kopfverletzungen erlitten, in der Nacht auf den 12. Oktober wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen nach Rücksprache mit Victors Eltern eingestellt.

Es war schon damals unmöglich, die richtigen Worte zu dieser Tragödie zu finden. Ein junger Mensch hatte auf der Rennstrecke sein Leben verloren – bei dem, was er am liebsten tat.

Gut drei Monate später kommen sämtliche Emotionen wieder hoch: Heute hätte Victor seinen 23. Geburtstag gefeiert.

Ich lernte Victor 2019 kennen, als er mit dem Team Freudenberg KTM in die 300er-Weltmeisterschaft kam. Ein ruhiger Teenager, sehr höflich, wohlerzogen, er bemühte sich immer sehr, mit mir Deutsch zu reden.

Sein Talent war offensichtlich, fünf seiner 42 Rennen in der Supersport-300-WM hat er gewonnen, ein weiteres Mal stand er als Dritter auf dem Podium. Sechs Pole-Positions unterstreichen außerdem seinen Speed.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir sein erster Sieg am 7. August 2021 in Most. Damals beendete Steeman für KTM eine lange Durststrecke.

Die Weltmeisterschaft schloss Steeman damals trotz dieses Sieges nur als Zehnter ab, für die Saison 2022 wechselte er ins Weltmeister-Team MTM Kawasaki. Victor gewann vergangenes Jahr vier Rennen und stand fünfmal auf dem Podium. Vor dem Portimao-Wochenende hatte er sogar noch theoretische Chancen, Weltmeister zu werden.

Steeman wurde nach dem Unfall ins künstliche Koma versetzt – und wachte nie wieder auf.

Wenige Tage nach Victors Tod erlitt Mutter Flora van Limbeek einen Herzinfarkt, ihr Mann Willem konnte sie trotz größter Bemühungen nicht ins Leben zurückholen. Die 59-Jährige war Victors größter Fan, sein Verlust war zu viel für ihr Herz.

Meine Gedanken sind heute bei Willem Steeman und den Angehörigen von Victor und Flora. Mögen sie Kraft und Trost finden und sich an die schönen Zeiten erinnern.


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