Welcher BMW-Pilot wird Nachfolger von Georg Meier?

Von Helmut Ohner
Tourist Trophy
1939 gewann Georg Meier als erster Nicht-Brite auf einem nicht-britischen Motorrad die Senior-TT. Gibt es pünktlich zum 75-Jahr-Jubiläum wieder einen Sieg eines BMW-Piloten beim wichtigsten Rennen der TT-Woche?

BMW gehört in der mehr als hundertjährigen Geschichte der Rennen um die Tourist Trophy zu den erfolgreichsten Motorradmarken. Insgesamt brachte es das bayrische Fabrikat auf 30 Siege, 24 zweite und 13 Plätze. Vor allem die Beiwagen-Klasse mit den damaligen Stars trug hauptsächlich zu dieser eindrucksvollen Statistik bei. Der letzte Sieg eines Motorrades aus München lag vor dem Triumph von Michael Dunlop im Superbike- und Superstock-Rennen schon einige Jahre zurück. Der inzwischen tödlich verunglückte Brite Dave Morris gewann vor 15 Jahren auf seiner Chrysalis BMW F650 zum dritten Mal in Folge die Singles-TT.

Spätestens seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 ging es auf den Rennstrecken nicht mehr nur um Ruhm und Ehre. Waren es im Automobil-Rennsport Auto Union und Mercedes, die für die NS-Propaganda zum Siegen verdammt waren, nahmen im Motorrad-Rennsport DKW, NSU und auch BMW den Kampf gegen die Vormachtstellung der britischen Marken Norton und Velocette auf. Mit großem finanziellem Aufwand wollte man die technologische Überlegenheit deutscher Ingenieurskunst beweisen. Was wäre besser dazu geeignet gewesen, als das schwerste Rennen der Welt - die Tourist Trophy.

1937 schickte BMW eine Kompressor-Maschine auf die Insel Man. Der Brite Jock West sollte damit an der Senior-TT teilnehmen und die Chance der bayrischen Motorradmarke ausloten. West zog sich mit dem sechsten Platz ganz ordentlich aus der Affäre. Nach der fünften von sieben Runden auf dem mörderischen Kurs musste er sein Motorrad von Governors Bridge bis zur Box schieben, weil ihm wegen eines gerissenen Tanks das Benzin ausgegangen war. Ohne dieses Malheur wäre wohl schon beim ersten Antreten ein Platz auf dem Siegespodest nicht zu verhindern gewesen.

Angetrieben durch das gute Abschneiden im Jahr davor, wurden Georg Meier, Karl Gall und Jock West auf die kleine Insel zwischen Großbritannien und Irland entsandt. Doch das Unternehmen stand unter keinem glücklichen Stern. Bei einer Versuchsfahrt stürzte Gall in einen Rinnsal und drohte zu ertrinken. Der hinter ihm fahrende Meier rettete dem gebürtigen Wiener das Leben. Auch im Rennen waren die BMW-Mannen nicht vom Glück begünstigt. Gall konnte wegen der Kopfverletzungen nicht starten, Meier schied bereits in der ersten Runde mit Kerzenschaden aus und West blieb mit Platz 5 hinter den Erwartungen.

Auch der dritte Anlauf, die Senior-TT zu gewinnen, begann für BMW schlecht. Gall stürzte im Training beim Sprung über die Ballaugh Bridge und erlag elf Tage später seinen schweren Verletzungen. Trotz dieses tragischen Auftakts zum TT-Abenteuer gingen Meier und West an den Start. Bereits in der ersten Runde konnte sich Meier an die erste Stelle setzen. Der «Gusseiserne», wie er in Rennsportkreisen respektvoll genannt wurde, trotzte allen Angriffen seiner Gegner und kreuzte nach sieben Runden als Erster die Ziellinie. Jock West rundete den Erfolg der bayrischen Motorradmarke mit dem zweiten Platz ab.

Ein dreiviertel Jahrhundert nach diesem historischen Triumph könnte es dieses Jahr bei den Rennen zur Tourist Trophy wieder einen Sieg eines BMW-Piloten bei der prestigeträchtigen Senior-TT geben. Alle Augen sind dabei auf den Nordiren Michael Dunlop gerichtet, der am Samstag auf seiner BMW S1000RR bereits das Superbike-Rennen gewinnen konnte und gestern auch in der Superstock-Klasse siegreich blieb.

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