MotoGP: Abfuhr als Befreiungsschlag?

Die Nagelprobe in den schwedischen Wäldern

Von Toni Hoffmann
Die «Schweden-Spikes»

Die «Schweden-Spikes»

Schneller, weiter, stärker: Die Werkspartner von Michelin setzen für schwedischen «Winter-Grand Prix» auf Spikereifen X-Ice North 3, im vollen Drift mit 200 km/h über vereiste Schneepisten und furchterregende Kuppen.

Bei der Rallye Schweden müssen die Lenkradakrobaten der Rallye-Weltmeisterschaft besonders viel Vertrauen in die Reifen ihrer nunmehr fast 400 PS starken Turbo-Allradler haben. Die Werksteams von M-Sport, Hyundai, Citroën und Toyota setzen auch für ihre neu entwickelten World Rally Cars wieder auf den mit 384 Spike-Nägeln bestückten X-Ice North 3 von Michelin. Er vereint hohe Lenkpräzision über große Prüfungsdistanzen mit viel Grip und Traktion.

Sie sind 20 Millimeter lang und ragen 6,5 Millimeter aus dem Profil hervor, wiegen pro Stück vier Gramm und bestehen aus einer speziellen Tungsten-Stahllegierung: Die 384 Spikes des X-Ice North und ihre spezielle Verankerung in den gerade Mal 195 Millimeter breiten 15-Zoll-Reifen gehören zu den besonders gut gehüteten Geheimnissen der Motorsportabteilung von Michelin. Die Aufgabe der Hightech-Winterspezialisten ist klar definiert: Durch die Schneeoberfläche der zumeist anmutig geschwungenen Waldwege sollen sie auf den Wertungsprüfungen (WP) der Rallye Schweden sicheren Halt im festeren Untergrund finden, auch auf vereisten Passagen viel Grip bieten und selbst schlechte Streckenbedingungen möglichst unbeschadet überstehen.

Neue World Rally Cars stellen Rallye-Schweden-Pneus auf harte Probe

384 Spikes zieren jeden einzelnen Michelin X-Ice North 3. Sicherer Halt auf glatter Fahrbahn: 384 Spikes zieren jeden einzelnen Michelin X-Ice North 3. Nie zuvor wurden die speziell für die Rallye Schweden konstruierten Pneus von Michelin so gefordert wie der X-Ice North 3 in dieser Saison, selten wurde die Technologie künftiger Winterreifengenerationen einem schonungsloseren Härtetest unterzogen. Denn schon der Saisonauftakt in den Seealpen oberhalb von Monte Carlo hat gezeigt: Die jüngste Evolution der World Rally Cars – aerodynamisch ausgefeilt und mit rund 400 PS nochmals über 20 Prozent stärker als ihre Vorgänger – sind die schnellsten Autos, die den schwedischen WM-Lauf jemals in Angriff genommen haben.

Das weiß auch Jacques Morelli, Leiter des Rallye-WM-Engagements von Michelin. «Die neuen, leistungsstärkeren World Rally Cars stellen größere Anforderungen an unsere Reifen. Die Fahrer werden sich das Leistungsvermögen der Pneus zum Beispiel durch etwas vorsichtigeres Bremsen gut einteilen müssen, damit die Spike-Reifen auch am Ende ihrer Einsatzzeit noch ihr volles Potenzial ausspielen können», betont der Franzose. Dies gilt erst recht, sollte wie im Vorjahr Tauwetter den Schotterbelag der Waldwege zum Vorschein bringen. «Wenn die Schnee- und Eisschicht aufbricht und die Naturwege durchkommen, dann setzt dies den Spikes der Reifen naturgemäß noch stärker zu – danach können sie auf Schnee und Eis nicht mehr die gleiche effektive Wirkung entwickeln wie zuvor.» 

WM-Rallye Schweden wurde in Region mit Schneesicherheit verlegt 

Ab in den Norden: Die WM-Rallye Schweden wurde in eine Region mit höherer Schneesicherheit verlegt. Nach den Problemen von 2016, als acht WP aufgrund von Schneemangel abgesagt werden mussten, ist die Rallye Schweden weiter in den Norden gezogen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Veranstalter fast 60 Prozent der Prüfungen modifiziert. Die 21,26 Kilometer lange «Hof – Finnskog» ist sogar komplett neu. Sie wird am Freitag zweimal befahren (WP 3 und 6) und liegt wie fast alle WP der ersten Etappe jenseits der Grenze in Norwegen. Darüber hinaus, so Morelli, «besucht die Rallye Schweden viele klassische Wertungsprüfungen wie ,Vargasen‘, ,Varmullsasen‘ und ,Likenäs‘, die zuletzt 2011 zum Programm gehörten. In jenem Jahr gab es sehr viel Schnee.»

Mangelnde winterliche Bedingungen für die WP «Torsby», die den Freitag ebenso beschließt wie am Sonntag als sogenannte «Power Stage» die gesamte Rallye, befürchtet Jacques Morelli nicht: «Sie ist garantiert vereist, denn sie wird regelmäßig mit Wasser besprüht.» Besonderheit dieser 16,43 Kilometer langen Herausforderung: Das Ziel der Prüfung liegt in unmittelbarer Nähe des Service Parks, der von Karlstad in die gut 100 Kilometer entfernte 4.400-Einwohner-Gemeinde Torsby verlegt wurde – eine echte Rallye-Hochburg, aus der zum Beispiel der Rallye-Clan von Lars-Erik und Stig-Olov Walfridsson stammt. Zu ihm gehört auch Pernilla Walfridsson, die Ehefrau von Ex-Weltmeister Petter Solberg.

Pro World Rally Car stellt Michelin acht Sätze des X-Ice North 3 bereit

Viel Auswahl haben die Rallye-Fahrer in Schweden nicht, was die Reifen ihrer Turbo-Allradler betrifft: Das Reglement erlaubt nur ein Profilmuster und eine Laufflächenmischung. Inklusive des Shakedowns, der offiziellen Testgelegenheit am Donnerstagmorgen ab 8.00 Uhr, stehen jeder World Rally Car-Crew insgesamt 32 Pneus zu. In der WRC2-Klasse, in der die gut 270 starken R5-Autos an den Start gehen, sind es pro Fahrer 30 Reifen. Michelin transportiert 1.020 Pneus nach Torsby, von denen 450 für die Topkategorie und 570 für die WRC2 bestimmt sind. 

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