Über wen wenn nicht Loeb?

Kolumne von Justin Hynes
WRC
Sèbastien Loeb (re.) ist derzeit unerreichbar

Sèbastien Loeb (re.) ist derzeit unerreichbar

Um ehrlich zu sein: es ist schwer, nach einem Wochenende wie dem letzten in Irland ein Gesprächsthema zu finden.

Wir könnten noch mehr über Sébastien Loeb reden, aber nachdem er heute ganz bequem im nordwestlichen Eck von Irland den Sieg eingefahren hat, gibt es über den Rallye-Weltmeister von 2009 nicht mehr viel zu sagen (eigentlich können sie ihm die Krone ja jetzt schon aufsetzen).

Na, sprechen wir trotzdem über ihn. Oder besser gesagt, nehmen wir ihn als Ausgangspunkt. Es läuft einfach zu leicht für ihn. Der einzige wahre Gegner, den der Franzose am Wochenende hatte, war das Wetter. Nachdem wir gestern morgen bei strahlendem Sonnenschein aufgewacht sind, war schon abzusehen, dass die fünf kurzen Prüfungen am letzten Tag der Rallye Irland eine Siegesparade für den Red Bull Citröen-Fahrer werden würden.

Natürlich macht auch Loeb ab und zu mal einen Fehler. Auf der vorletzten Prüfung hätte er um ein Haar alles weggeschmissen, als er die Reifen blockierte und fast 60 Meter rutschte, bevor er sich retten konnte.

Aber das war nur ein kurzzeitiger Lapsus und gab seinen Konkurrenten keinen Grund zur Hoffnung. Die waren, sobald der Champion seinen Fehler vom Freitag korrigiert hatte, wo er auf den falschen Reifen losgefahren war, wieder einmal ohne jede Chance, an ihn ranzukommen.

Nicht einmal das Wetter war ihm gewachsen. Während der aus Abu Dhabi stammende Ford-Fahrer Khalid al-Qassimi die Verhältnisse bestaunte («Wie kann es nur so viel regnen?»), arrangierte sich Loeb einfach mit dem geringfügigen Problem, dass die schmale Strecke in Sligo eher einem Kanal als einer Straße ähnelte.

Man muss das mal folgendermaßen betrachten. Letztes Jahr hat Loeb auf dem Weg zum Titel 11-mal gewonnen. Dieses Jahr gibt es nur 12 Läufe. Das Ergebnis kann man sich ganz allein ausrechnen. Natürlich ist das ausgesprochen schön für Red Bull Citröen. Man gewinnt ja schließlich gern. Weniger schön ist es für diejenigen von uns, die sich nicht für die Vorstellung begeistern können, dass immer der Gleiche gewinnt. Wo liegt also die Lösung? Gibt es überhaupt noch eine, wenn man Loeb nicht zwingen will, es mal mit ein paar Rundstreckenrennen seiner Wahl zu versuchen?
Das ist eine heikle Frage. Das Fehlen eines echten technischen Wettbewerbs hilft jedenfalls schon mal nicht. Wenn zwei Hersteller bei einem Sport mitfahren, der sie eigentlich nur zur Homologation braucht, ist das alles andere als gut. Der Ausstieg von Subaru und Suzuki hat der Weltmeisterschaft mehr geschadet, als Insider zugeben wollen. Die reden sich die Sache schön und behaupten, die WM sei nun ein faszinierender Zweierkampf von Red Bull Citröen und BP Ford, hinter dem - sozusagen auf der Stufe drunter - die Auseinandersetzung zwischen dem Citröen-Juniorteam und Stobart-Ford tobt. Das klingt etwa so, als ob jemand sagt, dass es in der englischen Premier League hinter Arsenal, Liverpool, Chelsea und Manchester United ja noch ein ganz spannendes Duell von Stoke und Sunderland gibt. Um die Analogie weiterzuführen: es klingt so, als ob jemand ein null-zu-null-Unentschieden als «aufregende taktische Schlacht» anpreist.

Loebs Alleinherrschaft wird durch diesen Mangel an Wettbewerb noch verstärkt. Was die WRC wirklich braucht, ist die Rückkehr von Subaru und der Einstieg von Mitsubishi. Ein paar anderen sollte möglichst auch noch aufgehen, dass es hier aus kommerzieller Sicht jede Menge zu holen gibt.

Dafür muss allerdings das neue Regelpaket beschlossen werden, und zwar so früh wie möglich. Es wird ja gerade über die S2000-Spezifikation als Zukunftsmodell für die WRC gesprochen, um die Kosten zu drücken und den Sport für jedermann erschwinglich zu machen. Mittlerweile hat sich die Diskussion im kleinkarierten Hickhack darüber verfangen, ob man einfach geradewegs mit dem S2000 fahren oder ein «WRC Kit» hinzufügen soll, um die technische Attraktivität der Serie als «Gipfel des Rallyesports» zu erhalten.
Wenn man sich darauf nicht bald einigt, springen potentielle neue Interessenten wieder ab. Nach dem Sieg bei der Dakar-Rallye sagte Kris Nissen von VW zu Journalisten: «Wir haben ein Auge auf die Rallye-WM geworfen und wir würden gerne herausfinden, ob eine Teilnahme zusätzlich zu Dakar möglich ist – oder anstatt von Dakar.»
Das ist die Art von Angebot, um das sich die WRC eigentlich mit offenen Armen bemühen sollte. Wer jetzt die Diskussion über Kits unnötig verlängert, riskiert nur, dass Firmen wie VW es sich wieder anders überlegen. Oder Proton, die ebenfalls durchblicken ließen, dass sie eine Teilnahme in Erwägung ziehen. Nebenbei bemerkt könnte ein Einstieg von VW interessante Auswirkungen auf die Partnerschaft von Red Bull und Citröen haben, da VW enge Bande mit dem Getränkehersteller pflegt.
Subaru sollte ebenfalls zur Rückkehr animiert werden, indem man ihnen Zahlen dazu mitteilt, wie preiswert eine Serie auf S2000-Basis genau ist. Wenn die neuen Regeln in naher Zukunft bestätigt würden, hätte der Hersteller genug Zeit und Budget, um ein konkurrenzfähiges S2000-Fahrzeug zu bauen. Außerdem könnten sie sich mit dem Wissen trösten, dass sie nicht gleichzeitig Millionen in die Saison 2009 investieren müssen.

Wenn man sich am Wochenende bei Teamleuten im Service Park ungehört hat, dann kam das Gespräch immer wieder darauf, dass in der WRC momentan einfach ein ordentlicher Kampf an der Spitze fehlt. Früher gabs noch Fahrer wie Colin McRae oder Richard Burns, richtige Typen also, die aus ihrer gegenseitigen Abneigung keinen Hehl machten und sich auf offener Bühne bekriegt haben, bis die Fetzen flogen.
Mit einem Loeb passiert das nicht (obwohl Loeb selbst die Art von Fahrerpersönlichkeit ist, die einen solchen Kampf sicher genießen würde). Aber wie sollte es auch anders sein, wenn in den konkurrenzfähigen Autos keine Cockpits frei sind, so dass ihm mal jemand gefährlich werden könnte?

Wenn die Service Area mit zurückgekehrten Subarus und mit neu hinzugekommenen VWs und Protons vollgeparkt ist, dann kommen vielleicht ein paar neue Star-Fahrer vorbei, die wirklich etwas ausrichten können. Eine Saison, wo einer 11 Läufe gewinnt, hätten wir dann vermutlich nicht mehr.

Übersetzt von Christoph Stappert

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